Kultur

Kantorei Brilon erinnert an ihre 100-jährige Geschichte

| Lesedauer: 5 Minuten
100 Jahre Kantorei St. Petrus und Andreas: Bei der Ausstellungseröffnung im Stadtmuseum konnten viele Gäste begrüßt werden.

100 Jahre Kantorei St. Petrus und Andreas: Bei der Ausstellungseröffnung im Stadtmuseum konnten viele Gäste begrüßt werden.

Foto: Monika Wiegelmann / wp

Brilon.  Alles ohne Elektronik. Sozusagen „unplugged“. Warum die Kantorei Brilon nach 100 Jahren noch jung im Herzen ist, zeigt eine Ausstellung im Museum.

Die große Ausstellung „100 Jahre Kantorei St. Petrus und Andreas“ präsentiert sich in fünf Räumen im Museum Haus Hövener. Alte Fotos, Artikel, Dokumente, Plakate, Gegenstände und eine Videoshow erinnern an 100 Jahre Kantoreigeschichte in Brilon und lassen bei vielen Menschen Erinnerungen aufkommen.

Lesen Sie auch:Vierte Corona-Welle trifft auch die Jüngsten

Kantorei wird 101 Jahre alt

Ein großer Bereich in der Museumsarbeit sei das Sammeln, Bewahren, Forschen und Vorstellen des Kulturerbes, unterstrich Museumsleiter Carsten Schlömer zur Ausstellungseröffnung über den Jubiläumschor mit Dirigentin Melanie Howard-Friedland, Propst Dr. Reinhard Richter (Präses) und Bürgermeister Dr. Christof Bartsch.

Lesen Sie auch: NDR-Doku mit Fokus auf Brilon: Beste Werbung fürs Sauerland

„Die bürgerlichen Chöre entstanden Anfang des 19. Jahrhunderts. In den Chören sangen Menschen, welche die Stadt prägten, die gemeinsame Ausflüge machten und viele Gesangsvorführungen boten“, so der Museumsleiter. „In Brilon war der christliche Glaube viel wichtiger als der Nationalsozialismus. Auch die Chormitglieder haben verstärkt den christlichen Glauben in sich getragen und nach außen repräsentiert.“

Ausstellung lebt vom Miteinander

„Diese Ausstellung ist nicht stumm, sie lebt vom Miteinander, da kennt man noch so viele“, freute sich Schlömer, dass er zu dieser interessanten Ausstellung einladen konnte. Sein Dank galt vor allem Arnold Berns, der das durch die Aufarbeitung alter Unterlagen erst ermöglichte. „Die Ausstellung wird digital aufgearbeitet und der Kantorei zur Verfügung gestellt. Sie ist dann ein neues Geschichtsbuch der Kantorei Brilon.“

Lesen Sie auch:Marsberg: Corona im Haus Bomberg - Infizierte haben Booster

„Was hat uns als Kantoreivorstand dazu bewogen, unser Jubiläum in dieser Form zu begehen“, fragte Arnold Berns in seinen humorvollen Grußworten. „Die Möglichkeiten, welche die Stadt Brilon und der Heimatbund Semper Idem hier im Museum aktiven Vereinen bietet, sich zu präsentieren, sind einfach großartig. Nicht nur die Räumlichkeiten und die Ausstattung bieten den idealen Rahmen, auch die fachliche Unterstützung ist einmalig.“

„Wie konnte der Kirchenchor 101 Jahre durchhalten? Der Chor war und ist ein Teil der Propsteigemeinde und wird von ihr durch den jeweiligen Präses und die Finanzierung von Aufwendungen für die Dirigentin, Notenmaterial und Probenraum unterstützt. Auch Spenden von Firmen, Privatleuten und Mitgliedsbeiträge helfen.“ Natürlich laufe auch nichts ohne das ehrenamtliche Engagement der Vorstandsmitglieder und Hilfe bei Vorbereitungen von Aktionen. „Und, was wäre der Chor ohne seine zuverlässigen Mitglieder, die Proben besuchen und sogar aus Olsberg, Velmede und Grönebach anreisen? Die Begeisterung für sakrale Musik, für die großen klassischen Komponisten, aber auch moderne Stücke verbindet uns“, betonte Berns. „Diese Musik in akustisch großartigen Kirchen, Konzerträumen und Gottesdiensten aufzuführen, motiviert uns, eine möglichst perfekte Darbietung hinzulegen. Alles ohne Elektronik, sozusagen unplugged.“

Ergreifende Melodien

Es seien nicht nur die ergreifenden Melodien der Chorwerke, „sondern vor allem religiös-christliche Inhalte, die uns selbst und die Besucher der Gottesdienste in ihren Bann ziehen. Es sind gesungene Gebete, die durch die Musik besonders innig transportiert werden.“

Lesen Sie auch: Skifahren Winterberg unter diesen Corona-Regeln

Was zusammenhalte, seien auch viele gemeinsame Erlebnisse bei Feiern und Fahrten. „Sommerfeste und alle zwei Jahre eine Tagesfahrt. In den 1980-er bis 1990-er hatten wir mit Nikolaus Schröder einen besonders reisefreudigen Dirigenten“, erinnerte Berns an Chorreisen nach Wien, Oberitalien, Paris, Rom, Schottland und Polen. Auch Städtepartnerschaften in Belgien, Frankreich und Buckow bei Berlin wurden aufgefrischt. Die Ausstellung werfe Schlaglichter auf viele Kapitel und Einzelereignisse der Chorgeschichte. „Das Chorleben weist ein erstaunliche Anzahl von Facetten auf, eingebettet in das gesellschaftliche und religiöse Leben in der Stadt Brilon und der katholischen Gemeinde“, so Berns. Eine Verpflichtung sehe der Chor auch heute noch darin, „als Kantorei den Hochfesten des Kirchenjahres einen feierlichen Rahmen zu geben. Hoffen wir, dass dies noch lange so sein kann.“

Darauf hatten sich die 30 Chormitglieder schon lange gefreut. Mit einem ereignisreichen, schönen Festtag holte die Kantorei „St. Petrus und Andreas“ an ihrem 101-jährigen Chorbestehen am 21. November die ursprünglich geplante große Feier zum Jahrhundert-Jubiläum 2020 nach. Sie fiel leider der Pandemie zum Opfer.

Die Kantorei begann diesen besonderen Tag mit einem Festgottesdienst mit Propst Dr. Reinhard Richter in der Propsteikirche, in dem sie die Gottesdienstbesucher mit großartigen Chorwerken wie „Missa in C“ (W.A. Mozart) verwöhnte. Daraus sang der Kirchenchor das Kyrie, Gloria und Sanctus. Auch das Werk „Dank sei Dir, Herr“ (G.F. Händel) wurde vorgetragen.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Altkreis Brilon

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben