Gesundheit

Kein Rückhalt – Krankenhaus-Chefin verlässt das Maria-Hilf

Blick auf das Briloner Krankenhaus:

Blick auf das Briloner Krankenhaus:

Foto: Thomas Winterberg

Brilon.   Sonja G. Drumm verlängert ihren Vertrag am Maria-Hilf in Brilon nicht. Der Bürgermeister ist von der Entscheidung „nicht wirklich überrascht“.

Das städtische Krankenhaus Maria-Hilf verliert ihre Geschäftsführerin. Sonja G. Drumm wird ihren Vertrag nicht verlängern. „Ich habe dem Bürgermeister am Montagmorgen mitgeteilt, dass ich über die Mandatierung hinaus nicht zur Verfügung stehe“, sagte Drumm der Westfalenpost. Weshalb Sonja G. Drumm trotz guter Bilanz geht, wer sich ums das Haus sorgt und wer als Nachfolger in der Geschäftsführung in Frage kommt.

Gesundheitsökonomin mit Fachwissen und Netzwerk

Damit endet das Vertragsverhältnis am 15. Mai. Möglicherweise kam die Dipl.-Gesundheitsökonomin ihrer Abberufung zuvor. Hinter den Kulissen hatte es seit längerer Zeit gegärt.

„Ich war nicht wirklich überrascht von dieser Entscheidung“, sagte auch Bürgermeister Dr. Christof Bartsch, der auch Vorsitzender des Aufsichtsrates ist, auf Nachfrage dieser Zeitung.

Haus in ruhigeres Fahrwasser geführt

Dabei ist die Bilanz, die Drumm in den vergangenen zwei Jahren vorzuweisen hat, durchaus bemerkenswert. Nach der skandalträchtigen Episode um die ehemalige Geschäftsführerin Margit Schmaus hatte sie das Haus in ruhigeres Fahrwasser geführt und viele medizinische Abteilungen weiterentwickelt. „Sie hat auf allen fachlichen Ebenen Gutes geleistet. Das Krankenhaus hat von ihrem Fachwissen und ihrem Netzwerk profitiert“, so Bartsch.

Kardiologie ausgebaut und fachlich aufgewertet

Eine Reihe an Investitionen hatte Drumm in den jetzt knapp zwei Jahren ihrer Tätigkeit in Brilon angestoßen.

Unter ihr wurde z.B. die Kardiologie ausgebaut und fachlich aufgewertet. Sie ist jetzt quasi eine Rund-um-die-Uhr-Einheit, in der Herzinfarkt-Patienten behandelt werden können. Medizinisch aufgewertet wurde auch die Gastroenterologie. Das Maria-Hilf wurde als Trauma-Zentrum rezertifiziert, die Geriatrie wurde als neue Hauptfachabteilung mit acht zusätzlichen Betten für das Krankenhaus zugelassen. Modernisiert wurde auch der Intensivbereich. weiter gab es eine Reihe von Um- und Anbaumaßnahmen.

Politisch die Rückendeckung nicht mehr erhalten

Persönlich liege ihr die Stadt und das Krankenhaus auch weiter sehr am Herzen, so Drumm: „Politisch habe ich aber die notwendige Rückendeckung nicht mehr erhalten.“ Aus ihrer Sicht seien finanzielle Verluste der vergangenen zwei Jahre dafür ausschlaggebend – für Investitionen, so die scheidende Geschäftsführerein, die notwendig gewesen seien, um das Haus zukunftssicher zu machen.

Propst Dr. Reinhard Richter sieht den erneuten Wechsel an der Spitze kritisch. „Das Hin und Her über die Jahre ist nicht gut für das Krankenhaus – auch nicht für die Mitarbeiter.“ Ein Aufsichtsrat müsse einer Geschäftsführung Vertrauen schenken können. „Vielleicht muss man auch die Frage stellen, ob die Stadt mit der Trägerschaft überfordert ist. Man bekommt den Eindruck, es fehlt an Fachwissen.“

Schreiben an Ratsmitglieder

Das medizinische Führungspersonal hatte sich zuletzt gegenüber dem Rat besorgt gezeigt, nachdem in Teilen der Politik und des Aufsichtsrats die Zustimmung zu Sonja G. Drumm zu schwinden schien. In einem Schreiben an die Ratsmitglieder, das dieser Zeitung vorliegt, drängten der Ärztliche Direktor Dr. Marc Garbrecht, der Chefarzt der Inneren und der Geriatrie Dr. Heinrich Kerkhoff sowie Pflegedirektor Thomas Pape die Politik vor wenigen Tagen zum verantwortungsbewussten Handeln im Sinne des Krankenhauses – und zu einem geordneten Übergang, sofern Sonja G. Drumm das Krankenhaus verlässt. „Gerade in der jetzigen Situation stehen Entscheidungen und Termine an, die für das Fortbestehen des Krankenhauses essenziell sind“, heißt es in dem Brief.

Möglicher Nachfolger im Gespräch

Zu einem geordneten Übergang kommt es möglicherweise immerhin. Nach Informationen der Westfalenpost könnte Rene Thiemann die Geschäfte übernehmen. In Brilon begleitet Thiemann seit Januar die Restrukturierung am Maria-Hilf als Berater. Mit dem Programm werden die wirtschaftliche Umorganisation interner Prozesse eingeleitet und neue Wege für fachliche Kooperationen ausgelotet.

Der Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Christof Bartsch wollte sich gegenüber der WP zur Nachfolge aber nicht äußern.

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