Schützenwesen

Gerhard Peters aus Grönebach baut seinen letzten Vogel

Gerhard Peters

Foto: Rita Maurer

Gerhard Peters Foto: Rita Maurer

Grönebach.   Gerhard Peters aus Grönebach hat bisher 74 Vögel für die Schützenbruderschaft gebaut. Letztes Exemplar als Dankeschön für Spender der Vogelstange

Der 74. Vogel soll sein letzter sein. Da ist Gerhard Peters aus Grönebach sicher. Seit 1970 baut der gelernte Schreiner die Holzvögel für die St. Hubertus-Schützenbruderschaft, denn in dem Jahr war er selber Schützenkönig. Wenn man alle Vogelschießen der großen Schützen, der Jungschützen, der Kinder, die Jubiläumsfeste sowie die Privatpersonen und auswärtigen Vereine, die ein Exemplar bei ihm bestellt haben, zusammenzählt, haben 74 prächtige Schützenvögel seine kleine Werkstatt verlassen. Als seine Enkelinnen in Silbach oder in Brilon-Wald Königin waren, hat der mittlerweile 86-jährige Opa selbstverständlich auch ihnen einen Vogel gebaut.

Viele Auszeichnungen

Gerhard Peters ist Schütze durch und durch. In seiner Wohnzimmerecke hängen die vielen Verdienstorden, Auszeichnungen und Wappenteller, die ein kleines Dankeschön für die vielen Jahrzehnte unermüdlichen freiwilligen Einsatz für seine Schützenbruderschaft sind. Gerne erinnert er sich an seine Jungschützenjahre. Damals gab es noch keinen Eintritt, stattdessen musste man Tanzkarten lösen, um auf den Tanzboden zu dürfen. Eigentlich doch eine bequeme Sache für tanzfaule Männer, oder? „Nein, die Mädchen saßen ja an getrennten Tischen, man kam nur beim Tanzen an sie ran. Deshalb haben wir immer aufgepasst, wenn die Musik anfing zu spielen, dass wir möglichst schnell waren und kein Mauerblümchen abbekamen!“

Ein Vogel gestohlen

1970 wurde Gerhard Peters selber Schützenkönig. Eigentlich hätte er mit dieser Würde lieber noch ein paar Jahre gewartet, weil die vier Kinder klein und das Haus frisch umgebaut waren. Aber unter der Vogelstange stockte das Schießen, deshalb ließen er und sein langjähriger Freund Heribert Appelhans sich zu einem Gefecht überreden, das er letztlich für sich entschied. Inoffiziell gingen er und seine Frau Thea als Regenkönige in die Geschichte ein: Es regnete den ganzen Schützenfestmontag, dann beim Jubiläumsschützenfest in Altastenberg, Wochen später beim Kreisschützenfest in Madfeld und auch beim Schützenfest im folgenden Jahr. „Erst montags, als der neue König feststand, kam die Sonne raus“, sagt Peters und lacht. Dieser neue König war Georg Stahlschmidt, der damit auch Peters´ ersten Vogel abgeschossen hat. Denn in Grönebach ist es Brauch, dass der jeweilige Schützenkönig sich um den Vogel für das Folgejahr kümmert, ihn also bestellt oder sogar selber baut. Bis heute haben fast alle Könige ihre Vögel bei Gerhard Peters in Auftrag gegeben.

In den 80er Jahren wurde tatsächlich mal einer vor dem Vogelschießen aus der Halle geklaut. Zum Glück hatte Gerhard Peters jedoch eine Reserve parat. Weil sich die Nachbarvereine untereinander gerne mit solchen Dingen neckten, gab es früher sogar eine extra Vogelwache aus Jungoffizieren, die bis zum Morgen auf das Wappentier aufpasste.

Mit den Jahren wurden die Vögel immer schöner, die Flügel geschwungener, die Details feiner: „Man lernt ja immer wieder dazu!“ Manche Änderungen hat auch die Bürokratie vorgegeben, die bekanntlich ja selbst vor Schützenvögeln nicht haltmacht.

Vielleicht wird die 75 noch voll

Gerhard Peters’ letzter Vogel bekommt nun eine besondere Aufgabe: Er wird nicht auf dem Schützenfest Ende Juni eingesetzt, sondern für eine Feier an der flammneuen Vogelstange zwischen Schützenhalle und Feuerwehrhaus. Diese war nötig geworden, weil die alte nicht mehr den Vorschriften entsprach. Die Finanzierung von knapp 18 000 Euro war ein Kraftakt für die Grönebacher Schützen, an dem sich viele Spender und Helfer beteiligt haben. Für sie soll demnächst ein gesondertes Vogelschießen als Dankeschön veranstaltet werden.

Gibt es denn gar keinen Anreiz für Gerhard Peters, mit der 75 als runder Zahl abzuschließen? Was ist, wenn doch noch mal ein Schützenkönig um einen Vogel bittet? Gerhard Peters lächelt verschmitzt: „Tja, eigentlich habe ich ja alles abgegeben. Aber zur Not weiß ich, wo es hingekommen ist!“

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