Vorlesetag 2020

HSK-Buchexperten: Darum ist Vorlesen für Kinder so wichtig

Ute Hachmann, Leiterin der Stadtbibliothek Brilon, hat Lesenswertes zum Vorlesetag zusammengestellt.

Ute Hachmann, Leiterin der Stadtbibliothek Brilon, hat Lesenswertes zum Vorlesetag zusammengestellt.

Foto: Jutta Klute/WP

Brilon/Olsberg.  Am 20. November ist Vorlesetag. Die Leiterinnen der Bibliotheken in Brilon und Olsberg geben Buchtipps und erklären, warum Lesen so wichtig ist.

Gemütlich in den Sessel kuscheln, ein Bilderbuch auf dem Schoß, die Kinder links und recht lauschen gebannt. Vorlesen, zuhören, gemeinsam ein Buch angucken - darauf will die Stiftung Lesen am heutigen Vorlesetag Lust machen. Auch für die Leiterinnen der Stadtbibliotheken in Brilon und Olsberg ist das ein wichtiges Anliegen.

Schlüsselkompetenz

„Sinnentnehmendes Lesen ist eine zentrale, wenn nicht die Schlüsselkompetenz und wichtigste Bildungsvoraussetzung, egal ob das Lesen digital oder analog passiert. Die Vorlesestudien, die die Stiftung Lesen jährlich initiiert, zeigen, dass Vorlesen nachweislich bedeutsam ist für die sprachliche Entwicklung von Kindern. Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wird, zeigen oft bessere schulische Leistungen auch in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und entfalten in besonderem Maße soziale Kompetenzen wie Empathie, Verantwortungsgefühl und Gerechtigkeitssinn“, sagt Petra Böhler-Winterberg, Leiterin der Stadtbücherei Olsberg.

Sensibilisierung für Sprache

Ob Kinder, denen viel vorgelesen wurde, später tatsächlich selbst zu begeisterten Lesern werden, das ist nicht garantiert. Petra Böhler-Winterberg macht deutlich, dass es dazu keine eindeutigen Studien gibt. Sie verweist aber auf die Wissenschaftlerin Marion Bönnighausen, die davon ausgehe, dass eine Verbindung zu Büchern bestehen bleibt, eine Sensibilisierung für Sprache, Ästhetik und Klang.

Viele Eltern lesen nicht mit ihren Kindern

Besorgniserregend findet Ute Hachmann, Leiterin der Briloner Stadtbibliothek, dass Vorlesen heute offenbar in vielen Familien nicht mehr selbstverständlich ist. Das gehe aus der Studie 2020 der Stiftung Lesen hervor. „Laut dieser Studie liest ein Drittel aller Eltern ihren Kindern nicht mehr vor. Deshalb finde ich diesen Tag, der Fokus aufs Vorlesen legt, sehr wichtig“, so die Bibliotheksleiterin. Sie verweist in diesem Zusammenhang auf die „Briloner Bücherbabys“, die genau an diesem Punkt ansetzen: „Wir wollen die Eltern sensibilisieren, ihren Kindern vorzulesen“, so Ute Hachmann. Sie freut sich, dass seit Bestehen des Projektes im Jahr 2006 in diesem Jahr das 8000. Paket herausgegeben wurde.

Bibliothek Brilon: Ausleihfrist verlängert

Mit Blick auf die Corona-Pandemie weist die Briloner Bibliotheks-Leiterin darauf hin, dass die Leihfrist für alle Medien auf acht Wochen ausgeweitet wurde. „Es dürfen sich also jetzt schon alle gerne für die Weihnachtstage eindecken“, so Ute Hachmann. Denn: Gerade die Ferien und die Feiertage bieten natürlich jede Menge Zeit zum (Vor)-Lesen. Sie wirbt auch noch mal für ein Angebot, das bisher nur wenig genutzt werde und es ermöglichen soll, die Bibliothek für eine Viertelstunde zum Schutz vor Corona für sich allein zu buchen. Damit sollen insbesondere Ältere oder Menschen mit Vorerkrankungen angesprochen werden.

Vorlesepaten-Projekt

Vorlesen ist übrigens ein Thema, das die heimischen Bibliotheken seit lange auf dem Schirm haben: Schon 2005 haben sich die Stadtbibliotheken Arnsberg, Brilon, Meschede und Olsberg gemeinsam mit dem Projekt „Lesen macht aus halben Portionen ganze Persönlichkeiten“ auf den Weg gemacht, um mit der Ausbildung von ehrenamtlichen Vorlesepaten Kindergärten aktiv bei der frühkindlichen Leseförderung zu unterstützen. Ausschlaggebend für dieses Engagement waren die PISA und OECD-Studien zum Vorschulbereich, die erhebliche Defizite aufgezeigt und verdeutlicht haben wie entscheidend die frühe Kindheit für den Erwerb von Sprach- und Lesekompetenz ist. Deshalb haben die Bibliotheken für die Kindergärten ehrenamtliche Vorleser gesucht und in einem zweitägigen Seminar unter Leitung der Sozialpädagogin Claudia Thalmann für diese Aufgabe fachlich geschult. Über die Jahre wurden in zahlreichen Workshops immer wieder neue Vorlesepaten ausgebildet. Im Stadtgebiet Olsberg waren vor Beginn der Corona-Pandemie 32 Vorlesepaten regelmäßig in den Kindergärten im Einsatz.

Tipps rund um um das Thema Lesen

„Das perfekte Vorlesebuch für jedermann gibt es nicht! Ganz wichtig ist, dass sich der Vorleser mit dem Buch, aus dem er vorlesen möchte, wohl fühlt und sich für die Geschichte begeistert. Die Begeisterung springt dann wie von selbst auf das junge Publikum über, das Vorlesen macht allen Beteiligten richtig Spaß und Lust auf mehr“, das sagt Petra Böhler-Winterberg, Leiterin der Stadtbücherei Olsberg.

Ihre Empfehlung: Für die jüngsten Kinder ab etwa 1 bis 2 Jahren eigenen sich besonders Bücher wie „Tupfst du noch die Tränen ab?“ von Jörg Mühle. In diesem Pappbilderbuch hat sich Hasenkind verletzt und muss getröstet werden. Ein interaktives Bilderbuch, bei dem der Leser auch Trostspender ist.

Vorschulkinder ab etwa 4 Jahren werden ihre Freude an der Geschichte von Charlotte Habersack „Der schaurige Schusch“ haben. Auf dem Dogglspitz, dem höchsten Berg im Simmerlgebirge leben das scheue Huhn, der bockige Hirsch, die garstige Gans, das maulige Murmeltier und der Party-Hase friedlich zusammen. Eines Tages zieht ein unheimlicher Fremder in die Nachbarschaft, über den schon bald die wildesten Gerüchte kursieren. Ein wunderbares Bildermärchen über Toleranz und Freundschaft. Herrlich schrullig, sehr wahr und großartig vorzulesen!

Ihr persönlicher Vorlesefavorit für Kinder im Grundschulalter ab etwa 6 bis 7 Jahren ist die Geschichte „Ein Schaf fürs Leben“ von Maritgen Matter. In einer kalten Winternacht stapft ein hungriger Wolf durch den Schnee. Als er auf ein argloses Schaf trifft, kann er es zu einer gemeinsamen Schlittenfahrt überreden. Dieser Ausflug gerät zu einer lustigen und wunderbaren Reise durch die Nacht und nimmt schließlich eine überraschende Wendung.

Die Briloner Bücherei-Leiterin Ute Hachmann hat ebenfalls ein paar gute Tipps rund um das Thema Vorlesen parat: Sie empfiehlt zum Beispiel die Zeitschrift Eselsohr. Das ist eine Fachzeitschrift für „Kinder und Jugendliteratur“, die einmal monatlich erscheint und in der Stadtbibliothek in Brilon ausgeliehen werden kann. Für die Online-Suche nach Medien, die für junge Leute geeignet sind, empfiehlt sie die Website www.kinderbuch-couch.de beziehungsweise www.jungendbuch-couch.de.

Für Eltern und Erzieher, die wissen wollen, „Wie Kinder lesen lernen“ gibt es einen Wegweiser und Ratgeber mit pädagogischem Background von Alexandra Rak, Nicola Bardola, „Senter Kreis“, Stefan Hauck, Mladen Jandrlic (Carlsen-Verlag).

Als einen „coolen Einstieg zur Benutzung der Bibliothek“ empfiehlt sie das Buch: „Ein Passwort für die Pippilothek“ von Lorenz Pauli und Kathrin Schärer (für Kinder ab 4 Jahren). Ute Hachmann: „Das ist ein richtig lustiges Buch“. Es geht um einen Hund, der nicht in die Bibliothek darf. Doch er findet einen Weg. Denn: Wer an der Leine geht, geht online.

Ein Buch, das Jung und Alt Spaß macht, ist, so Ute Hachmann, „Desperado“ - Ein Western von Loe Könnecke für Kinder ab 3 Jahren - ein fantasievolles Kindergarten-Abenteuer erwartet die (Vor)-Leser.

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