Diskussionsrunde

Hat der Wintersport im Sauerland eine Zukunft?

Moderatorin Judith Schulte-Loh diskutiert mit (von links) Tourismuschef Michael Beckmann, Meteorologe Karsten Schwanke, Sportwissenschaftler Ralf Roth und Dirk Jansen vom BUND. Foto:Stefanie Bald

Moderatorin Judith Schulte-Loh diskutiert mit (von links) Tourismuschef Michael Beckmann, Meteorologe Karsten Schwanke, Sportwissenschaftler Ralf Roth und Dirk Jansen vom BUND. Foto:Stefanie Bald

Winterberg.   Tourismusstrategien zum Klimawandel: Diskussionspartner beim WDR5-Stadtgespräch tauschen Argumente aus, können einander aber nicht überzeugen

Der Klimawandel ist eine Tatsache, Klima und Wetter sind ganz verschiedene Dinge und alle Diskussionsteilnehmer auf dem Podium fahren gern Ski. Auf diese Gemeinsamkeiten konnten sich beim WDR5-Stadtgespräch am Donnerstag im Oversum alle einigen. Das war es dann aber auch.

Wenig verwunderlich, betrachtet man die Zusammensetzung der Diskussionsrunde in der live im Radio übertragenen Sendung (siehe Infobox), die naturgemäß sehr unterschiedliche Sichtweisen mitbrachte.

Von Gradzahlen und CO2-Emissionen war die Rede – aber auch von Urlaubserlebnis und Arbeitsplätzen. Auch das Publikum, maßgeblich die darin zahlreich vertretenen Liftbetreiber und Touristiker, wollte diesen Aspekt nicht zu kurz kommen lassen.

Mehrfach appellierte Dirk Jansen, in größeren Zusammenhängen zu denken. „Die Richtung der Diskussion besorgt mich“, stellte er fest, nachdem Michael Beckmann ausführlich über die erfolgreichen Investitionen in die Skigebiete gesprochen hatte, die der Region unbestreitbar Wohlstand und Bekanntheit verschafft haben. „Wir diskutieren über Formen des Tourismus, aber wir sollten über eine grundsätzliche Lebensstiländerung diskutieren“, mahnte Jansen. Damit sprengte er freilich den Rahmen der knapp einstündigen Diskussion, die sich explizit mit Auswirkungen und Perspektiven des Wintersports im Sauerland befassen sollte.

Veränderungen global und regional

Und die sahen die Beteiligten recht unterschiedlich. „Wir beobachten eine globale Erwärmung um ein Grad Celsius in den vergangenen 100 Jahren“, führte Klimaexperte Karsten Schwanke ins Feld. Beckmann hingegen plädierte dafür, statt global eher regional zu beobachten – zwar würden rund um den Kahlen Asten die Sommer immer wärmer, die Winter aber im Mittel nicht. „Die Schnee-Erzeuger brauchen wir, um Variablen auszugleichen.“

Dass nur die Sommer wärmer würden, wollte Schwanke nicht so stehen lassen: „Die mittlere Wintertemperatur auf dem Kahlen Asten lag in den 1950er und 60er Jahren bei -3 Grad Celsius. Heute bei -1 Grad. Die Summe aller Minustemperaturen lag in den 40er bis 60er Jahren bei 200 bis 600 im Jahr. In den letzten 20 Jahren nur noch bei 100 bis 200.“ Spätestens ab der Mitte dieses Jahrhunderts, so Schwanke, werde das Sauerland „andere Winter erleben.“

Kontroverse um Nutzen für Natur

Auf Widerstand stieß Beckmann auch mit seinem Argument, der Skitourismus bringe der Natur Vorteile – weil auf den Pisten im Sommer seltene Pflanzen gediehen. „Dass ausgerechnet Skitourismus gut für den Naturschutz sein soll – dem ist zu widersprechen“, merkte Dirk Jansen an und verwies auf Verkehrsbelastung, Energie- und Wasserverbrauch.

Aufs Ganze gerechnet sei der Wintersport im Bereich Emissionen eine Randnotiz, stellte Ralf Roth fest. Schnee-Erzeuger der neuesten Generation seien erheblich effizienter als Vorgängermodelle. Allerdings müsse man weiterhin effizienter werden und eine „Resilienz der Angebote schaffen“ — womit Roth meinte, dass die Region neben dem Erlebnis Schnee auch auf andere Einnahmequellen setzen müsse.

So schüttelte auch Michael Beckmann den Kopf auf die Frage von Moderatorin Judith Schulte-Loh, ob der Wintersport noch das Wichtigste in der Region sei. Die Entwicklung des Sommertourismus spricht für sich.

Und so standen am Ende vielleicht gar nicht so massiv unterschiedliche Positionen im Raum: Der Sauerländer Skitourismus wird in einigen Jahrzehnten vermutlich sterben, zuerst der auf Naturschnee. Ab welchem Zeitpunkt aber Investitionen in ihn nicht mehr lohnen und wie man bis dahin weitermacht – da scheiden sich die Geister.

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