Finanzplanung

Haushaltsentwurf Medebach für 2018 vorgestellt

Zahlenwerk: Im Rat Medebach wird der Haushaltsentwurf 2018 eingebracht

Foto: Stefanie Bald

Zahlenwerk: Im Rat Medebach wird der Haushaltsentwurf 2018 eingebracht Foto: Stefanie Bald

Medebach   Die Stadt Medebach ist 2018 auf ihre Rücklagen angewiesen, um das Haushaltsdefizit auszugleichen. Bürgermeister fordert mehr Geld für Kommunen.

„Der Winterspeck ist 2018 weg.“ Was anderen Menschen Freude machen würde, ist für Medebachs Bürgermeister Thomas Grosche ein Grund zur Sorge. Denn der Winterspeck ist in diesem Fall die finanzielle Reserve seiner Stadt. Am Donnerstag hat Grosche im Rat der Stadt den Haushaltsentwurf 2018 vorgestellt. Beschlossen werden soll er in der Sitzung am 8. Dezember.

Die Bilanz

Medebach rechnet 2018 mit Einnahmen von gut 16,9 Mio. Euro. Dem stehen Ausgaben von knapp 18,3 Mio. Euro gegenüber. Es ergibt sich ein Defizit von rund 1,3 Mio. Euro. „Kein Grund zum Jubeln, aber immerhin 450 000 Euro weniger Defizit als 2017“, so Grosche.

Das Defizit 2017 könne komplett durch einen Griff in die Ausgleichsrücklage ausgeglichen werden, betonte Grosche. Dafür ist noch Geld aus dem guten Abschluss 2015 vorhanden. Und auch 2018 kann das Defizit zum größten Teil über die Ausgleichsrücklage aufgefangen werden. Aber die - sprich: der Winterspeck - ist dann weg. Und immerhin 190 000 Euro müssen bereits aus der allgemeinen Rücklage, quasi der eisernen Spardose der Stadt, abgezapft werden.

Die guten Nachrichten: Zum einen muss Medebach auch 2018 kein Haushaltssicherungskonzept vorlegen. Sein Griff in die allgemeine Rücklage liegt unterhalb der dafür vorgegebenen Grenze. Zum zweiten kann die Stadt auf Steuererhöhungen verzichten.

Die Einnahmen

Gut 16,9 Mio. Euro erwartet Medebach im kommenden Jahr an Einnahmen. Der größte Posten sind mit 27 Prozent die erwarteten Einnahmen aus der Gewerbesteuer (4,5 Mio. Euro), das wären ebenso viel wie 2017. Allerdings sind Gewerbesteuern ein unsicherer Posten, da von der Konjunktur abhängig. Ebenfalls 27 Prozent sollen zusammen die Einnahmen aus den sog. Resterträgen bringen – hauptsächlich Landesmittel.

18 Prozent der erwarteten Einnahmen (3,1 Mio.) stammen aus der Einkommensteuer – das Land NRW verteilt davon Anteile an seine Kommunen. 2018 werden davon dank guter Konjunktur und niedriger Arbeitslosigkeit wohl gut 400 000 Euro mehr in Medebach ankommen als 2017. Weitere Einnahmequellen für die Kommunen sind die Grundsteuer B (1,3 Mio. Euro), Schlüsselzuweisungen des Landes (1,2 Mio.), Sonderpostenauflösungen (1,4 Mio.) und Benutzungsgebühren (880 000 Euro).

Die Ausgaben

Den größten Anteil der Ausgaben macht die Kreisumlage aus: Knapp 6 Mio. Euro bzw. rund ein Drittel seiner gesamten Ausgaben muss Medebach 2018 an den Hochsauerlandkreis überweisen. 2017 waren es 360 000 Euro weniger. „Auch wenn der Kreis unzweifelhaft viele teure Aufgaben hat, sind fast 6 Millionen Euro für eine kleine Stadt wie Medebach sehr viel“, bilanzierte Grosche.

Personalkosten werden 2018 rund 2,9 Mio. Euro ausmachen. An der Steigerung von 230 000 Euro gegenüber 2017 könne man nicht viel machen, so Grosche. So seien Gehalts- und Besoldungserhöhungen tariflich vorgegeben. Weitere Posten: 1,9 Mio. Euro sind für Abschreibungen vorgesehen, gut 1 Mio. Euro für Gebäudekosten und 730 000 Euro für Zinsen.

Die Investitionen

Medebach plant 2018 Investitionen, z.B. für E-Government, Straßenausbau und Schulsanierungen. Für alles zusammen muss die Stadt knapp 900 000 Euro an Krediten aufnehmen. Drei große Einzelposten sind das Projekt Gute Schule 2020, der Breitbandausbau und die Sanierung von Schwimmbad und Einfachturnhalle. „Gute Schule 2020“ soll vom Land refinanziert werden; die beiden anderen Projekte sind der Stadt so wichtig, dass der Rat dafür eine Kreditaufnahme gutheißt.

Die Zukunft

Wie angesprochen: Der Winterspeck, also die Ausgleichsrücklage, ist aufgezehrt. „Und so bald werden wir sie wohl auch nicht mehr aufbauen können. Kommunen werden mehr und mehr zu bloßen Mängelverwaltern“, bilanzierte Grosche.

„Wie jedes Jahr“ richte er daher einen Appell an die Landesregierung, die Kommunen finanziell besser zu stellen. Die Zinsen seien niedrig, die Konjunktur gut. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Vorerst müsse man aber mit der Situation leben.

Mögliche Verbesserungen durch die Neuordnung des Bund-Länder-Finanzausgleichs würden frühestens 2019/2020 sichtbar.

Seit 41 Jahren treu im Feuerwehrdienst Medebach 

Die Stadt hat einen neuen stellvertretenden Leiter der Feuerwehr. Der Rat hat am Donnerstag einstimmig beschlossen, dass Andre Kappen das Amt von Bernd Brieden übernehmen soll, der aus Altersgründen ausscheidet.

Brieden war seit 1993 stellvertretender Leiter der Medebacher Feuerwehr, zunächst kommissarisch und seit 1995 als Ehrenbeamter auf Zeit. In die Feuerwehr eingetreten ist er 1976.

Mann mit Vorbildfunktion

„Du warst immer eine Person, zu der man aufblicken konnte“, lobte Bürgermeister Thomas Grosche den scheidenden Kameraden. Brieden habe Sachverstand, Verlässlichkeit und in Konfliktsituationen immer ein klares Wort eingebracht.

Brieden selbst bedankte sich bei der Verwaltung und seinen Feuerwehrkameraden. Es sei immer wohltuend gewesen, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Seinem Nachfolger bot er Unterstützung an: „Wenn du Fragen hast, komm immer gern zu mir.“

In den Bereichen Psychosoziale Unterstützung (PSU) und Ausbildung will Bernd Brieden sich weiterhin engagieren. Die PSU unterstützt Einsatzkräfte dabei, mit belastenden Einsätzen fertig zu werden, ohne seelischen Schaden zu nehmen.

„Schon viel erlebt in 25 Jahren“

Briedens Nachfolger Andre Kappen bringt 16 Jahre Führungserfahrung in seiner Löschgruppe Dreislar mit. Insgesamt gehört der 42-jährige Stadtbrandinspektor seit 25 Jahren zur Freiwilligen Feuerwehr. „In diesen 25 Jahren habe ich bereits viel erlebt und bin immer mit Freude und Stolz dabei gewesen. Ich hoffe, dass ich das in mich gesetzte Vertrauen rechtfertigen werde.“

Daran hatten der Rat und die zahlreich erschienenen Feuerwehrkameraden keinen Zweifel. Kappen wird für die Dauer von sechs Jahren zum Ehrenbeamten. Nach der Ernennung gab es einen kleinen Umtrunk im Foyer des Rathauses.

Folgen Sie der Westfalenpost im Altkreis Brilon auch auf Facebook.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik