Rückblick 2017

Hier das Mütchen gekühlt und dort die Justiz bemüht

Noch immer liegt an der Springstraße in Brilon das Grundstück brach, auf dem das Stadthotel errichtet werden soll

Noch immer liegt an der Springstraße in Brilon das Grundstück brach, auf dem das Stadthotel errichtet werden soll

Foto: Jürgen Hendrichs

Altkreis Brilon.   Was war im zu Ende gehenden Jahr im Altkreis Brilon besonders ärgerlich? Hier einige Themen, die in den Kommunen für Diskussionen sorgten.

„Das Ärgerliche am Ärger ist,“, sagte Kurt Tucholsky, „dass man sich schadet, ohne anderen zu nützen.“ Aber manchmal darf man sich schon aufregen – es kommt auf die Perspektive an.

Stadthotel

Franz Schrewe war noch Bürgermeister in Brilon, als im Frühjahr 2014 das Projekt „Stadthotel“ vorgestellt wurde. Die Maßnahme, so hieß es damals, werde Brilon „für Jahrzehnte prägen“. Das 135-Betten-Haus mit Restaurant, Geschäftsflächen und Tiefgarage sollte die weitere städtebauliche Entwicklung im Oberen Quartal anstoßen. Gut dreieinhalb Jahre später wuchern Gras und Unkraut über den Erdhaufen, die im Zuge der üblichen archäologischen Schürfung zusammengeschoben worden waren.

Zwei Anlieger haben das Projekt auf dem Gerichtsweg kaltgestellt. Der 2. Senat des Oberverwaltungsgerichts Münster hat am 30. Mai letztlich den vom Verwaltungsgericht Arnsberg erlassenen Baustopp bestätigt. Der Kater der Kommunalpolitiker ist immer noch groß. Die Gerichte hatten der Stadt gravierende Verfahrensfehler bei der Erteilung der Baugenehmigung, aber auch während des Rechtsstreits vorgehalten. Im Kern geht es darum, welche Gebäude als Referenzobjekte für das Hotel herangezogen werden können. Das Gericht zog den Rahmen sehr eng und definierte den Bereich an der Springstraße als Wohngebiet, obwohl sich in unmittelbarer Nähe die Sparkasse, das Osthoff-Karree und das Markt-Centrum befinden. „Die Kernstadtentwicklung wird ausgebremst“, kommentierte Schrewes Amtsnachfolger, Bürgermeister Dr. Christof Bartsch, das Urteil.

Kündigung

Und noch einmal Justitia. Vor dem Arbeitsgericht landete im Frühjahr die „Causa Weber“. Unmittelbar vor Weihnachten 2016, gerade einmal vier Wochen nach ihrem Dienstantritt, hatte die damalige neue Geschäftsführerin des Briloner Krankenhauses, Margit Schmaus, in Abstimmung mit den Verantwortlichen des kommunalen Trägers die fristlose Entlassung des langjährigen Personalleiters und Prokuristen Ludger Weber erwirkt.

Am 20. April stellte das Arbeitsgericht die Unwirksamkeit der Kündigung fest. Vor allem schrieb das Gericht den Verantwortlichen des Krankenhauses ins Stammbuch, dass sie allein auf einen Anfangsverdacht hin den langjährigen Mitarbeiter geschasst hatten. Für das Gericht seien in dem Verfahren keine Gründe erkennbar geworden, die eine derart gravierende Maßnahme gerechtfertigt hätten. Der Rat wollte als Folge den Arbeitsvertrag mit Margit Schmaus am 11. Mai, vier Tage vor Ablauf der Probezeit, in nichtöffentlicher Sitzung kündigen. Dem kam die Geschäftsführerin aber zuvor, indem sie in öffentlicher Sitzung den Vorsitzenden der Gesellschafterversammlung, Dr. Prange (FDP), ihre Kündigung vorlesen ließ.

Vandalismus

Immer wieder ein Ärgernis: Vandalismus. In diesem Jahr dazu exemplarisch zwei Fälle aus Olsberg. Gleich zweimal kühlten Unbekannte im April an dem Offenen Bücherschrank an der Konzerthalle ihr Mütchen. Die Bürgerstiftung Olsberg hat dort eine ausrangierte Telefonzelle aufgestellt, in der jeder Bücher hineinstellen kann, die andererseits von jedem kostenlos entnommen werden können. Unbekannte besprühten die Telefonzelle und schmissen Bücher in die Ruhr.

Schmierfinken ließen sich hier und da auch an den neuen Kneipp-Figuren aus, die die Stadt Olsberg in einer gemeinsamen Aktion mit der Werbegemeinschaft angeschafft hatte. Am ersten Dezemberwochenende brachen Unbekannte der an der Ruhrbrücke gegenüber der Konzerthalle aufgestellten Figur den Arm samt Krug ab. Die Figuren müssen ja nicht jedem gefallen - aber das ist ein anderes Thema.

Windkraft

Um die Fichte geführt fühlen sich viele Einwohner von Liesen und Züschen. Erst aus der WP haben sie von den Plänen eines Windkraft-Investors erfahren, der auf dem Höhenzug entlang der B 256, im Schnitt liegen die Berge bei rund 650 m, fünf jeweils 210 m große Windräder errichten möchte. Sie würden bis auf 800 m an die Ortslage von Züschen heranrücken. Rund 400 Bürger kamen Anfang November zu einem Info-Abend in die Schützenhalle Liesen, bei der vor negativen Auswirkungen der Windräder auf Lebensqualität und Tourismus gewarnt wurde. Anfang des neuen Jahres planen die Investoren eine eigene Info-Veranstaltung zu ihrem Projekt.

Schulstreit

Nicht gefallen hat den Einwohnern von Siedlinghausen die Umwandlung der Verbundschule Winterberg-Siedlinghausen zur Sekundarschule Winterberg-Medebach. Man befürchtete, wie es hieß, „einen sozialen, ökonomischen und kulturellen Bedeutungsverlust“ des Ortes, „wenn ein wichtiger Baustein, nämlich die weiterführende Schule, aus dem gewachsenen Orts-Ensemble herausgebrochen“ werde.

Im übernächsten Jahr läuft diese Schulform aus. Im Februar waren mehr als 50 Kinder für die neue interkommunale Sekundarschule angemeldet worden, letztlich waren es bei Schuljahresbeginn 122 Fünftklässler aus Hallenberg, Medebach, Winterberg und dem Raum Bödefeld. 68 Kinder wurden am Standort Medebach eingeschult, 54 in Winterberg. Das Kollegium besteht standortübergreifend aus 65 Personen. Für rund 4 Millionen Euro wird der Standort Winterberg umgebaut - auch das ist für manchen Kritiker ein Ärgernis, weil im Ratsbürgerentscheid über die Einführung der Schule von wesentlich geringeren Kosten ausgegangen worden war.

Verlust

Verschwunden ist das „Naturdenkmal 154“ des HSK: eine auf rund 500 Jahre geschätzte, 20 m hohe Esche in Obermarsberg. Der knorrige Baum war in die alte Stadtmauer hineingewachsen.

Bedauerlicherweise war er vom Eschentriebsterben befallen worden, außerdem hatte sich der Bohrkäfer in den Wurzelbereich hineingearbeitet. Aus Gründen der Verkehrssicherheit wurde der Baum gefällt, der in die alte Stadtmauer hineingewachsene Stumpf konnte stehen bleiben. Wie sagte Alfons Dicke, Eigentümer des Grundstück, als die Motorsägen ihre Arbeit verrichteten: „Da hat mein Herz schon geblutet.“

Infrastruktur

Und nochmals Marsberg: Ende Oktober wechselte die Post ihren Standort. Die Filiale ging aus dem Kaufhaus Henke in der Stadtmitte weg und zog im Rewe-Markt in der Bahnstraße ein. Etliche Einwohner aus der Kernstadt hatten sich im Rathaus beschwert, da die Post nicht mehr so gut zu Fuß zu erreichen sei. Und auch der Geschäftswelt in der Hauptstraße tue der Wechsel nicht gut, hieß es.

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