Naturschutz

Gericht legt Windpark Wülfte-Alme still – zum Vogelschutz

Blick über die Briloner Hochebene und den Windpark Wülfte-Alme. Wegen Verstoßes gegen Artenschutzbestimmungen in der Baugenehmigung hat das Verwaltungsgericht Arnsberg die sechs Räder vorerst bis Ende des Monats still gelegt.

Blick über die Briloner Hochebene und den Windpark Wülfte-Alme. Wegen Verstoßes gegen Artenschutzbestimmungen in der Baugenehmigung hat das Verwaltungsgericht Arnsberg die sechs Räder vorerst bis Ende des Monats still gelegt.

Foto: Hans Blossey

Brilon/Arnsberg.   Das Verwaltungsgericht Arnsberg hat am Donnerstag per einstweiliger Anordnung auf Antrag des NABU den Windpark Wülfte-Alme stillgelegt.

Leicht streicht der warme Sommerwind über die Briloner Hochfläche. Träge drehen sich die Windrad-Bataillone. Nur die sechs bei Wülfte stehen still. Unfreiwillig. Donnerstagmittag hat das Verwaltungsgericht Arnsberg per Einstweiliger Anordnung die Stilllegung des Bürgerwindparks verfügt. Grund: Ein Verstoß gegen die im Genehmigungsbescheid des HSK zum Schutz des Rotmilans den Betreibern auferlegten Nebenbestimmungen.

Es geht um die sogenannten Ablenkungsflächen, mit denen die Rotmilane bei der Futtersuche von den Windrädern ferngehalten werden sollen. Für den Bürgerwindpark Wülfte-Alme liegen die am Ortseingang von Alme, und zwar im Bereich von Oberalme.

2 Hektar Ablenkfläche für den Rotmilan bei Oberalme

Dort, so hat es der Hochsauerlandkreis in seinem Genehmigungsbescheid für den Bürgerwindpark festgelegt, sind auf einer rund 21000 qm großen Wiesenfläche oberhalb der Ortsdurchfahrt während der Brutzeit von Mitte April bis Mitte Juli spezielle Nahrungshabitate für den Rotmilan anzulegen: entweder in Form von flurstücksgenau festgelegten 10 m breiten, etwa vierzehntäglich zu mähenden Streifen oder aber durch Beweidung. Dabei entstehen durch die Hinterlassenschaften der Kühe sog. Geilstellen, an denen das Gras stehen bleibt.

Welche Rolle spielt die Trockenheit?

Sinn dieser Auflage ist, ein Wechselspiel von kurzen und langen Rasenflächen zu erhalten, damit der Rotmilan, so bringt es Hans-Jürgen Arens, einer der Initiatoren und Gesellschafter des Bürgerwindparks auf den Punkt, „an die Mäuse rankommt“.

An die ihren kommen die Windmüller durch die Stilllegung derzeit nicht. Bis Ende Juli gilt die Anordnung erst einmal. Arens, selbst Landwirt, hat das Urteil überrascht. Denn am Mittwoch noch habe die Untere Landschaftsbehörde, als der HSK, die Flächen inspiziert und „für ok befunden“.

Dem stehen jedoch - zumindest punktuell - andere Feststellungen des sogenannten Ökologischen Baubegleiters sowie Eidesstattliche Versicherung eines Anliegers und eines Mitglieds des Vereins für Umwelt- und Naturschutz Hochsauerland (VUNH) entgegen. Diesen Aussagen hätten, so das Gericht, weder die Windpark-Betreiber noch der HSK als beigeladene Genehmigungsbehörde summarisch „substantiiert entgegentreten“ können.

Landwirt und Windmüller Arens fühlt sich „ungerecht behandelt“. Man brauche sich doch nur das Wetter anzuschauen. Bei der seit Wochen andauernden Trockenheit wachse das Gras nun einmal nicht so schnell nach. Und deshalb fresse auch das Vieh zurzeit die sonst verschmähten Grasbüschel rund um die eigenen Fladen. Da könne die Mosaik-Wirkung von kurzen und hohen Gräsern nur schwer entstehen.

„Signifikant erhöhtes Tötungsrisiko“

Da, so das Gericht, der HSK in seiner Genehmigung mit diesen Auflagen ein von den Windrädern ausgehendes „signifikant erhöhtes Tötungsrisiko“ habe abwenden wollen, müsse er nun die Stilllegung der Anlage verfügen.

Parallel zu dem Einstweiligen Verfügung hat der VUNH beim HSK die Einleitung eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens gegen die Windparkbetreiber verlang. VNUH-Sprecher Winfried Rampe: „Ziel ist weniger die Bestrafung durch eine Geldbuße, sondern die Abschöpfung der artenschutzwidrig verdienten Erträge und die Hoffnung, dass sich diese bei den Windmüllern herumspricht.“

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