Heiraten

In Dreislar erklingt das „Ave Maria“ aus dem Bergwerk

Irina und Daniel Schulte gaben sich 2009 als erstes Brautpaar im Schwerspatmuseum das Ja-Wort.

Irina und Daniel Schulte gaben sich 2009 als erstes Brautpaar im Schwerspatmuseum das Ja-Wort.

Foto: Museum Dreislar / WP

Medebach.  „Heiraten an ungewöhnlichen Orten“, heißt unsere Serie, in der wir heute romantische Orte zum Heiraten aus dem Stadtgebiet Medebach vorstellen.

„Ja, ich will!“ Standesamtlich heiraten kann man in Medebach gleich an fünf Lokalitäten. Der Klassiker ist das Rathaus, wo sich im vergangenen Jahr 38 von insgesamt 45 Brautpaaren die ewige Treue geschworen haben. Aber Medebach hat darüber hinaus vier Orte, die für eine Hochzeit nicht ganz alltäglich sind. Ein besonderer Tipp ist dabei das Schwerspatmuseum in Dreislar - 2018 dreimal gebucht: Sie wissen ja: „Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unserer Liebe nicht!“ Schließlich gelten Kristalle und Edelsteine seit ewigen Zeiten als Symbol für unvergängliche Treue. Und auch der Schwerspat ist ein harter Knochen, dem so schnell nichts anzuhaben ist.

Besondere Atmosphäre

Ein silberner Kerzenleuchter, frische Blumen, ein alter Amboss und dann dieses unbeschreibliche Lichterspiel. Die alte Schmiede im Schwerspatmuseum in Dreislar ist definitiv ein guter Ort, um Pläne für die Zukunft zu schmieden. Seit 2009 kann man hier unter die Haube gebracht werden. „Als wir damals das Museum geplant haben, kam die Frage auf: Was können wir hier noch anbieten, falls die Besucherzahlen mal zurückgehen sollten?“, erzählt Schwerspatmuseum-Urgestein Gerhard Brocke.

Eine dreibahnige Bundeskegelbahn hätte gepasst, aber auch die Möglichkeit des Heiratens, schmunzelt der 72-Jährige. 31 Paare wurden seitdem im Schwerspatmuseum standesamtlich getraut – darunter Bob-Olympiateilnehmerin Sandra Kiriasis oder auch ein Mitglied der BMW-Unternehmerfamilie sowie Bauer Roland aus Dreislar, der bei der RTL-Sendung „Bauer sucht Frau“ sein Glück fand.

Terminabsprache

Die Terminabsprache läuft – wie bei allen anderen Locations auch - über das Medebacher Standesamt. Und wer nach dem offiziellen Trau-Akt mit seinen Gästen gleich im Museum weiterfeiern möchte, der kann das tun. Denn ob Kaffee und Kuchen und/oder das Hochzeitsmenü in mehreren Gängen – die Heimatstube hat Platz für 72 Personen und das Team vom Schwerspatmuseum verspricht einen unvergesslichen Tag. 50 Euro für Hochzeitsgesellschaften mit bis zu 20 Personen und 100 Euro für bis zu 50 Personen kostet die Miete. Inklusive sind die „Glocken der Liebe“ und das „Ave Maria“, das der leidenschaftliche Sänger und Musiker Gerhard Brocke dann live aus dem Halbdunkel der Schwerspatgrube schmettert, wenn es heißt: „Sie dürfen die Braut jetzt küssen.“ Auch Standesbeamter Dieter Harbecke versichert: „Das ist schon eine besondere Atmosphäre.“

Das Medebacher Standesamt ist bei der Terminvergabe flexibel und kommt den Brautleuten gern entgegen. Wie in allen anderen Kommunen auch kostet eine Trauung inklusive Urkunde, Stammbuch und allen Gebühren zwischen 80 und 100 Euro. Die genauen Kosten hängen u. a. von der Ausführung des Stammbuches ab. Für Trauungen außerhalb der regulären Öffnungszeiten und außerhalb des Rathauses werden Zusatzgebühren fällig - aber auch das ist in allen Städten und Gemeinden gängige Praxis.

Das erste Brautpaar

Zurück nach Dreislar: Die ersten Brautleute, die sich in der Schwerspatgrube trauten, waren übrigens Irina und Daniel Schulte. „Es war eine besondere Stimmung. Richtig romantisch“, erinnert sich Daniel Schulte noch heute gerne an diesen Tag. Als Dreislarer, der vom Grubenbetrieb noch ein wenig mitbekommen hat, sei es für ihn naheliegend gewesen, im eigenen Ort an so einem atmosphärischen Platz zu heiraten. „Ich kann das nur wärmstens empfehlen.“

Fotografen haben übrigens schon Gift und Galle gespuckt, wenn es darum ging, in dem schummerigen Bergwerkslicht Fotos zu machen. „Wir haben auch schon mal die Grubenlampe zur Hilfe geholt. Aber in der Regel klappt das“, versichert Gerhard Brocke. Glück auf, nach Dreislar!

Trau Dich in Wissinghausen!

Weitere Orte, an denen man sich trauen kann: Die Kapelle in Wissinghausen ist ein solcher Ort. Aber: Zurzeit wird das rote Backsteinhaus im Inneren renoviert. Die historischen Kirchenmalereien werden wieder freigelegt und es soll auch eine neue Inneneinrichtung geben mit Tischen und Stühlen für Heiratswillige und ihre Angehörigen. „Die Miete ist kostenlos, die Hochzeitspaare sorgen selbst für die Deko. Eine feste Miete wird nicht erhoben. Wir als Heimat- und Gebirgsverein freuen uns aber über eine Spende“, sagt der Vorsitzende Christoph Hammerschmidt.

Trau Dich in der Dreggestobe in Düdinghausen!

Ein schöner Ort für den hoffentlich schönsten Tag des Lebens ist auch die Dreggestobe in Düdinghausen und hier speziell das Museumscafe. Ursula Winterberg kümmert sich mit einer guten Freundin regelmäßig um das Waffelbacken; sie sorgt aber auch dafür, dass in der Dreggestobe, die unter der Regie des Heimat- und Verkehrsvereins geführt wird, geheiratet werden kann: „Das Angebot gibt es noch gar nicht so lange. Ich glaube, wir hatten bislang vier Hochzeiten“, sagt sie. Nach entsprechender Terminabsprache stellt der Verein den Raum; Brautpaare können ihre eigene Blumen-Deko mitbringen. „Wir hatten auch schon Hochzeitsgesellschaften, die dann hinterher im Museumscafé Kaffee getrunken haben.“ Platz sei für 30 bis 40 Leute“, sagt Ursula Winterberg. Das Museumscafé ist übrigens dank Aufzug auch behindertenfreundlich. „Wenn Brautpaare dort Kaffee trinken möchte, backen wir frische Waffeln dazu. Die, die bislang bei uns waren, waren sehr begeistert.“

Trau Dich an der Kreuzbergkapelle!

Einen herrlichen Ausblick auf Düdinghausen hat man von der Kreuzbergkapelle aus. 2004 wurde die Auferstehungskapelle gebaut, die das Ende eines auf das Jahr 1865 zurückgehenden Kreuzwegs ist. Auch hier kann nach Absprache der Bund fürs Leben gesprochen werden. Allerdings finden die Trauungen nicht in der, sondern vor der Kapelle statt.

Trau Dich auf Gut Glindfeld1

Gleich mehrere romantische Orte zum Heiraten gibt es auf Gut Glindfeld Ein wirklich schöner Ort mit historischem Ambiente: Standesamtlich heiraten kann man jederzeit auf dem Gut, welches ehemals zum Kloster Glindfeld gehörte. Hier stehen zum einen ein Wintergarten mit Blick in den schönen Gutspark für kleinere Gruppen und zum anderen eine renovierte alte Scheune für größere Gruppen zur Verfügung. In den vergangenen zwei Jahren wurde überdies der sogenannte alte Kuhstall aufwendig renoviert und steht nun für Hochzeitsfeierlichkeiten bereit.

Das Catering sucht sich jedes Paar selbst aus - genau wie die Deko. „Wir haben eine Kleinigkeit für den Trauungstisch, allerdings zeigt die Erfahrung, dass das jeder selbst dekorieren möchte“, sagt Sophia-Antonia Bir. Sie stellt jeweils die Räumlichkeiten sowie Stühle und eine Auswahl an Tischen und sonstigem Equipment zur Verfügung. In den Wintergarten passen etwa 30 Personen; bei schönem Wetter kann die Trauung auch direkt vor dem Wintergarten im Park stattfinden. Bir: „In der Scheune hatten wir letztes Jahr eine standesamtliche Trauung mit 180 Personen. Für Feiern im Kuhstall kann man mit 150 Personen rechnen, wir haben noch einen etwas kleineren Raum, den früheren Schweinestall, dort passen rund 80 Personen rein.“

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