Marsberg.

Hunde wachen Tag und Nacht

Schäfer Ralf Bauer aus Marsberg-Udorf besucht seine Herdenschutzhunde auf einer seiner Weiden.  Die  Mischlinge aus polnischem Schäferhund, Pyrenäen-Berghund und Maremmano-Abruzzese.

Schäfer Ralf Bauer aus Marsberg-Udorf besucht seine Herdenschutzhunde auf einer seiner Weiden. Die Mischlinge aus polnischem Schäferhund, Pyrenäen-Berghund und Maremmano-Abruzzese.

Foto: Nadine Przystow

Marsberg.  Um seine Rhönschafe vor dem Wolf zu schützen, hat Schäfer Ralf Bauer aus Marsberg-Udorf sechs Herdenschutzhunde für seinen Betrieb ausgebildet.

„Der Wolf kommt. Die Frage ist nur wann“, ist sich Ralf Bauer sicher. Und der Schäfer aus Marsberg-Udorf will vorbereitet sein. Vor vier Jahren hat er begonnen, eigene Herdenschutzhunde für seinen Betrieb auszubilden. Sie leben mit den Tieren auf der Weide und passen rund um die Uhr auf.

Ralf Bauer züchtet Rhönschafe, eine alte vom Aussterben bedrohte Haustierrasse. „Die sind nicht wieder zu kriegen“, sagt er. Der Verlust eines Tieres hätte für ihn hohe finanzielle Folgen. Stabile Elektrozäune hatte er schon immer, doch im besten Fall soll ein Wolf ja gar nicht erst so nah an die Schafe herankommen.

2014 fuhr er deshalb in die Hohe Tatra und holte sich eine polnische Schäferhündin. Von einem Kollegen aus Dortmund bekam er einen Rüden, einen Mischling aus Pyrenäen-Berghund und Maremmano-Abruzzese. In Deutschland sind diese beiden Rassen für den Herdenschutz sehr beliebt. Zwei Würfe hat es bisher gegeben. Von ihnen hat Ralf Bauer vier Junghunde behalten, die anderen hat er an Schäfer in Sachsen vermittelt. Dort und in weiteren Bundesländern hat sich der Wolf bereits wieder angesiedelt.

Der Älteste der Hunde und Vater der Familie ist der Anführer des Rudels. Foto: Nadine Przystow Hundewelpen wachsen in der Herde auf

In die Ausbildung der Herdenschutzhunde musste sich der 53-Jährige erst einmal „reinfuchsen“. „Der Wolf war lange Zeit keine Gefahr. Das Wissen über Herdenschutzhunde ist verloren gegangen, weil man sie einfach nicht gebraucht hat.“

Die Welpen werden meist im Schafstall geboren, damit sie den Geruch der Tiere sofort wahrnehmen. Sie leben von Anfang mit den Schafen zusammen und bleiben mit ihnen auch schon alleine. Richtig einsatzbereit seien sie, wenn sie etwa zwei Jahre alt sind. Ein spezielles Training gebe es nicht, „die tägliche Arbeit ist das Training“. Bauer selbst korrigiert Fehler, ansonsten könne er die Hunde nur anlernen: „Mit direkten Kommandos kann man bei diesen Hunden nicht viel machen. Im Rudel gibt es einen Mentor, der es den anderen richtig vormacht“, erklärt er.

Hunde sind 24 Stunden bei den Schafen auf der Weide

Insgesamt hat Ralf Bauer damit sechs Herdenschutzhunde, die seine 1300 Tiere bewachen. Ihre Namen verrät der Schäfer nicht: „Ich möchte ja nicht, dass ein Fremder sie ansprechen kann.“

Was bei Gefahr zu tun ist, entscheiden die Schutzhunde selbst: „Das haben die drin“, sagt Ralf Bauer. Bedrohungen verbellen sie in erster Linie. Körperlich reagieren sie nur, wenn sie selbst angegriffen werden. Das sei für Pyrenäen-Berghund und Maremmano typisch, weshalb sie sich gut für eine „gedämpfte Form des Herdenschutzes“ eignen. Der russische Owtscharka zum Beispiel sei hingegen deutlich aggressiver.

Die Hunde haben 24 Stunden „Security-Dienst“, sie sind Tag und Nacht bei den Schafen. Auch im Winter schlafen sie bei ihnen im Stall. Doch bis die Tiere gut aufeinander eingespielt sind, dauere es Jahre. Schließlich müssen sich die Schafe genauso an ihre Beschützer gewöhnen: „Sie kennen ja nur die Hütehunde, die sie scheuchen“, erklärt Bauer.

Hohe Kosten - Förderung gibt es nur im ausgezeichneten Wolfsgebiet

Auch wenn die Hunde weitgehend selbstständig sind, kosten sie dem Schäfer dennoch viel Zeit und Geld. Im Sommer fährt er jeden Abend seine Weiden ab, um die Hunde zu füttern und sich mit ihnen zu beschäftigen. Aus logistischen Gründen hat er daher zurzeit nur zwei Herden. „Es gibt Schäfereien, die Leute ausschließlich für die Herdenschutzhunde einstellen, aber das kann Otto Normalverbraucher nicht“, so der Schäfer aus Marsberg. Deshalb werde es wohl nicht zum „Allheilmittel“ für die Betriebe werden.

Dazu kämen die laufenden Tierarzt- und Futter-Kosten. Jährlich seien das etwa 1000 Euro pro Hund. Zwar unterstützt das Land Nordrhein-Westfalen Präventionsmaßnahmen wie die Ausbildung und Anschaffung von geeigneten Herdenschutzhunden, allerdings werden solche Zuwendungen nur „in einem Wolfsgebiet“ gewährt. Das wird jedoch erst „bei einer festen Ansiedlung von Wölfen“ ausgezeichnet, heißt es in den „Förderrichtlinien Wolf“ des NRW-Umweltministeriums.

„Wir müssen uns selbst helfen, denn uns hilft keiner. Ich kann nicht auf einen Wolfsübergriff warten, ich muss vorher etwas tun“, sagt Ralf Bauer.

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