Malkurs

Jugendliche zeigen in Brilon Mut zur Farbe

Mit Schablonen üben die Jugendliche auf Tapete, Graffits zu sprühen. Von den Ergebnissen sind sie überrascht und begeistert.

Foto: Nicole Reuter

Mit Schablonen üben die Jugendliche auf Tapete, Graffits zu sprühen. Von den Ergebnissen sind sie überrascht und begeistert. Foto: Nicole Reuter

Gudenhagen-Petersborn.   Malkurs fördert Integration unter Jugendlichen: Spachteln, sprühen und Action Painting mit Künstlerin Andrea Wycisk.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Bunt ist es am Samstagnachmittag beim Malkurs in der Jugendwohngruppe Birkenblick. Bei Sonnenschein breiten fünf Jugendliche mit Künstlerin Andrea Wycisk alle Malutensilien auf dem Pflaster aus. Noch ist der ein oder andere ziemlich skeptisch. Lange dauert es aber nicht, bis gute die gute Laune überwiegt. Das kennt die Künstlerin und meint: „Am Anfang sind die Kinder meist nervös. Aber dann sind sie total ruhig und fokussiert und fühlen sich sicherer.“ Ein Malkurs inklusive Acrylfarben, Spachtel, Spraydosen und Lackfarben ist eben etwas Besonderes. Gesponsert wird er von der Briloner Leuchten GmbH.

Kreative Namensfindung

„Werden unsere Sachen dreckig?“ – Gut möglich. Schon laufen vier Jugendliche zurück ins Haus und ziehen sich um. Dann geht es los. Zunächst soll sich jeder ein Namensschild nehmen. Bereits hier zeigen sie Kreativität: Nicht ihre eigenen Namen schreiben sie auf. Plötzlich heißen sie Justin Bieber, Bernd das Brot, Fred oder Kiwi. „Dann nennen wir euch den ganzen Nachmittag auch so“, sagt Wycisk und lacht. „Nein“, das wollen die jungen Nachwuchskünstler nicht. Zu spät. Die Namen stehen auf den Karten.

Auf dem von der Sonne erwärmten Pflaster sitzen sie mit Betreuerin Andrea Wycisk und deren Assistentin Annthonie „Toni“ Nebendahl in einem Kreis. In der Mitte: Ein großer weißer Pappkarton.

Mit Spachtel, Pinsel oder Hand arbeiten

Wycisk erklärt, dass sie mit dem Hintergrund beginnen. Dafür können Spachtel, Pinsel oder die eigene Hand benutzt werden. Schnell sind fünf Farben ausgewählt. Mit den Spachteln verteilen die Jugendlichen großzügig die Acrylfarben in leuchtendem Pink, Violett, Aqua-grün, Rot und Blau. „Wir brauchen noch einen ‚Farbkick‘“, so Marvin, der sich heute Kiwi nennt. Die fünf Birkenblick-Bewohner fangen an, einen Blick für das Kunstwerk zu bekommen.

Der erste Teil ist zügig erledigt. Jetzt geht es über zum Graffiti. „Ich hab’ das noch nie gemacht aber bin voll überzeugt, dass ich das schaffe“, meint Fred, der eigentlich Maurice heißt und setzt sich die Atemschutzmaske auf. Auf weißer Tapete üben sie mit einer Schablone – „Cool, das sieht aus wie diese Hawaii-Blüten“ – zunächst unter Anleitung von Toni Nebendahl, wie die Spraydose am besten gehalten wird: „Nicht ganz so tief, sonst verläuft die Farbe unter der Schablone.“ Schnell haben sie den Dreh raus und wagen sich an das richtige Werk.

Action Painting auf der Leiter

Individuell suchen sich die Jugendlichen jeweils eine Schablone aus und sprühen los. Bernice, heute Bernd das Brot, benutzt Rosa und Blau für die „Love“-Schablone. Für den Feinschliff greift sie zur weißen Sprühdose, die bei wenig Druck tropft, sodass das Graffiti weiß gesprenkelt erscheint. Sie selbst ist vom Ergebnis überrascht: „Das sieht mega aus!“ Auch Chantal ist mittlerweile begeistert: „Ja, mein Hauptberuf wird jetzt Künstlerin“, ruft sie, nachdem sie ihr Tiger-Graffiti sieht.

Beim abschließenden Action Painting stehen die Jugendlichen auf einer Leiter und tauchen ihre in einen Handschuh verpackte Hand oder einen Stock in Farbe. Kim Ivo träufelt und wirft die Farbe in Jackson Pollock-Manier auf das Papier.

Begeistert von der Aktion sprühen die Nachwuchskünstler im Anschluss Graffitis auf Leinwände, geben sich gegenseitig Tipps und zeigen die Ergebnisse stolz vor. „Das unterstützt die Teambildung und sie haben eine ganz andere Wertschätzung für die Kunstwerke, wenn sie zusammenarbeiten“, so Wycisk.

>>>>Info:

  • Andrea Wycisk ist im Vorstand und der Geschäftsführung des Vereins „KreativVision Leben für Kinder und Jugendliche“, der die gesunde Entwicklung und wichtige Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen auf kreative Weise fördert.
  • Sie suche gute Konzepte der Jugendeinrichtungen und spreche Sponsoren an. Wunsch sei, dass mehr Geld in die künstlerische, kreative Förderung von Kindern und Jugendlichen fließt.

Folgen Sie der Westfalenpost im Altkreis Brilon auch auf Facebook.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik