Natur

Hochheide in Niedersfeld Relikt uralter Kulturlandschaft

Hochheidetag mit Alpenhornbläsern

Foto: Silke Nieder

Hochheidetag mit Alpenhornbläsern Foto: Silke Nieder

Niedersfeld.   120 Gäste erfahren bei Hochheide-Tag in Niedersfeld Wissenswertes über die besondere Landschaftsform. Sie braucht Pflege, damit sie überlebt.

Wenn Mutter Natur auf dem „Dach des Sauerlands“ in über 800 Metern Höhe den Malkasten auspackt, ist das wahrlich ein Fest wert. Rund 120 Gäste aus nah und fern folgten jetzt bei bestem Wanderwetter der Einladung der Ferienwelt Winterberg und des Sauerländer und Upländer Gebirgsvereins zum 1. Hochheide-Tag auf der Niedersfelder Hochheide – der mit rund 80 Hektar größten der europaweit seltenen Bergheiden Nordwestdeutschlands. Sie ist das Relikt einer uralten Kulturlandschaft, die durch jahrhundertelange Bewirtschaftung unserer Vorfahren entstanden ist.

Meer aus blühendem Heidekraut

Ein Meer aus blühendem Heidekraut färbt die ansonsten recht karge Niedersfelder Hochheide, auch Neuer Hagen genannt, im Spätsommer kräftig lila. Dazwischen wachsen dunkelgrüne Wacholdersträucher, kleine Fichten, Torfmoose, Preiselbeeren, Blaubeeren, die sogenannte „Rauschebeere“ und ein paar silbrige Birken. Ein Paradies und Erlebnis nicht nur für Wandersleute und Naturkundler.

Zum Treffpunkt an der Hochheide-Hütte, wo Wirt Ralf Geilen und sein Team ein üppiges Wanderfrühstück angerichtet hatten, kamen auch zahlreiche Gäste mit dem Pkw. Denn die Hochheidelandschaft bietet auf einem vier Kilometer langen Rundweg zahlreiche Attraktionen aus Flora und Fauna.

Heidschnucken und Ziegen: Natürliche Rasenmäher

Pfarrer Christian Röhling von der evangelischen Kirchengemeinde Willingen stimmte die Gäste in einem feierlichen ökumenischen Gottesdienst auf die Wanderung ein. „Viele Blumen werden derzeit in den Blumenkästen, auf den Balkonen und auf Gräbern gegen Heide ausgetauscht. Die Heide ist widerstandsfähig. Die Winde und Stürme fangen an, und es gilt, auch den Stürmen des Lebens zu trotzen und Widerstandskraft entgegen zu bringen.“

Im Anschluss entdeckten die Wanderer die Schönheit der Landschaft unter verschiedenen Aspekten. Eine geführte Tour lenkte den Fokus auf die besondere Landschaftsform, die bis zur Wanderschäferei des Bigger Franziskushofes reicht, dessen Herde aus Heidschnucken und Ziegen als „natürliche Rasenmäher“ verantwortlich für den Erhalt des „kahlen“ Gebirgskopfes sind. Tief ein- und ausatmen, hieß es bei der Gesundheitswanderung in frischer Bergluft. Ein landschaftstherapeutischer Streifzug führte über den „Goldenen Pfad“ mit seinen zehn Achtsamkeitsstationen.

Plünderung der Lehnsherren Grundstein für Kulturlandschaft

Ein historischer Rundgang unter Führung von Hubert Koch (Förster a. D.) und Benedikt Wrede (Naturschutzzentrum - Biologische Station - Hochsauerland) lenkte die Aufmerksamkeit der zahlreichen Besucher auf die Entstehung dieser seltenen Kulturlandschaft und ihre Bewirtschaftung. „Das was wir hier sehen, ist ein Prozess von einigen Hundert Jahren“, so Koch. Bestand die Landschaft ursprünglich aus Buchenwald, so plünderten die Lehnsherren im Mittelalter den Wald aus.

„Zur Verhüttung von Eisenerz aus Diabas-Gestein brauchte man Holzkohle, die gewann man damals aus Buche“, erläuterte Koch weiter. Nachdem der Wald verschwunden war, trieb man das Vieh in die ausgeplünderten Wälder. Eine Regeneration war nicht mehr möglich. Auf den völlig ausgemergelten Böden breitete sich das Heidekraut aus, welches zum Vieh einstreuen genutzt wurde und später als Dünger diente.

Um 1804 forsteten die Hessen Fichten auf, einerseits um die Wohnsituation zu verbessern, andererseits brauchte man das schnell wachsende Gehölz für die Eisenindustrie.

Pflege notwendig: Regeneration der Heide unerlässlich

Die Hochheide schrumpfte von rund 175 Hektar vor 100 Jahren auf die Hälfte. „Ohne die Maßnahmen für die Regeneration von Heide würde der Wald die Landschaft zurück erobern und das Ende für viele Tiere und Pflanzen bedeuten, die sich auf diese Landschaft spezialisiert haben“, schilderte der Förster Hubert Koch.

Für alle an Wald und Natur Interessierten stand auch die „Rollende Waldschule“ der Kreisjägerschaft bereit. Hier wurde die heimische Tierwelt erläutert. Sogar zwei lebende Greifvögel (ein Uhu und ein Falke) waren zu bestaunen. Am Lehrbienenstand von Wolfgang Jenke aus Cobbenrode erführen die Gäste Wissenswertes zum Insektenschutz in Südwestfalen. Nach einem gemeinsamen Kaffeetrinken ging es mit vielen Eindrücken zurück nach Hause.

Walter Hoffmann, Initiator, Mitorganisator und Wanderführer aus Siedlinghausen, ist zufrieden mit dem 1. Hochheidetag: „Wir haben den Anspruch nicht zu hoch geschraubt, wir wollten keine Massenveranstaltung haben. Das passt nicht zur Hochheide.“

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