GERICHT

Keine Erinnerung an das „Dilemma“

Das Opfer konnte vor Gericht noch nicht angehört werden. Auch der Gutachter war bisher verhindet.

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Das Opfer konnte vor Gericht noch nicht angehört werden. Auch der Gutachter war bisher verhindet. Foto: imago stock&people

Brilon.   Mann wegen Vergewaltigung vor Gericht. Lebensgefährtin misshandelt und gedemütigt. Paar trotzdem wiederholt zusammen. Prozess unterbrochen.

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Der 29-Jährige hatte seine Freundin übel zugerichtet. „Das sind keine Schläge mit der flachen Hand. Das sind Faustschläge. Das sind massive Hämatome. Da ist alles geschwollen ohne Ende. Wie kann man sich nur so verhalten?“, wollte Richter Hans-Werner Schwens von dem Angeklagten wissen, als er ihm Fotos von seiner ehemaligen Freundin zeigte.

Darauf hatte der 29-Jährige keine richtige Antwort parat. Außer dem Verweis auf seinen jahrelangen Drogenkonsum: „Manchmal raste ich aus, wenn mir was suspekt vorkommt“, sagte er.

Täglicher Drogenkonsum

Mit 16 habe er mit Cannabis angefangen, sagte der Briloner. Täglich nehme er Amphetamine und kiffe er, zwischendurch kokste er immer wieder mal - „Das zieht sich bis heute hin; bis auf das Kokain.“ Der jahrelange Drogenkonsum hat Spuren hinterlassen.

Der gelernte Schlosser hatte in den vergangenen Jahren jeweils nur für ein paar Monate mal Jobs, derzeit lebt er von Hartz IV. Was ihn gestern vor das Schöffengericht brachte, spielte sich im Sommer 2014 und im Frühjahr 2015 ab. Da war er mit einer Krankenschwester zusammen, die er bei einer Drogentherapie kennengelernt hatte - „Sie kannte mein Drogenproblem“, sagte der Angeklagte.

An jenem Spätsommertag rastete der 29-Jährige schon morgens aus, bezeichnete seine Freundin als Nutte, die es mit ihren Patienten treibe. Am Abend kam es zur Eskalation. Beide waren im Auto unterwegs, als er komplett ausrastete, auf seine Freundin einprügelte und sie, so die Anklage, „bis zur Luftnot würgte“.

„An das Dilemma kann ich mich nicht mehr erinnern“

Zuhause eskalierte der Streit vollends. Der Mann kniete sich auf dem Bett auf die Frau, schlug und würgte sie und misshandelte sie sexuell, was ihm eine Anklage wegen Vergewaltigung einbrachte, auch ohne dass es zum Geschlechtsverkehr gekommen war. Was er zu dem Vorfall sagen könne, wollte der Richter wissen.

Antwort: „An das Dilemma kann ich mich nicht mehr erinnern.“ Er habe an jenem Tag komplett unter Drogen gestanden - „Kokain, Amphetamin, Schnaps.“ Nach einer kurzen Trennung fanden die Frau und der Angeklagte erneut zusammen. Ein halbes Jahr später folgte der nächste Ausraster.

Gutachter kann Termin nicht wahrnehmen

Auf einem Parkplatz in der Briloner Innenstadt wollte die Frau mit dem Angeklagten Schluss machen - dann, so die Anklage, „würgte er sie bis zur Hyperventilation“, ehe die Frau entkommen konnte. Zur Verwunderung des Gerichts sagte der 29-Jährige, dass die beiden in diesem Jahr wieder für ein paar Monate zusammen und auch intim gewesen seien.

Die Frau konnte gestern noch nicht angehört werden. Ein geladener Gutachter war kurzfristig verhindert. Die Verhandlung wird nächste Woche fortgesetzt. Bis dahin soll ein Gutachter die Schuldfähigkeit des 29-Jährigen feststellen. Richter Schwens: „Wenn die Vorwürfe zutreffen, werden Sie eventuell längere Zeit in Haft bleiben.“

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