Jugendamt

Kindeswohlgefährdung ist auch im HSK kein Einzelfall

Auch der HSK ist in puncto intakte Familien kein Hort der Glückseligkeit mehr.

Auch der HSK ist in puncto intakte Familien kein Hort der Glückseligkeit mehr.

Foto: Patrick Pleul/dpa

Hochsauerland.  Nach dem Gerichtsurteil gegen eine Sozialarbeiterin des HSK hat das Jugendamt im Kreisausschuss Einblicke in seine Arbeit gegeben.

Das Urteil gegen eine Mitarbeiterin des Kreisjugendamtes hat bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt. Auch die Bundesgemeinschaft Allgemeiner Sozialer Dienst kommentiert das Thema in ihrem aktuellen Monats-Report. Sie konstatiert, dass die Reihe der Strafverfahren gegen Sozialarbeiter offenbar nicht abreißt. Und sie kritisiert, dass dabei fachliche Erwägungen zulasten der Schuldfrage weitgehend unberücksichtigt bleiben. Donnerstagabend hat sich der Kreisjugendhilfeausschuss erneut mit der Arbeit des Jugendamtes beschäftigt: Fachbereichsleiter Martin Stolte: „Es stellt sich die Frage: Will man ein kontrollierendes oder ein unterstützendes Jugendamt?“

Berufung eingelegt

Anlass für das Thema im Ausschuss: Das Amtsgericht Medebach hatte im Mai eine 29-jährige Sozialarbeiterin des HSK u.a. zu sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Grund: fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung durch Unterlassen. Der Frau wurde damit eine Mitschuld am Tod bzw. am Leiden zweier Kinder gegeben (wir berichteten). Nach Ansicht des Gerichtes hatte die Mitarbeiterin eine Familie nicht ausreichend kontrolliert. Staatsanwaltschaft und Angeklagte haben mittlerweile Berufung gegen das Urteil eingelegt.

Kein Hort der Glückseligkeit

Dass der Hochsauerlandkreis in puncto intakte Familienstrukturen längst kein Hort der Glückseligkeit mehr ist, machten zwei Jugendamtsmitarbeiterinnen an drei Fallbeispielen deutlich. Fälle, die auch durchaus zeigen, in welchem Dilemma die Sozialarbeiter mitunter stecken können. Es ging dabei um eine drogenabhängige Mutter, die der Prostitution nachgeht. Um eine Mutter, der eine Psychologin geistige Behinderung und Erziehungsunfähigkeit attestiert hat und immer um Mütter, die sich vor dem Familiengericht einsichtig zeigen, dann aber in den meisten Fällen jegliche Hilfe ausschlagen.

Besonders erschreckend ist der Fall eines fünf Wochen alten Kindes, das mit einem 10 mal 15 Zentimeter großen Hämatom im Anogenitalbereich ins Krankenhaus kommt. Beide Eltern streiten tätliche Übergriffe ab; die Staatsanwaltschaft kann keinen Täter ermitteln, das Verfahren wird trotz Protesten des Jugendamtes eingestellt. Das Kind ist zum Glück genesen und nach wie vor bei der Mutter. Unterstützende Hilfen gibt es keine mehr.

Kritik an Familiengerichten

In den Schilderungen des Jugendamtes schimmerte immer wieder latente Kritik an den Familiengerichten durch. Jugendamtsleiter Bernhard Wagner spricht von einer hohen Fluktuation und von vielen jungen Richtern. Martin Stolte möchte jedoch keine Gerichtsschelte betreiben. „Wir möchten dem Ausschuss nur deutlich machen, dass es Fälle gibt, die eine besondere Herausforderung darstellen. Das sind komplexe Sachverhalte, die wir nur alle gemeinsam lösen können. Und wenn Sie der Ansicht sind, dass die Dienstanweisungen anders aussehen sollten, dann sagen Sie es.“

Ausschussmitglied Schwalm (Linke) machte noch einmal deutlich, wie wenig aussagekräftig eine fixe Fallpauschale für Sozialarbeiter in Anbetracht solcher Extremfälle sei. Ausschussvorsitzender Diekmann (CDU): „Wir können nur die Rahmenbedingungen schaffen. Wir haben einiges verbessert und hoffen, damit Erfolg zu haben.“

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