Einkaufsserie

Keine Fußgängerzone – Lohnt das Einkaufen in der Kleinstadt?

Das Straßenmalerfest in Medebach. Mit dieser Veranstaltung werden jedes Jahr tausende Besucher in die Stadt gelockt.

Das Straßenmalerfest in Medebach. Mit dieser Veranstaltung werden jedes Jahr tausende Besucher in die Stadt gelockt.

Foto: Kerstin Neumann-Schnurbus

Hallenberg/Medebach  Keine großen Geschäfte, keine Drogerie. In Medebach und Hallenberg wird vor allem die Grundversorgung sichergestellt. Wie sind ihre Konzepte?

. Im letzten Teil unserer Einkaufsserie richten wir den Blick nach Medebach und Hallenberg – zwei Städte ohne klassische Einkaufsstraße. Aber auch dort finden Bürger Angebote. Was macht das Angebot von Kleinstädten aus? Wie ist ihre Strategie? Schließlich bring der Center Parcs jedes Jahr 3500 Feriengäste nach Medebach

„Einkaufen in einer kleinen Stadt“ lautet der letzte Teil unserer Einkaufsserie. Und damit geht der Focus nach Hallenberg und Medebach. Weder die Nuhnestadt mit ihren 4500 Einwohnern noch die Hansestadt mit 8500 Bewohnern kann es mit der Einkaufsmeile einer Großstadt aufnehmen. Es gibt keine Fußgängerzone, nur Fußgängerampeln. Aber dafür kann man fast alle Geschäfte direkt mit dem Auto ansteuern, vor deren Haustür parken und – man kennt sich.

Abstimmung mit den Füßen

„Hallenberg hat alles, was es braucht, um die Grundversorgung des Alltags sicherzustellen“, sagt Bürgermeister Michael Kronauge. Mit dem neuen Netto und dem schon länger ansässigen Rewe seien zwei Vollsortimenter am Ort, außerdem gebe es z.B. Bäckereien und Metzgereien, Apotheke oder auch Buch- und Blumenladen.

Einfach zu klein für einen Drogeriemarkt

„Seit Jahren arbeiten wir daran, einen Drogeriemarkt hier hin zu holen. Aber wir sind einfach zu klein. Die Rossmänner und DMs sagen uns ganz klar, dass sich das unter 10.000 Einwohnern nicht lohnt.“ Im November 2016 wurde in Medebach an der Vopeliusstraße ein neues Einkaufszentrum eröffnet - mit Drogeriemarkt, der inzwischen schon wieder geschlossen hat.“ Im Rahmen seiner Neuausrichtung machte vor geraumer Zeit auch der Aldi in Hallenberg zu. „Mittlerweile bereut die Firma diesen Beschluss; aber ob das noch mal rückgängig zu machen ist?“, fragt sich Kronauge

„Oft stimmen die Menschen mit den Füßen ab. Wenn jedes Fernsehen, das in Hallenberg läuft, beim heimischen Fachhändler gekauft worden wäre, hätte er vermutlich eine große Ausstellungshalle bauen müssen. Aber der Online-Handel und die Discounter-Schnäppchen sind nicht mehr wegzudiskutieren“, argumentiert der Bürgermeister.

Center Parcs stärkt auch den Handel in Medebach

Auch Hallenberg hatte früher durchaus noch einige inhabergeführte Fachgeschäfte mehr und es gab sogar einen Weihnachtsmarkt. „Aber ob Geschenke- oder Gardinenfachgeschäft – die meisten können davon nicht mehr leben und machen nach und nach zu. Der Trend zeigt sich doch auch schon in Korbach und Frankenberg“, so Kronauge.

Es sei blauäugig zu glauben, dass ein großes Textilwarenhaus den Weg in die Nuhnestadt finden könnte. „Dazu sind wir einfach zu klein.“ Auch für verkaufsoffene Sonntage sei in Hallenberg die Nachfrage zu gering. „Im Rahmen der Kurorteregelung könnten wir davon durchaus Gebrauch machen, aber das lohnt sich nicht.“

Wo schlichtweg die Nachfrage fehlt

Auch in Medebach lautet das Credo: Die Einkaufs-Struktur in Medebach soll eine gute Grundversorgung sicherstellen: „Gerade im Lebensmittel-Bereich und auch wenn es um Fachgeschäfte beispielsweise rund um Uhren, Textilien oder Schuhe geht“, sagt Michael Hiemer, Mitarbeiter in der Wirtschaftsförderung. Für spezifischere und große Fachhandel – zum Beispiel im Sportbereich – fehle schlichtweg die Nachfrage. Den Einzelhandel und die Grundversorgung zu erhalten, stehe daher an erster Stelle.

Mischung: eigene Bürger und umliegende Ortsteile

Dass dieser Ansatz für Medebach funktioniert, zeigt auch die Kundschaft: „Wir beobachten eine Mischung aus der eigenen Bürgerschaft und den umliegenden Ortsteilen. Aber auch Kunden aus der hessischen Nachbarschaft kommen zu uns. Zum Beispiel aus Lichtenfels-Münden oder Korbach-Hillerhausen“, sagt Hiemer. Der Center Parcs mit bis zu 3500 Gästen trägt außerdem zur Auslastung des Einzelhandels bei. „Auch die Händler melden zurück, dass der Ferienpark sich in der Kernstadt bemerkbar macht.“

Aktionen wie das Straßenmalerfest, der Weihnachtsmarkt, Medebach blüht auf oder der Medebach-Gutschein sollen zusätzlich Kaufkraft binden. „Auch die Gewerbeschau am Samstag und Sonntag, 18. und 19. Mai, ist ein weiterer Baustein, um den Einzelhandel einzubeziehen“, betont Michael Hiemer. Zum Rahmenprogramm zählt so zum Beispiel auch eine Modenschau.

Vergleich mit anderen Orten

„Für eine Stadt mit 8500 Einwohnern haben wir eine recht gute Einkaufs-Struktur“, sagt Hiemer, der selbst seit vielen Jahren in Medebach lebt. „In Sachen Lebensmittelmärkte sind wir sehr gut bedient und auch sonst gibt es Anlaufstellen rund um Textilien, Schuhe, Uhren, Schmuck bis hin zu Möbeln.“ Als Bürger sei er mit den Einkaufsmöglichkeiten auf keinen Fall unzufrieden – „Da gibt es andere Orte dieser Größenordnung, die wesentlich schlechter bedient sind.“

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