Natur

Keine Fichten mehr im Stadtwald Marsberg dafür Mischwald

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Dort, wo Fichtenbestände von Borkenkäfer befallen waren, entsteht in Marsberg Mischwald.

Dort, wo Fichtenbestände von Borkenkäfer befallen waren, entsteht in Marsberg Mischwald.

Foto: Lars Grothe

Marsberg.  Auf 650 ha neue Freiflächen im Stadtwald Marsberg entsteht ein Mischwald aus 28 verschiedenen Sorten.

Der Stadtwald Marsberg ist nicht mehr der, der ein einmal war. Der Orkan Friederike im Januar 2018 und der anschließenden Borkenkäferbefall in den Trockenjahren seit 2018 haben der Fichte im rund 2.000 Hektar großen Stadtwald Marsberg den Garaus gemacht. Die Hauptwirtschaftsbaumart Fichte ab einem Bestandsalter von 20 Jahren gibt es dort nicht mehr. Auf den freigewordenen Flächen entsteht ein Mischwald. Bis jetzt sind 300.000 kleine Bäumchen aus 28 verschiedenen Arten gepflanzt worden. Diesen Herbst kommen weitere 120.000 hinzu. Für die Wiederaufforstung hat die Stadt Marsberg in diesem und für nächstes Jahr insgesamt 544.000 Euro bereitgestellt. Fördermittel von 500.000 Euro sind akquiriert.

Stadtförster Lars Grothe und Nikolas Osburg, Leiter des Gemeindeforstamtes Willebadessen stellten in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses den Forstwirtschaftsplan 2022 der Stadt Marsberg vor. Wie der Leiter des Gemeindeforstamtes sagte, habe auch der vergleichsweise hohe Niederschlag im Sommer 2021 den Borkenkäferplage kein Einhalt gebieten können.

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Zerstörte Fichtenbestände

Inzwischen sind die zerstörten Fichtenbestände aufgearbeitet worden bzw. stehen kurz vor dem Abschluss. Das Holz fehlt in Zukunft im sogenannten Hiebsatz. Deshalb wird die Forsteinrichtung im nächsten Jahr überarbeitet und so der aktuelle Hiebsatz für die kommenden zehn Jahre ermittelt.

Im Forstwirtschaftsplan für 2022 spiegelt sich die Entwicklung wider. Den prognostizierten Gesamteinnahmen von 346.500 Euro stehen. Ausgaben in Höhe von 910.720 Euro entgegen. Es wird mit einem Verlust in Höhe von 564.000 Euro gerechnet.

Für 2022 schlagen die Förster einen Einschlag von rund 8.250 Festmeter (fm) vor. Das entspricht einem Hiebsatz von 4,12 fm/ha in Laubholzbeständen und den restlichen Fichtenbeständen. Dabei handelt es sich um reguläre Pflege der Bestände, restliche Schadholzaufarbeitung und Holzernte bei Verkehrssicherungsmaßnahmen. Vor 2018 lag der Einschlag über Jahre immer bei 13.000 Festmetern.

Bauholzversorgung der nächsten Jahrzehnte aus den heimischen Wäldern

Insgesamt wurden seit dem Sturm Friederike 86.000 Festmeter Kalamitätsholz eingeschlagen und über das Gemeindeforstamt Willebadessen vermarktet. Laut Osburg wird diese Menge voraussichtlich um weitere 15 bis 20.000 Festmeter bis zum Jahresende ansteigen.

Erfreulich ist für Waldbesitzer zum aktuellen Zeitpunkt der gestiegene Holzpreis in der Fichte. Nikolas Osburg: „Trotz des starken Käferholzaufkommen ist es zu einer Rohstoffknappheit auf dem Schnittholzmarkt gekommen.“ Auch wenn Fachleute wüssten, dass dieses zurzeit durch verschiedene globale Ursachen bedingt sei, wie zum Beispiel dem Handelsstreit zwischen den USA und Kanada, so sei diese Holzknappheit voraussichtlich nur ein Vorgeschmack auf die Entwicklung der Bauholzversorgung der nächsten Jahrzehnte aus den heimischen Wäldern.

Bei den aktuellen Rundholzpreisen in der Käferfichte teile sich der Markt aktuell in altes Käferholz (vor 2021 abgestorben) und frisches Käferholz mit teilweise tagesaktuellen Preisschwankungen. Altes Käferholz werde weiterhin exportiert. Osburg: „Der Grund dafür sind nicht die höheren Preise, sondern die geringeren Qualitätsanforderungen, die die heimische Sägewerkindustrie in der Regel nicht tolerieren.“ Sorgen würde den Waldbesitzern auch die fortschreitenden Trockenschäden bei der Buche bereiten. Das entwerte das Holz innerhalb weniger Monate.

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Wiederbewaldung

In der Wiederbewaldung spielt die Verfügbarkeit von Pflanzmaterial, Saatgut und Arbeitskräften eine zentrale Rolle. Osburg spricht von einer sehr angespannten Lage, da die Saatguternten in den Trockenjahren insbesondere im Laubholz nicht sehr gut waren. Bisher hätte jedoch im Vergleich zu anderen Forstämtern, das Gemeindeforstamt durch langjährige Geschäftsbeziehungen und einem verhältnismäßig großen Einkaufsvolumen den gesamten Bedarf für seine Waldbesitzer zu guten Preiskonditionen decken können. Auch wenn die Pflanzenpreise aktuell durch die hohe Nachfrage signifikant steigen würde.

Im Stadtwald Marsberg sind schätzungsweise 650 Hektar Freiflächen aufgrund der Kalamität entstanden. Hiervon sind 200 ha wieder aufgeforstet worden. Im nächsten Jahr sollen 100 ha neu angepflanzt werden, was den enormen Finanzmittelaufwand erklärt. In den nächsten Jahren werden noch ca. 150 ha neu angepflanzt. Schon zu sehen sei, dass sich auf einem Anteil von ca. 150 ha natürliche Verjüngung einstellt. Bei der Wiederaufforstung setzt die Forstverwaltung auf klimastabile Mischbestände aus verschiedensten Laub- und Nadelholzbaumarten.

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