Medizin

Hausärztliche Versorgung im Altkreis Brilon verbessern

Für den Raum Brilon-Olsberg stellt die Kassenärztliche Vereinigung nur eine Bedarfsdeckung von 81,2 Prozent fest. Beide Kommunen wollen nun gemeinsam daran etwas ändern.

Für den Raum Brilon-Olsberg stellt die Kassenärztliche Vereinigung nur eine Bedarfsdeckung von 81,2 Prozent fest. Beide Kommunen wollen nun gemeinsam daran etwas ändern.

Foto: Volker Hartmann

Brilon/Olsberg.   Kritische Entwicklung im Bereich Brilon und Olsberg. Offene Kassensitze und hoher Altersschnitt. Gemeinsame Initiative um Nachwuchs anzuwerben.

Die hausärztliche Versorgung im Altkreis Brilon ist nach Einschätzung der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) „aktuell stabil bzw. noch stabil“. Allerdings hat fast jeder zweite Hausarzt hierzulande bereits das 60. Lebensjahr überschritten. Zum Vergleich: In Westfalen-Lippe trifft das lediglich auf rund 37 Prozent zu. Mit einer gemeinsamen Aktion wollen die Städte Brilon und Olsberg aktiv etwas dagegen tun.

Denn während Marsberg und der Raum Winterberg-Medebach-Hallenberg mit einem Versorgungsgrad von 102,8 bzw. 111,9 Prozent noch gut bedient sind, sieht es für Brilon und Olsberg weniger rosig aus. Dort erreicht die Quote gerade einmal 81,2 Prozent. Konkret: In den beiden Kommunen mit ihren rund 40 000 Einwohnern praktizieren aktuell 19,8 Hausärzte. Es müssten jedoch 24 sein, um das bundesweit geltende Verhältnis von einem Hausarzt pro 1671 Einwohnern zu erreichen.

Ärzte und Fachpersonal anwerben

Damit liegt der Raum Brilon-Olsberg im Ranking der insgesamt 111 sogenannten Mittelbereiche in Westfalen-Lippe an sechstletzter Stelle. Mit Geld aus dem Förderprojekt „Land(auf)Schwung“ und fachlicher Begleitung durch die auf den Gesundheitssektor spezialisierten Consulting-Agentur Valetudo (Wildeshausen, Kreis Oldenburg) haben die beiden Kommunen im vergangenen Jahr das Projekt „Ärztegewinnung“ gestartet. Dabei geht es um Strategien zum Anwerben von Ärzten und medizinischem Fachpersonal.

In Gesprächen mit einer Reihe der niedergelassenen Ärzte und Vertretern der Krankenhäuser und Kommunen hatten sich die Berater ein Bild von der aktuellen Situation und Stimmung gemacht. Mit gemischtem Ergebnis. So gebe es zwar eine gute Patientenbasis, hohe Fallzahlen und ein stabiles Verhältnis zwischen Ärzten und Patienten, allerdings beurteilen die befragten Ärzte das Verhältnis untereinander als „ambivalent“ und das zu den Kliniken und den Kommunen als verbesserungswürdig. Im Sozialausschuss stellte Elena Albracht, für die Stadt Brilon Koordinatorin des interkommunalen Projektes, am Dienstagabend die ersten Ergebnisse und MarketingMaßnahmen - etwa einen Flyer, der Medizinstudenten ansprechen soll - vor.

Angehende Ärzte nur zur Famulatur in Praxen

Aber auch die Ärzte selbst können aktiv zur Nachwuchs-Gewinnung etwas beitragen, etwa durch die Ausbildung von Assistenzärzten im Krankenhaus. Doch dort, so Bürgermeister Dr. Bartsch, sei die Weiterbildungsbereitschaft nicht gut ausgeprägt. Dabei sei gerade zu diesem frühen Zeitpunkt das Kennenlernen einer Region wichtig, um dort vielleicht einmal beruflich Fuß zu fassen. „Die Ärzte müssen aus dem Krankenhaus kommen“, sagte zum Beispiel Annette Loos (BBL), selbst Ärztin mit eigener Gemeinschaftspraxis: derzeit hielten sich viele angehende Ärzte nur zur viermonatigen Famulatur in Praxen auf.

Und ihr Gatte, Reinhard Loos, sagte, dass die Stadt „endlich das Medizinische Versorgungszentrum an den Start bringen“ müsse. Die Tätigkeit als angestellter Arzt in einem MVZ oder Ärztehaus kommt offenbar den Work-Life-Balance-Vorstellungen angehender Mediziner immer mehr entgegen.

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