Wissen

Im Bionik-Lehrpfad in Marsberg Natur-Phänomene begreifen

Die Blätter der künstlichen Lotus-Pflanze haben unterschiedlich beschichtete Blätter. An ihnen lässt sich der Lotus-Effekt an einer Station des neuen Bionik-Lehrpfades nachempfinden.

Die Blätter der künstlichen Lotus-Pflanze haben unterschiedlich beschichtete Blätter. An ihnen lässt sich der Lotus-Effekt an einer Station des neuen Bionik-Lehrpfades nachempfinden.

Foto: Annette Dülme

Giershagen.  Der 4,8 Kilometer lange Bionik-Pfad in Marsberg im Naturpark Diemelsee ist eingeweiht. Ein Besuch lohnt sich – und das nicht nur für Kinder.

Bionik bedeutet Lernen von der Natur. In der Bionik überträgt man Prinzipien aus der Natur auf die Technik. Gemeinsam mit seinen Studenten hat Professor Dr. Mark Schülke von der FH Südwestfalen den Bionik-Lehrpfad nach natürlichen Vorbildern konzipiert, die einzelnen Station gebaut und aufgestellt – in Zusammenarbeit mit dem Naturpark Diemelsee. An Infotafeln sind sie genau und kindgerecht erklärt.

Johann und Moritz füllen unaufhörlich Wasser aus dem Bachlauf mit einem kleinen Gummieimer in das Metallbecken. Maja, Felicitas, Johanna, Kumriya und Rina drehen an der riesigen silberglänzenden Metallschraube. Sie transportiert das Wasser hinauf. Im freien Fall trifft das Wasser auf Entenfüße und daneben auf Hühnerfüße aus Metall an zwei Schrauben.

Hautnah erleben die Kinder, wie unterschiedlich Entenfüße mit Schwimmhäuten und Hühnerfüße auf vorbeiströmendes Wasser reagieren und warum Enten andere Füße als Hühner haben. „Weil Enten schwimmen und Hühner weniger“, erklärt ihnen Professor Dr. Mark Schülke von der Fachhochschule Südwestfalen, Labor für technische Physik.

Alle Stationen sind komplett barrierefrei

Die Station „Schwimmflossen“ ist eine von acht Stationen des neuen 4,8 Kilometer langen Bionik-Pfades.

Am Dienstag wurde der neue Lehrpfad am Wanderparkplatz der Grube Reinhard in Giershagen eingeweiht. Dass der neue Lehrpfad auf dem Stadtgebiet von Marsberg im Naturpark Diemelsee errichtet wurde, entlang des Wanderweges zwischen Giershagen und Padberg, erfreute besonders Marsbergs Bürgermeister Klaus Hülsenbeck. „Wir haben damit jetzt den längsten außerschulischen Lernort in ganz Deutschland“, führte er freudestrahlend aus. Denn gerade auch an jugendliche Pfadbesucher wurde bei der Konzeption gedacht, ebenso an Geh- und Sehbehinderte. Alle Stationen sind barrierefrei zu erreichen. Die Höhe der Infotafeln ist so ausgerichtet, dass sie passend für Rollstuhlfahrer sind.

121.000 Euro kostete die Installation des Pfades

Ein solches Projekt könne nur gelingen, wenn viele mit ins Rad fassen“, dankte Dr. Christoph Bartsch, Bürgermeister von Brilon und stellvertretender Vorsteher des Zweckverbandes Naturpark Diemelsee, allen, die an der Verwirklichung mitgewirkt haben. Die Organisation ging von der Geschäftsstelle des Naturparks aus. Rund 121.000 Euro kostete die Installation des Pfades. 70 Prozent wurden vom Land NRW gefördert. Unter den Gästen war auch Hubert Kaiser, Abteilungsleiter im NRW-Umweltministerium. 30.000 Euro kamen aus Eigenmitteln, der Rest von Sponsoren, wie der Stiftung der Sparkasse Paderborn-Detmold für die Stadt Marsberg oder der Firma Centroplast.

Weitere Spenden nötig – Pfad ist noch nicht ganz fertig

„Jede Station ist ein Unikat“, so Prof. Dr. Schülke, „und deshalb nicht klar kalkulierbar.“ Der Pfad ist noch nicht ganz fertig. Weitere Spenden sind noch nötig.

Er sei stolz, so Landrat Dr. Karl Schneider, „auf dieses länder-, grenzen- und städteübergreifende Projekt im Naturpark Diemelsee.“ Dazu gehören die Städte Brilon, Marsberg, Korbach, Willingen, die Gemeinde Diemelsee, der HSK und der Landkreis Waldeck-Frankenberg. Mit dem Pfad werde eine neuer, wichtiger und richtungsweisender Weg beschritten, sagte der Landrat, bevor mit dem Lüften des Tuches über der Infotafel der Station Lotos-Effekt der Pfad für Besucher freigegeben wurde.

Die räumliche Herkunft akustischer Signale

Die Station veranschaulicht den Lotus-Effekt, der nach der Lotos-Pflanze benannt ist. Deren noppenartig strukturierten Blätter lassen Schmutz und Flüssigkeit perfekt abperlen. Die Blätter an einem spiralförmigen Ständerwerk sind aus Glasfaser in Handarbeit gefertigt. Einige Blätter sind mit Nanobeschichtung versehen, einige nicht. Den Unterschied kann man sichtbar machen, indem man Wasser aus dem kleinen Bachlauf nimmt und über Blätter laufen lässt.

An einer anderen Station steht ein akustisches Phänomen im Fokus. Klangmuschelartige Skulpturen aus glasfaserverstärktem Kunststoff sind an geschwungene Träger aus Stahl montiert. Aus einer bestimmten Position können Besucher daran das Richtungshören, die Fähigkeit, die räumliche Herkunft akustischer Signale zu erkennen, wahrnehmen.

Hier finden Sie noch mehr Nachrichten, Fotos und Videos aus dem Altkreis Brilon.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben