Amerika

Johannes Wahle aus Winterberg ist für ein Jahr in den USA

Für ein Jahr ist der Winterberger Johannes Wahle in den Staaten. Nach einem Einführungsseminar in New York ist der 22-jährige Industriekaufmann mittlerweile in einer ländlicheren Region angekommen.   

Foto: Wahle/Privat

Für ein Jahr ist der Winterberger Johannes Wahle in den Staaten. Nach einem Einführungsseminar in New York ist der 22-jährige Industriekaufmann mittlerweile in einer ländlicheren Region angekommen.    Foto: Wahle/Privat

Winterberg/Devils Lake.   Über das Parlamentarische Patenschaftsprogramm des Deutschen Bundestages ist der Winterberger Johannes Wahle für ein Jahr in den USA.

Exakt 7000 Kilometer trennen den heimischen Skihang in Winterberg vom „Teufels-See“ im amerikanischen Nord-Dakota. Dorthin, in die 7000-Einwohner-Stadt „Devils Lake“, hat es den Winterberger Johannes Wahle für ein Jahr verschlagen. Über den heimischen CDU-Bundestagsabgeordneten Patrick Sensburg nimmt er am Parlamentarischen Patenschaftsprogramm (PPP) als eine Art Botschafter für Deutschland in den USA teil. Einige hundert Bewerber gab es für die 75 Stipendien – der 22-jährige Sauerländer ist dabei. Wir haben uns per Skype mit ihm unterhalten.

Wie ein Winterberger in die Staaten kommt

Johannes älterer Bruder Jonas hat 2014/2015 am selben Programm teilgenommen. „Nach zehn Tagen wusste er mehr zu erzählen, als ich in einem ganzen Jahr. Daher war für mich nach meinem ersten Telefonat mit ihm klar, dass ich mich auch für das Programm bewerben möchte. Es bietet einfach eine einzigartige Chance, sich selbst und seine interkulturellen Kenntnisse zu erweitern. Ich kann das nur jedem empfehlen.“


Lange Anreise in ein weites Land

Im August ging es los. Sieben Stunden dauerte der Flug Frankfurt-New York. Dort gab es ein dreitägiges Einführungsseminar und den Big Apple mit allem, was dazugehört: Freiheitsstatue, Wallstreet, Central Parc. Von New York ging es dann nach Denver, über Jamestown nach Devils Lake. „Eigentlich wollte ich anfangs in eine Großstadt. Meine Freunde und Arbeitskollegen haben mir zum Abschied in Deutschland eine dicke Fellmütze geschenkt. Minus 40 Grad sollen hier keine Seltenheit sein und es soll ein rauer Wind gehen.“

Leben als Student in einer Kleinstadt

Drei Tage vor seiner Abreise in die Staaten hat Jonas Wahle erfahren, dass die Gastfamilie kurzfristig absagen musste. Aber der Winterberger ist tough und teilt sich mit einem Studenten ein Zimmer im 300 Leute fassenden Studentenwohnheim. 2000 Studenten hat die Uni dort. „Mein Tag am College beginnt um 9 Uhr und endet gegen 15 Uhr. Danach sind Hausaufgaben angesagt, die hier einen größeren Stellenwert haben. Abends mache ich meistens was mit den anderen Studenten. Am Wochenende sind wir öfter mal in größere Städte gefahren.“

Ein Auto oder Festsitzen in Devils Lake

Wenn man nicht gerade Fische fangen möchte, ist der Ort sehr ruhig. Er liegt zwei Stunden von der kanadischen Grenze entfernt; die nächste große Stadt ist Grand Forks mit 60.000 Einwohnern und liegt etwa 90 Meilen (145 Kilometer) östlich. Daher braucht man ein Auto und einen Führerschein: „Der hat mich insgesamt zehn Dollar gekostet – fünf für die Theorie und fünf für die Fahrprüfung einmal um den Block. Man hat keine Unterrichtsstunden, sondern lernt das Fahren so (Tempo-Limit 110 km/h) oder mit den Eltern.“ Für Johannes Wahle ist ein Auto wichtig, da er ansonsten abhängig von anderen Studenten wäre. „Zudem wohnt mein Onkel in Grand Forks und ohne meinen alten Ford könnte ich ihn nicht besuchen fahren.“

Offen über Trump diskutieren

North Dakota ist eine republikanische Hochburg und es ist für Demokraten fast unmöglich, den Kongressabgeordneten zu stellen. Johannes Wahle: „Die Leute schätzen an Trump seine Entschlossenheit, Amerika verbessern zu wollen und haben in ihm den Besseren von zwei Extremen gesehen. Mittlerweile büßt er aber selbst hier Stimmen durch seine unüberlegten Äußerungen und Tweets ein. Ich glaube, dass kaum ein Präsident in der Geschichte so viel Gegenwind bekommen hat. Sofern er nicht in der nächsten Zeit zählbare Erfolge feiern kann, könnte ich mir vorstellen, dass er nicht bis zum Ende regieren wird.“

Das Bild der Amerikaner von Deutschland

Deutschland hat bei den Amerikanern einen hohen Stellenwert. Viele von ihnen haben Deutsche Wurzeln und viele haben bereits einen Urlaub in Germany verbracht und waren durchweg begeistert. Immer wieder werden unsere pünktlichen Züge – das ist kein Scherz - die Natur und die Sauberkeit gelobt. Zudem schätzen Amerikaner unsere „deutsche Wertarbeit“ sehr.“ Etwas befremdlich war für den Winterberger anfangs die Frage, ob er wisse, wer Adolf Hitler gewesen sei.

nicht so weit in die Zukunft. Was in fünf Jahren passiert, kann in vier Jahren und 363 Tagen geplant werden. Amerikaner versuchen, ihre Freizeit zu genießen, dafür wird dann auch mal z.B. die Hausarbeit hinten angestellt.

Amerikaner sind auf den ersten Blick sehr freundlich. Diese Freundlichkeit ist aber sehr oberflächlich, so wird auf die Frage „How is it going?“ eigentlich keine Antwort erwartet. Johannes Wahle: „Um wirklich Freundschaften zu schließen, muss man deutlich mehr Zeit als in Deutschland investieren.

Es herrscht oft mehr Schein als Sein. Es ist wichtig für Amerikaner, einen Truck zu fahren und ein Haus zu haben. Geht man dann aber rein, hat die Decke Löcher oder die Einrichtung fehlt. Trotzdem beschweren Amerikaner sich weniger als wir Deutschen. Sie nehmen es so, wie es kommt. Sie sind stolz auf ihr Land und alles, was mit Amerika zu tun hat. Amerikaner würden niemals direkt Kritik an Dir äußern. Lieber hören sich sich einen 45 Minuten langen Vortrag über todlangweilige Themen an, bevor sie auch nur ein Hauch von Kritik äußern. Es ist hier mehr üblich auswärts essen zu gehen, oder sehr einfach zu kochen. Ebenso werden Wegwerfteller benutzt. Die (Essens)-verschwendung kennt keine Grenzen. Ich vermisse hier dunkles Brot und Mutters Kochkünste ;-)

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