Natur

Heimischer Vogelwelt mit Futter gut über den Winter helfen

Eine Kohlmeise knabbert an einer Futterstelle.

Foto: Markus Weissenfels

Eine Kohlmeise knabbert an einer Futterstelle. Foto: Markus Weissenfels

Hochsauerlandkreis.   Vögel aus nächster Nähe beobachten und ihnen etwas Gutes tun: Doch tut man den gefiederten Tieren wirklich einen Gefallen, indem man sie füttert?

Emsig picken zwei Rotkehlchen die bunten Körner im Vogelhäuschen auf. Eine Amsel umflattert es neugierig, ein Meischen hockt noch etwas misstrauisch auf einem Ast nahe der Futterstation. Vögel aus nächster Nähe beobachten und ihnen noch etwas Gutes tun: Aus diesen Gründen befüllen Tierfreunde derzeit ihre Vogelhäuschen, hängen Meisenknödel oder Futtersäulen auf. Doch tut man den gefiederten Tieren wirklich einen Gefallen, indem man sie füttert? Und sollte man damit jetzt überhaupt schon anfangen? Dr. Axel Markus Schulte von der Biologischen Station Hochsauerlandkreis weiß, wie das gut gemeinte Füttern auch gut gemacht wird:

Entscheidung

„Es gibt geteilte Meinungen unter den Experten, ob man füttern sollte oder nicht“, sagt Schulte. Der Mensch greife durch das Füttern in die Natur ein – dieses Argument spricht gegen Meisenknödel und Co. sprechen. Doch Axel Markus Schulte kann Vogelfreunde beruhigen: „Es schadet nicht unbedingt zu füttern, aber die Art wie ist entscheidend.“ Die Vögel aus der Nähe beobachten zu können und sie zu füttern, könne wertvoll für die Wertschätzung der Natur sein, ist sich Schulte sicher.

Risiken

Eine etablierte Futterstelle lockt viele Vögel an. Die Gefahr: „Wo ein massives Auftreten der Tiere gefördert wird, können sich Krankheiten leichter übertragen“, erklärt der Experte. „Es kann passieren, dass Vögel auf die Nahrungsquelle koten und Artgenossen diese anschließend aufnehmen.“ So kann sich zum Beispiel die Salmonellose übertragen, eine Infektionskrankheit mit Salmonellen. „Auch der Fütternden kann die Krankheit bekommen, wenn er mit einer infizierten Futterquelle in Berührung kommt“, sagt Axel Markus Schulte.

Hygiene

Es gibt Futterstationen, die Krankheitsübertragungen vorbeugen. Das klassische Vogelhäuschen mit Boden zählt nicht dazu. „Der Kot der Vögel kann hier auf der Nahrungsquelle landen“, betont Schulte. Ein Vogel-Futtersilo ist besser geeignet. Dabei handelt es sich um ein Rohr mit Öffnungen, aus denen Futter austreten kann. Vor den Öffnungen befinden sich Sitzstangen. Wird das Futtersilo pendelnd aufgehängt, fällt der Kot der Vögel runter und kann nicht an das Futter gelangen. „Fallen Körner auf den Boden unter der Futterstation, wird da natürlich auch gepickt“, so der Experte.

Dort sollten Vogelfreunde regelmäßig mit dem Besen anrücken. „Für die Hygiene ist auch wichtig, dass das Futter trocken bleibt. Denn im feuchten Futter können sich Keime vermehren“, rät Axel Markus Schulte.

Ort

Futterstellen sollten an Orten eingerichtet werden, an denen Katzen es nicht allzu leicht haben, an die Vögel zu gelangen. „Hier sind erhöhte Positionen wie Balkone und eine pendelnde Aufhängung des Futtersilos von Vorteil“, sagt Schulte. Übersichtliche Stellen verhindern, dass Samtpfoten sich unbemerkt anschleichen können.

Zeitpunkt

„Wer jetzt schon füttert, tut das eher aus Liebe zum Vogelbeobachten“, sagt der Sauerländer. Wenn dann der erste Schnee kommt, würde man einigen Arten mit dem zusätzlichen Futter aber durch den Winter helfen. „Gerade wenn bei uns über eine Woche eine Schneedecke liegt, ist es für die Tiere manchmal schwierig, an Nahrung heranzukommen. Rotkehlchen, die in der kalten Jahreszeit hierbleiben, ernähren sich beispielsweise von Körnern mit. Denen hilft man dann schon“, sagt Schulte. Um die Vögel an eine neue Futterstelle im Garten zu gewöhnen, können Vogelfreunde bereits ein paar Tage vor einem angekündigten Wintereinbruch einige Körner auslegen. „Die Vögel müssen sich erst an eine Futterstelle gewöhnen“, erklärt der 50-Jährige. Aufhören zu füttern können Tierfreunde mit der letzten Schneelage. „Die ersten Vögel fangen im März mit der Brut an. Wenn im April noch mal Schnee kommen sollte, kann man auch ruhig noch mal füttern“, sagt Axel Markus Schulte.

Futter

Manche Futtersorten enthalten eine Mischung aus Fett und Körnern. „Das mögen besonders die Meisenarten“, so Axel Markus Schulte. Der Tipp des Experten: „Man sollte darauf achten, dass kein Palmfett enthalten ist – sonst hilft man zwar den Vögeln, aber schadet den Orang-Utans.“ Generell gelte, dass zusätzliches Fett vor allem für die Körnerfresser kaum nötig ist, da viele Sämereien wie zum Beispiel Sonnenblumenkerne schon einen hohen Fettanteil enthalten. „Wichtig ist auch, ambrosiafreies Futter zu wählen“, betont der 50-Jährige. Über Sonnenblumenkerne im Vogelfutter könne sich das Beifußblättrige Traubenkraut sonst weiter verbreiten. Und das kann vor allem für Allergiker zum Problem werden. Denn die Ambrosia-Pflanze produziert Tausende Pollen und macht so manchem Allergiker das Leben schwer. „Bei uns kommt die Ambrosia-Pflanze zwar seltener zum Blühen, aber durch den Klimawandel kann das schon mal öfter vorkommen“, warnt Schulte vor ambrosiahaltigem Vogelfutter.

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