Tierschutz

Jäger aus dem HSK retten Rehkitze mit Drohne vor dem Tod

Toni Peter und Franz-Josef Kemmerling  sind unterwegs, um Rehe vor dem Tod durch Mähwerke zu retten.

Toni Peter und Franz-Josef Kemmerling sind unterwegs, um Rehe vor dem Tod durch Mähwerke zu retten.

Foto: Privat / WP

Titmaringhausen/Hochsauerlandkreis.  Franz-Josef Kemmerling ist Jäger in Titmaringhausen im HSK und versucht Rehkitze zu vor dem Mähtod zu retten. Mancher Erfolg ist von kurzer Dauer

„Das war so ein freudiges Erlebnis. Das kann ich kaum in Worte fassen“, sagt Franz-Josef Kemmerling, Jäger und Jagdpächter. Er ist derzeit auf den Wiesen einiger Landwirte unterwegs und macht dabei süße Funde.

Im Mai und Juni ist die sogenannte Setzzeit, der Zeitraum in dem Rehkitze geboren werden. Sie liegen im Moment noch in Wiesen, um vor Feinden geschützt zu sein. Wovor sie dann allerdings nicht geschützt sind, sind die Mähwerke der Landwirte. Viele Tiere werden jährlich Opfer der Maschinen und kommen zu Tode. Um das möglichst zu verhindern, kommen die Jäger ins Spiel. Und das mit Erfolg. Die Landwirte kommen bevor die Wiesen gemäht werden auf sie zu und bitten sie, auf den Wiesen nachzusehen, ob sich Rehkitze dort aufhalten, damit sie gerettet werden können.

Drei Tiere gerettet

„Am vergangenen Wochenende haben wir drei Stück gefunden. In einer Wiese sogar zwei auf einmal nur wenige Meter voneinander entfernt. Das war ein Erlebnis. Wie sechs Richtige im Lotto“, blickt der Jagdpächter zurück. Zu Beginn dieser Woche konnte er zwei weitere Jungtiere retten.

Mit fünf bis sechs Personen ist er jedes Mal unterwegs und versucht, die Tiere aus der Gefahrenzone zu bringen. Hilfsmittel benutzt er im 60 bis 70 Zentimeter hohen Gras nicht. „Da muss man schon Adleraugen haben und genau hinschauen. Die Tiere geben keinen Geruch ab im Gegensatz zu den erwachsenen Rehen. Das dient ebenfalls dem Schutz vor Füchsen und Wildschweinen“, erklärt Kemmerling.

Drohne als Hilfsmittel

Ein mögliches Hilfsmittel, das zum Einsatz kommen könnte, um die Rehkitze aufzuspüren, sind Drohnen mit Wärmebildkamera. Damit lassen sich präzise die Temperaturunterschiede zwischen Tier und Wiese erkennen. Dafür gilt es aber früh am Morgen bereits unterwegs zu sein, wenn es noch entsprechend kühl am Boden ist.

Sind die Tiere entdeckt, werden sie vorsichtig in Sicherheit gebracht. Natürlich in der Nähe, damit die Mutter ihr Kind auch anhand der Rufe wiederfinden kann. Dabei gilt es aber für Kemmerling und seine Begleiter aufzupassen, dass das Rehkitz nicht nach Mensch riecht, wenn es mit ihnen in Kontakt gekommen ist. Daher werden die Tiere mit Handschuhen angefasst und in Gras gewickelt.

Schreien der verletzten Rehkitze

Nur sehr kurze Zeit hält sich die Mutter bei ihrem Jungen auf, um mit ihrer Anwesenheit keine Fressfeinde anzulocken. Lediglich zum Säugen ist sie beim Nachwuchs anzutreffen.

Kemmerling schickte an alle Landwirte in seinem Gebiet einen Flyer, indem darauf hingewiesen wird, dass 72 Stunden vor dem Mähen einem Jagdpächter Bescheid gegeben werden muss. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. „Es läuft einem kalt den Rücken runter, wenn man das Schreien der verletzten Rehkitze hört“, sagt der erfahrene Jäger. Um das möglichst nicht noch einmal erleben zu müssen, versucht er, die Zusammenarbeit zwischen den Landwirten und der Jägerschaft noch weiter zu verbessern. Das funktioniert. Seit dem Verteilen der Flyer, gehen immer wieder neue Anrufe bei ihm an.

Suche wenige Stunden vor dem Mähen

Das heißt aber nicht, dass drei Tage vor dem Mähen Die Suche beginnt.

Schließlich könnte danach ein Rehkitz auf der Wiese abgelegt werden. Daher gehen die Jäger wenige Stunden vorher erst in Begleitung los und halten die Adleraugen auf. Das könnten die Landwirte auch selbst machen. Laut Kemmerling machen das auch einige, aber nicht alle. Solange es den Tieren am Ende des Tages aber gut geht, ist das kein wichtiger Aspekt für ihn. „Man kann in der Hinsicht viel Gutes bewirken und viele Rehkitze können vor dem Tod gerettet werden.“

Aber dafür ist die Kooperation mit den Landwirten entscheidend. Wie sich herausstellt sind nämlich die zwei Kitze, die Kemmerling und Petri gefunden haben, getötet worden. „Das ist einfach nur traurig. Der Landwirt hat nicht Bescheid gegeben und die Warnung ignoriert. Ich hätte fast geweint“, sagt ein emotionaler Kemmerling. Gegen den Landwirt wurde Anzeige erstattet.

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