Gericht

Haftstrafe nach Verfolgungsjagd mit Polizei in Brilon

Am Amtsgericht Brilon muss sich ein 33-Jähriger unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Er hat einen Polizisten mit einem Tierabwehrspray verletzt.

Am Amtsgericht Brilon muss sich ein 33-Jähriger unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Er hat einen Polizisten mit einem Tierabwehrspray verletzt.

Foto: Jürgen Hendrichs

Brilon.  Ein 33-Jähriger ließ in Brilon nicht nur die Polizei nach einer rasanten Fahrt hinter sich. Er griff auch einen Beamten mit Tierabwehrspray an.

Das hat sich der Angeklagte anders vorgestellt. Selbstsicher präsentierte sich ein 33-Jähriger vor dem Amtsgericht in Brilon, ein Umstand, der sich noch nicht geändert hat. Auch nach einem Urteil, das eine Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten vorsieht, glaubt er im Recht zu sein. Richter Härtel sprach den Mann schuldig, sich am 24. Januar eine Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert zu haben.

Die Polizei begab sich damals zur Wohnung der Freundin des Angeklagten. Sie besuchte zuvor die Polizeiwache, um einen Fall von häuslicher Gewalt zu melden. Dort fanden sie den Angeklagten 33-Jährigen in der Einfahrt der Wohnung im Auto der Freundin. Die Beamten blockierten die Ausfahrt, der Angeklagte setzte den Wagen zurück und fuhr anschließend zügig durch ein Blumenbeet am Streifenwagen vorbei. Dabei soll er das Fahrzeug touchiert und einen Schaden von 600 Euro verursacht haben.

Polizistin soll Waffe gezogen haben

Der Angeklagte will davon nichts wissen. Er sei genötigt worden davonzufahren, weil eine Polizistin grundlos ihre Waffe gezogen und auf ihn gerichtet habe. Das konnte in der Verhandlung nicht bewiesen werden. „Ihr haltet euch für eine kleine Kommune, aber verhaltet euch wie die Cowboys. Ich weiß nicht, was ihr versucht darzustellen. Das war wie im besten Bruce Willis Film“, sagt der 33-Jährige aus.

Daraufhin entbrannte eine Verfolgungsjagd von Nehden bis zum Ostring. „Wir haben Abstand gehalten, weil die Situation zu gefährlich war. Irgendwann haben wir ihn fahren lassen, weil wir ihn eh kannten“, sagt ein Polizist aus. Der Angeklagte fügt ernst hinzu: „Ja, einfach mal fahren lassen. Dann beruhigt sich die Lage auch.“

Beamter muss aus dem Weg springen

Die Polizisten konnten dem Wagen nicht schnell genug folgen und versuchten, eine Straßensperre in einem zu errichten. Doch der Angeklagte war so zügig unterwegs, dass sich lediglich durch Zufall ein Streifenwagen in der Nähe befand, der den Weg blockieren konnte. Laut Aussagen kümmerte das den Raser wenig. Er fuhr auch dort mit überhöhter Geschwindigkeit und veranlasste den Polizeibeamten, aus dem Weg zu springen.

Dabei befand sich der 33-Jährige im Gegenverkehr und nötigte außerdem zwei weitere Autofahrer an den Rand zu fahren. Diese beiden Umstände sah Richter Härtel am Ende der Verhandlung als erwiesen an.

Angriff auf Polizeibeamten

Ein weiterer Anklagepunkt beschäftigt sich mit einem Angriff mit Tierabwehrspray auf einen Beamten. Die Polizei fand den Raser durch einen Zufall am Haus der Eltern in Soest am 2. März. Vor der Tür befand sich ein Wagen mit drei weiblichen Insassen. Der Angeklagte kam wenig später aus dem Haus, bedeckt mit Schal und Mütze. „Wir wollten seine Identität feststellen, aber er nuschelte nur irgendeinen Namen und griff dann plötzlich in seine Hosentasche“, beschreibt ein Beamter das Geschehen. Der Polizist hat daraufhin das Handgelenk des Angeklagten festgehalten, aber dieser ließ sich in den Wagen fallen und den Beamten so mit sich gezogen.

Der Beamte legte sich dann auf den Angeklagten und hielt dessen Arme fest, doch in einer Hand des 33-Jährigen befand sich ein Tierabwehrspray. Durch Anwinkeln des Handgelenks gelang es ihm, das Spray gegen den Polizisten einzusetzen. Er traf ihn im Mund und an der Nase. Um die Atemwege von dem Inhalt zu befreien, musste er in eine Klinik fahren.

Verstärkung muss ins Fahrzeug

Weitere Beamte gingen in das Fahrzeug und hielten den Angeklagten fest bevor es ihnen gelang ihn zu fesseln und in einen Streifenwagen zu bringen. Immer wieder versuchte der Angeklagte, die Beamten mit Tritten und Schlägen zu verletzen. Das Gericht sah hier den Punkt der gefährlichen Körperverletzung als erfüllt an.

Andere Verfahren eingestellt

Der Soester war auch angeklagt am 31. Oktober 2018 in einer Tempo-30-Zone am Nordring Richtung Ratmerstein eine Fahrschülerin im Gegenverkehr mit 80 km/h überholt zu haben. Ein entgegenkommendes Fahrzeug habe bis zum Stillstand abbremsen müssen. Problematisch ist in der Verhandlung, dass sich zwar jeder an den weißen Audi erinnern kann, der viel zu schnell unterwegs war, jedoch konnte niemand bei der Geschwindigkeit den Fahrer erkennen.

„Vielleicht hätte das Auto auch noch vor den Fahrschulwagen gepasst, wenn ich nicht bis zum Stillstand abgebremst hätte. Das kann ich schwer einschätzen. Ich habe vor allem aus Schreck gebremst“, sagt ein Fahrer aus dem Gegenverkehr. Zu der Sache äußerte sich der Angeklagte nicht. Da keine brauchbaren Informationen zur Person hinter dem Steuer ermittelt werden konnte, musste Richter Härtel dieses Verfahren aus Mangel an Beweisen einstellen.

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