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Gleitschirmflieger aus Olsberg steigt auf den Mont Blanc

Auf dem Gipfel angekommen lässt sich Artem Kalinin vom einem anderen Bergsteiger ablichten.

Foto: Privat

Auf dem Gipfel angekommen lässt sich Artem Kalinin vom einem anderen Bergsteiger ablichten. Foto: Privat

Olsberg.   Artem Kalinin besteigt den Berg in den Alpen. Er fliegt mit dem Gleitschirm hinunter. Das nächste Ziel des Olsbergers ist der Kilimandscharo.

Gleitschirmflieger Artem Kalinin

Artem Kalinin stammt von der Krim. Der Gleitschirmflieger und Checker lebt jetzt in Olsberg-Elpe.
Gleitschirmflieger Artem Kalinin

Sein Vorhaben stand unter keinem guten Stern: Sein Partner würde nicht mitfahren und die Medien überschlugen sich mit Todesnachrichten aus den Alpen. Trotzdem gab Artem Kalinin nicht auf - er wollte dieses Jahr noch den Mont Blanc mit dem Gleitschirm besteigen, um von der Spitze runterzufliegen. Am 28. September erreichte er sein Ziel.

Der 38-Jährige hatte schon den Berg Elbrus bestiegen, der in der Nähe seiner Heimat, der Krim, liegt. Zurzeit wohnt und arbeitet er in Olsberg in der Flugschule Papillon. Dort überprüft er die Gleitschirme. Als nächstes will er den Kilimandscharo besteigen und umfliegen.

Die Vorbereitungen

„Ich bin gelaufen, gelaufen, gelaufen. Man braucht Kondition, um diesen Berg zu besteigen“, erklärt Kalinin. 3800 Meter Differenz liegen zwischen Talboden und Gipfel. Ein halbes Jahr versuchte er jeden Tag Sport zu machen — was nicht immer gelang. In der Endphase flog er häufig mit dem Gleitschirm nach Korbach und Willingen und ging zu Fuß zurück nach Olsberg.

Dabei versuchte er Wege mit einer Länge von 40 Kilometer zurückzulegen. Im August wollte er eigentlich den Berg erklimmen, doch aufgrund der schlechten Nachrichten verschoben er und sein Partner ihr Vorhaben immer wieder. Da es zunehmend schwieriger wurde, einen gemeinsamen Termin zu finden, machte er sich kurzerhand alleine auf. Ohne Plan B fuhr er Ende September nach Frankreich.

Erstes Ziel: Chamonix, ein Skiort am Fuß des Mont Blancs. Dort wollte er sich einen neuen Partner suchen, denn alleine ist der Aufstieg zu gefährlich. „Ich habe jeden angesprochen, der einem Bergsteiger ähnelt“, erzählt er.

Bergsteigen im Alleingang

Auch der Mitarbeiter in der Tourist-Information riet ihm davon ab. „Absolut zurecht, wenn man alleine unterwegs ist und in eine Spalte fällt, findet einen niemand wieder“, sagt Kalinin. Zudem waren alle Unterkünfte auf der Route ausgebucht.

Als er schließlich zum dritten Mal in die Tourist-Information ging, erklärte ihm eine andere Mitarbeiterin dort, dass es auch Winterräume an den Stationen gebe. Die sind frei zugänglich, aber weder mit einer Wasserversorgung noch einer Heizung ausgestattet. Die Wettervoraussichten hatten sich zudem zum Guten gewandt.

Der Aufstieg

Kalinin packte seinen Gleitschirm und beging die „Normalroute“ ab dem Talort Les Houches zu Fuß.

„Mit dem Gleitschirm und der Ausrüstung war es schwierig zu klettern“, erinnert er sich. 18 Kilo wog alles zusammen. Was er während der zweieinhalb Tage Aufstieg gefühlt habe, will er nicht Erschöpfung nennen: „Es war mehr eine Anstrengung“, erwidert er. Wenn ein Bergsteiger erschöpft ist, sei es schon zu spät für ihn.

Die Angst sei immer dabei gewesen: „Das ist kein angenehmes Gefühl, aber dadurch entsteht ein Cocktail aus Begeisterung, Anstrengung und Angst“, beschreibt er. „Und dadurch bekomme ich ein Empfinden, was ich in meiner normalen Umgebung nicht habe.“ Allgegenwärtig war das Bewusstsein, dass immer etwas passieren könne. „Ich fragte mich: Bist du bereit zu sterben?“, sagt Kalinin, „und danach: Hast du überhaupt gelebt?“ Das seien die Fragen, die sich Menschen nicht in ihrer normalen Umgebung stellen würden.

Der Gipfel

Am dritten Tag erreichte Artem Kalinin den Gipfel. „Ich war ich überrascht, dass Schluss war — ich hatte das Gefühl, immer weiter gehen zu müssen“, sagt er.

Die meisten Bergsteiger haben nur wenige Minuten dort, da sie zeitig absteigen müssen, um die Strecke bei günstigen Wetterbedingungen zu passieren. Das Problem hatte der Gleitschirmflieger nicht — er flog die Strecke runter. Eine dreiviertel Stunde blieb er auf dem Gipfel. Dann stieg er auf 4500 Meter runter, hob ab und war in einer Stunde und 20 Minuten unten.

„Als Bergsteiger bin ich absoluter Laie, aber ab dem Moment in der Luft, war ich ganz in meinem Element“, schwärmt er. Das Gefühl beim Flug hinunter war für ihn einfach nur „überwältigend“, sagt Artem Kalinin.

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