Freilichtbühne

Hallenberger Bühne investiert in Licht- und Tonanlage

Die Jungs, die für den guten Ton und das richtige Licht sorgen: Alois Mause, Ralf Mause, Simon Paffe, Thomas Knecht, Hendrik Mause, Harald Mause und Valentin Eppner (von links).

Die Jungs, die für den guten Ton und das richtige Licht sorgen: Alois Mause, Ralf Mause, Simon Paffe, Thomas Knecht, Hendrik Mause, Harald Mause und Valentin Eppner (von links).

Foto: Thomas Winterberg / wp

Hallenberg.  Die Spielpause an der Freilichtbühne Hallenberg ist beendet. Dank hoher Investitionen sind Ton und Licht optimiert worden.

Man hört sie nicht, man sieht sie nicht. Aber ohne sie würde man im Theater kaum etwas hören oder sehen. Gemeint sind die elf Techniker von der Hallenberger Freilichtbühne. Die Herren über Regler, Knöpfe, Schalter, Kabel und Frequenzen sitzen in ihrem hölzernen Hochsitz ganz hinten unbemerkt über dem Zuschauerraum. In diesem Jahr hat die Bühne ordentlich Geld in die Hand genommen und in neue Übertragungstechnik und Beleuchtung investiert. Über 120.000 Euro. Man sieht’s und man hört’s.

40-Kilo-Lautsprecher

„Die alte Anlage stammte aus der Mitte der 90er Jahre. Das war damals Standard. Wir hatten das Problem, dass die Akustik vorne und seitlich im nicht überdachten Raum zu wünschen übrig ließ“, sagt Chef-Techniker Ralf Mause. Kein Wunder, denn die mitunter 40 Kilo schweren Lautsprecher sind in zehn Metern Höhe unter den Leimbindern der Dach-Muschel angebracht und strahlen nicht hundertprozentig in alle Winkel. Das ist jetzt anders. Die Hallenberger beauftragten eine Spezialfirma, die den gesamten Zuschauerraum am Computer dreidimensional erfasst und genau berechnet hat, wo welche Box stehen muss, um die Schall-Wellen optimal und homogen zu verteilen. U. a. werden vor jeder Aufführung elf kleine, unscheinbare Boxen am Bühnenrand verteilt, die den Sound hörbar besser und ausgewogener machen.

Investitionen in die Technik sind ganz elementare Investitionen in die Zukunftsfähigkeit eines Theaters. „Ich glaube schon, dass die Leute mit einer bestimmten Erwartungshaltung zu uns kommen. Sie möchten auch vom Sound her eine gewisse Qualität bekommen. Und durch Einträge ins Gästebuch auf unserer Homepage oder auf unserer Facebook-Seite ist man auch schnell mit Kritik bei der Hand“, weiß Thomas Knecht, der beide Seiten der Medaille kennt. Im Erwachsenenstück spielt er eine der Hauptrollen; im Familienstück sitzt er in der Technik. Aber bislang sind die Zuschauer voll des Lobes und erwähnen immer wieder die Spielfreude des Ensembles und das wunderbare Ambiente.

Fremdsignale orten

Längst vorbei sind die Zeiten, als die Stimmen mit Richtmikrofonen auf Ständern übertragen wurden oder die Mikrofone als unhandliche Klötze im Hosen- oder Kleiderbund steckten. „Man merkt heute noch, dass man damals in ganz anderen Kategorien gedacht hat. Es gibt auf der Bühne nur wenige Möglichkeiten, sogenannte Monitorboxen aufzustellen, aus denen die Spieler die Musik hören. Dafür hätte man an viel mehr Stellen Kabelschächte verlegen müssen. Das ist nachträglich nicht so einfach. Wir haben schon in diesem Jahr alles komplett neu verkabelt.

Und es immer besser, wenn man kabelgebunden arbeiten kann. Da kann einem keiner ins Zeug pfuschen“, sagt Ralf Mause. Er meint damit störende Frequenzen, mit denen die Bühne in diesem Jahr zu kämpfen hat. Erst diese Woche war ein Fachmann da, um Messungen vorzunehmen und zu schauen, woher das Fremdsignal kommt, das komischerweise immer ein Mikrofon an einer bestimmten Stelle auf der Bühne befällt.

Plötzlich kein Signal vom Mikro – das ist der Worst Case, für jeden Techniker. Wenn dieser Unglücksfall eintritt, steht immer jemand parat, der sofort flitzt und auf Fehlersuche geht. Denn alle anderen - mindestens vier pro „Schicht“ - haben am Mischpult ihren festen Platz, den sie während der Aufführung nicht verlassen und von dem aus sie immer mit einem Auge am Textbuch und mit einem an den Reglern kleben.

Dirigent, Beleuchter und Musiker in Personalunion

Sie sind Dirigenten, Beleuchter und Musiker. Allein für „Kohlhiesels Töchter“ gibt es 150 sogenannte Cues. Das sind Lichteinstellungen, die mitunter innerhalb einer Szene wechseln können. Bei Tageslicht-Aufführungen sind es vielleicht nur Nuancen, die z.B. einen Gesichtsschatten aufhellen. Aber vor allem bei den Abend-Spielen hat das Licht eine enorme Bedeutung und unterstützt die Stimmung einzelner Szenen. Mehrere Nächte und bis in den frühen Morgen hat z.B. Valentin Eppner mit Regisseur Florian Hinxlage am Licht gefeilt. „Als der Morgen dämmerte, mussten wir uns beeilen, um die letzten Einstellungen auch noch hinzubekommen.“

Neu ist in diesem Jahr eine Traverse – ein querlaufender Träger – mit neuen motorgesteuerten Scheinwerfern. Auch hier gilt: Die Alten hatten ausgedient und nach und nach wird LED-Technik Einzug halten. Nochmal zurück zu den Einstellungen: Sowohl „Peter Pan“ als auch „Kohlhiesels Töchter“ sind von der Technik her komplett durchprogrammiert. Das heißt, für jede Szene ist im Computer z.B. abgespeichert, welches der 24 Mikrofone wann automatisch aufgezogen wird und welches nicht. Wie von Geisterhand bewegen sich die Regler nach oben oder nach unten - je nachdem, wie die Szene technisch durchkomponiert ist.

Von Cues und Tracks

Nuancen und Feintuning macht natürlich der Mann am Mischpult. Denn schon feucht-warme Außenluft kann den Klang massiv verändern. „Ist die Luft heiß und flüchtig, werden die hohen Töne in den Wasserpartikeln abgefangen“, erklärt Ralf Mause. Was dem einen beim Licht seine „Cues“, sind dem Mann am Musikmischpult die „Tracks“, die einzelnen Musikstücke, die stichwortgenau eingespielt werden müssen. „Was ist mit Kaffee? Bring mir meinen Kaffee“ oder „her mit dem Kaffee“ – hin und wieder verändert der Schauspieler seinen Text etwas. „Ich muss mir nur ,Kaffee‘ merken und dann den Musik-Track abfahren“, sagt Alois Mause.

Heute geht die Spielpause auf der Bühne zu Ende: „Alois, fahr ab!“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben