Windkraft

Gegenwind für Windkraft-Pläne zwischen Liesen und Züschen

Knapp 400 Bürger aus der Region Hallenberg und Winterberg sowie Vertreter der beiden Städte informieren sich in Liesen über die Windkraftpläne der Firma Juwi.

Foto: Rita Maurer

Knapp 400 Bürger aus der Region Hallenberg und Winterberg sowie Vertreter der beiden Städte informieren sich in Liesen über die Windkraftpläne der Firma Juwi. Foto: Rita Maurer

Liesen/Züschen.  Hunderte Interessierte verfolgten den Windkraft-Infoabend, initiiert von Liesener Bürgern. Es gibt große Vorbehalte gegen Pläne der Firma Juwi.

Der Info-Abend, initiiert von Liesener Bürgern, zu den zwischen Liesen und Züschen geplanten Windkraftanlagen begann mit Verspätung: Das Interesse war so groß, dass zusätzliche Sitzgelegenheiten beschafft und der hintere Bereich der Schützenhalle auch geöffnet werden musste.

Die pfälzische Firma Juwi plant auf den Bergen entlang der B 236 zwischen Liesen und Züschen laut bisher unterzeichneten Grundstücksverträgen fünf Windräder, die bis zu 800 Meter an den Ort Züschen heranrücken könnten. Das Vorhaben war Ende Oktober erst durch einen WP-Bericht allgemein bekannt geworden. Vorgesehen sind auf den im Schnitt 650 Meter hohen Bergen Windräder mit einer Höhe von 210 Metern.

Hallenberg gibt kein gemeindliches Einvernehmen

Nach allgemeinen Informationen zur Energiewende von Moderator Markus Hilgenberg sowie zu Arten- und Naturschutz von Biologinnen der Uni Marburg erläuterte Bürgermeister Michael Kronauge, warum Hallenberg sich 2013 gegen die Ausweisung von Windkraftzonen entschieden hatte. Er bekräftigte, dass die Stadt der Firma Juwi im Fall von Bauanträgen das gemeindliche Einvernehmen verweigern wolle. Da die Untere Landschaftsbehörde des HSK seinerzeit aus Tourismus- und Naturschutz-Gründen von Windkraftzonen abgeraten und auch die Windhöffigkeit im Stadtgebiet nur als gering bis mittel eingestuft hatte, hoffe er dabei auf die Unterstützung des Kreises. Dann bliebe der Firma Juwi jedoch der Klageweg.

Fotomontage mit eingezeichneten Windrädern

Gespannte Stille herrschte beim Vortrag von Carmen Henze, die Bilder von Windpark-Bauten sowie Foto-Montagen der betroffenen Region mit den Windrädern zeigte.

Eine gebürtige Lieserin, die im Kreis Paderborn wohnt, berichtete, dass sie dort von Windrädern umgeben sei, was sich deutlich auf die Lebensqualität niederschlage. Sie stellte die Frage, die wohl alle Zuhörer bewegte: „Was können wir tun?“ Konkrete Ansätze wie z.B. die Gründung einer Bürgerinitiative gebe es noch nicht, weil die Veranstaltung zur ersten Information gedacht sei, erklärte Markus Hilgenberg. Es würden nun Ideen, Hinweise und vor allem auch aktive Unterstützer gesammelt, um weitere Schritte abzuwägen.

Erfahrungsberichte der Elper Bürgerinitiative

Aus eigener Erfahrung gab ein Mitglied der Bürgerinitiative „Windflut Elpe“ den Rat, einen Verein zu gründen, um Spenden akquirieren zu können sowie eigene Artenschutz-Gutachten in Auftrag zu geben und sich nicht auf das von der Firma Juwi finanzierte Gutachten zu verlassen.

Weitere Wortmeldungen sprachen fallende Immobilienpreise und den Rückbau der Anlagen an, für die pro Fundament rund 3500 Tonnen Beton und Stahl eingesetzt würden.

Initiative oder Verein könnte helfen

Da in der Region die streng geschützten Rotmilane und Schwarzstörche vorkommen, kam die Frage nach deren Bedeutung für die Windkraftpläne auf. Die Biologinnen rieten dazu, Sichtungen aufzuzeichnen und nach Horsten Ausschau zu halten .

Horst-Günther Linde aus Bad Berleburg wies auf mehrere Windparks in Wittgenstein und deren Eingriffe in die Natur hin, deren Ausmaß sich vorher niemand habe vorstellen können: „Wir opfern unsere Natur und Heimat für eine nicht ausgereifte Strompolitik.“

Tourismus-Chef: „Auswirkungen nicht unterschätzen“

Mahnende Worte kamen auch von Michael Beckmann als Tourismus-Chef von Winterberg und Hallenberg. „Wir dürfen die Auswirkung von Windkraftanlagen auf den Tourismus nicht unterschätzen. Vergleichswerte zeigen, dass die Übernachtungszahlen um 20 bis 30 Prozent sinken, wenn in touristischen Gebieten Windräder gebaut werden.“ Das bedeute Umsatzminderungen für die hiesige Gastronomie, das Handwerk und den Einzelhandel. „Wir leben davon, dass Gäste zu uns kommen.“

Firma Juwi plant eigene Informationsveranstaltung

Die Firma Juwi will Anfang 2018 eine eigene Informations-Veranstaltung durchführen.

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