Interview

Junge Frau aus Olsberg vertritt Fidschi-Inseln in New York

Isabell Guntermann während ihrer Arbeit bei der NMUN

Foto: privat

Isabell Guntermann während ihrer Arbeit bei der NMUN

Brunskappel/New York.  Isabell Guntermann vertritt bei der UN-Simulationskonferenz die Interessen der Fidschi-Inseln. Im Interview spricht sie über ihre Erfahrungen.

Die Brunskapplerin Isabell Guntermann ist zurück aus New York. Dort hatte sie mit rund 5000 Studierenden aus der ganzen Welt an der National Model United Nations (NMUN), der weltweit größten Simulationskonferenz der Vereinten Nationen, teilgenommen.

Im Interview mit der WESTFALENPOST erzählt sie von ihren beeindruckendsten und aufregendsten Erlebnissen auf der Konferenz in der Stadt, die niemals schläft.


Welcher Moment bei der NMUN ist Ihnen eindrücklich in Erinnerung geblieben?
Isabell Guntermann: Die Eröffnung am zweiten Konferenztag in der General Assembly Hall, im UN-Hauptquartier in New York, war sehr beeindruckend. Da zu sitzen, wo Weltprobleme diskutiert und gelöst werden, war wirklich toll. Normalerweise darf man diese „heiligen Hallen“ der Vereinten Nationen auch gar nicht besichtigen. Dieser Ort hat dem Ganzen so eine Wichtigkeit gegeben und es real gemacht.


Was sind Erfolgserlebnisse, die Sie zurück mit nach Deutschland genommen haben?
In meinem Komitee habe ich die Interessen der Fidschi-Inseln, einem kleinen Inselstaat im Südpazifik, vertreten. Bei uns ging es um Terrorismusbekämpfung und Abrüstungsthemen. Da spielen die Fidschi-Inseln auf der Weltbühne keine so große Rolle wie andere Länder. Zu spüren, dass man als kleiner Inselstaat trotzdem seine Meinung durchsetzen kann, war ein Erfolgserlebnis. Insgesamt konnten mein Partner und ich in unserem Komitee zwei Resolutionen als Sponsor verabschieden. Als Sponsor zeigt man der Welt, dass man als Land aktiv eine Lösung für bestimmte Probleme sucht und ein Thema tatsächlich voranbringen will.


Welche Themen haben Sie im Zuge der NMUN betrübt?
Als es um den Abstimmungsprozess zur Durchsetzung der Resolutionen ging, habe ich gemerkt, dass Länder, die nicht gut miteinander können, Themen anderer Länder aus Prinzip ausschließen. Man sollte ja meinen, dass Terrorismusbekämpfung zum Beispiel die ganze Welt gleichermaßen betrifft. Stattdessen wird nicht für eine Resolution gestimmt, weil ein bestimmtes Land an dieser beteiligt ist.


Was war vor Ort besonders aufregend?
Im Rahmen von sogenannten formellen Debatten können innerhalb von 90 Sekunden die Positionen des Landes, welches man vertritt, verteidigt werden. Ich habe auch so eine Rede gehalten. Als Nicht-Muttersprachler vor 500 Leuten die Interessen der Fidschi-Inseln zu vertreten war schon sehr aufregend. Da hat mein Herz echt bis zum Hals geschlagen. Danach war ich aber richtig motiviert und hab am selben Tag noch eine Rede gehalten.


Nehmen Sie für die Zukunft etwas aus den Erfahrungen in New York mit?
Auf jeden Fall die Intention der Rede anlässlich der Eröffnungsfeier. Da haben die Redner uns nahegelegt, dass man, ganz egal, in welcher Branche man arbeitet oder in welchem Umfeld man sich bewegt, über Politik sprechen sollte. Allein dadurch würde etwas in den Köpfen der Menschen ankommen. Wichtig ist, dass man nicht denkt, „die da oben, die machen das schon“, sondern sich darüber bewusst wird, dass Politik bei uns da unten anfängt. Ob auf kommunaler oder weltpolitischer Ebene.


Was passiert nun mit dem, was Sie und die vielen anderen Studierenden im Zuge der NMUN erarbeitet haben? Man muss realistisch bleiben. Wenn man sich vorstellt, was die Vereinten Nationen an Arbeit haben, dann kann man unsere Resolutionen in der Realität nicht umsetzen. Was aber nicht heißt, dass sie prinzipiell unrealistisch sind. Die Resolutionsentwürfe wurden nämlich immer dahingehend überprüft, ob sie so auch in der UN-Wirklichkeit hätten umgesetzt werden können.


Warum ist es wichtig, sich politisch zu engagieren?
Mir liegt am Herzen, dass wir uns darüber bewusst werden, dass wir in einer Welt leben, die es so nicht immer gab und die es so nicht mehr geben wird, wenn wir uns nicht um sie kümmern. Wenn einem etwas nicht passt, muss man kämpfen, damit es sich ändert. Wir sollten uns nicht auf dem ausruhen, was andere vor uns geschafft haben.

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