Umwelt

Geköpfter Rotmilan Trumpf im Kreuzzug gegen Windräder?

An dem Windrad der Stadtwerke Brilon auf dem Windsberg bei Altenbüren fand und fotografierte Joachim Göke am Montag, 6. August, am späten Vormittag diesen Rotmilan-Kadaver.

Foto: Joachim Göke

An dem Windrad der Stadtwerke Brilon auf dem Windsberg bei Altenbüren fand und fotografierte Joachim Göke am Montag, 6. August, am späten Vormittag diesen Rotmilan-Kadaver.

Brilon.   Ein kopfloser Rumpf mit Flügeln: Ein toter Rotmilan an einem Windrad bei Brilon alarmiert Tierschützer. Der Fall könnte vor Gericht gehen.

Als Joachim Göke am späten Montagvormittag auf seiner Mountainbikerunde am Gretenberg vorbeikommt und den am Windrad kreisenden Rotmilan sieht, zückt er sein Smartphone und fotografiert die Szene.

Kaum 20 Minuten später lichtet er am Windrad auf dem Windsberg den nächsten ab. Der fliegt allerdings nicht, sondern das, was von ihm übrig ist, liegt wenige Meter vom Mast entfernt am Boden. Ein kopfloser Rumpf mit Flügeln.

Kadaver dokumentiert und Polizei hinzugezogen

Nicht das erste Schlagopfer des gerade einmal vor einem dreiviertel Jahr in Betrieb genommenen Windparks, wie Winfried Rampe vom Verein für Umwelt und Naturschutz Hochsauerland (VUNH) gegenüber der WP sagt.

Der VUNH hat den Kadaver dokumentiert und auch die Polizei hinzugezogen. „Ja, es gibt ein Ermittlungsverfahren“ bestätigte Sebastian Held von der Pressestelle der Polizei in Meschede. Über die Wache Brilon habe sich der VUNH - und das betont deren Sprecher Winfried Rampe ausdrücklich - „mit der Bitte“ an die Staatsanwaltschaft gewandt, den Fund am Windsberg „unter dem Aspekt des Naturschutzstrafrechts auszuwerten“. Denn: „Die Tötung ... erfolgte nach unserem Verständnis durch den rechtswidrigen Betrieb einer Windenergieanlage.“

Stacheldraht: Hochsauerlandkreis reagiert schnell

Bei seinem Kreuzzug gegen die Windräder verfügt der VUNH über eine besondere Waffe: die Genehmigungsbescheide. Die beinhalten konkrete artenschutzrechtliche Auflagen. Das haben, wie berichtet, jüngst noch die Betreiber des Bürgerwindparks Wülfte-Alme zu spüren bekommen. Auf Initiative des Naturschutzbundes Deutschlands (NABU) hatte das Verwaltungsgericht Arnsberg zum Schutz des Rotmilans per Einstweiliger Anordnung für ein paar Tage die Stilllegung des Windparks zwischen Sonnenauf- und -untergang bis zum 31. Juli angeordnet. Eine für den Windpark als sogenannte Ausgleichsfläche für die Futtersuche des Rotmilans war nicht so hergerichtet wie in dem Genehmigungsbescheid festgelegt. Winfried Rampe zum Engagement des VUNH: „Was der HSK zum Artenschutz anordnet, ist das Papier nicht wert. Das liegt nicht am HSK, sondern an den Betreibern.“

Tierärztlicher Test mittels Wasserstoffperoxid

Bei Madfeld, so Rampe, sei der Stacheldraht um eine für den Uhu vorgesehene Ausgleichsfläche „auflagenwidrig nicht entfernt“ worden. Auf die entsprechende Monierung durch den VUNH habe der HSK „wirklich stehenden Fußes reagiert“, und auch der Betreiber der Anlage habe es nicht auf einen Streit ankommen lassen. Rampe: „Da wir von einem zu Schaden gekommenen Uhu nichts wissen, ist die Sache für uns vergessen und erledigt.“

Das sieht bei dem Milan-Kadaver vom Windsberg anders aus. Der Verein hat sich mittlerweile an die Obere Bauaufsicht gewandt. Der am Montag dort gefundene Vogel war schon mehrer Tage tot. Das hat ein tierärztlicher Test mittels Wasserstoffperoxid ergeben. Und Rampe sagt auch, dass der Fundort nicht mit dem Aufschlagort identisch sei. Dort habe man nicht die für einen Schlag typischen losen Federn gefunden. Die seien - gemeinsam mit der Losung eines Fuchses - an einer anderen Stelle entdeckt worden.

Immer wieder Abschaltungen

Formeller Betreiber des städtischen Windparks ist die Windpark Brilon GmbH & Co KG, deren einziger Gesellschafter bisher noch das kommunale Versorgungsunternehmen Verbands-Energie-Werk (VEW) Korbach ist. Dort war der Milan-Vorfall von Montag nicht bekannt. Wie VEW-Geschäftsführer Stefan Kieweg gegenüber der WP sagte, halte sich das Unternehmen selbstverständlich an die Auflagen. So seien derzeit aufgrund von landwirtschaftlichen Arbeiten immer mal wieder Anlagen für mehrere Tage abgeschaltet. Zu den Auflagen gehört auch, bei Temperaturen von über 10 Grad und einer Windgeschwindigkeit von unter 6 m/sec die Anlagen die Anlagen von der Abend- bis zur Morgendämmerung abzuschalten. Kieweg mit Blick auf das Stromeinspeisungskonto: „Das haben wir zurzeit ja - leider.“ Aber ansonsten ist der Sommer super!

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