Musik

Kirchenorgel in Liesen: Frischer Wind in alten Pfeifen

Sie hat über 250 Jahre auf dem Buckel, die Kirchenorgel in Liesen. Jetzt klingt sie wieder ganz frisch, nachdem Orgelbaumeister Christoph Böttner sie sorgfältig überarbeitet hat.

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Liesen.  Die Kirchenorgel in Liesen stammt aus dem Jahr 1760. Jetzt hat ein Orgelbaumeister das Instrument wieder auf Vordermann gebracht.

Bei unzähligen Christmetten hat sie aus ganzer Seele frohlockt. Aber sie hat auch viele Lieser Bürger leise mit Moll-Klang zu Grabe geleitet. Wenn sie könnten, würde jede der 590 Holz- und Metallpfeifen Geschichten aus frohen und traurigen Tagen erzählen. Doch Erzählen ist nicht ihr Ding. Sie haben sich aufs Klingen spezialisiert. Verteilt auf acht Manual- und zwei Pedalregister ergeben sie im Ensemble das klangliche Herz der fast 260 Jahre alten Orgel in der Lieser St.-Thomas-Kirche. Jetzt wurde die Königin der Instrumente gründlich überarbeitet.

Zweites Manual wünschenswert

„Der Ventilator machte Lärm, die Lager des Motors waren ausgeschlagen, die Traktur war schwergängig. Die Stimmung ließ zu wünschen übrig, das Trompeten-Register ist schwer zu regieren und ein zweiter Spieltisch wäre nach wie vor wünschenswert“, sagt Organist Franz-Josef Oberliesen. Und mit dieser Mängelliste im Hinterkopf hatte sich die 550-köpfige katholische Kirchengemeinde bereits gedanklich mit einer neuen Orgel angefreundet. „Es gibt mittlerweile ein großes Angebot an gebrauchten Instrumenten und wir waren eigentlich auch schon fündig geworden“, erklären Andreas Althaus und Heinz-Willi Brocke vom Kirchenvorstand. Doch Sachverständige und Denkmalschützer erklärten die Orgel für erhaltenswert, so dass ein Neukauf vom Tisch war. Stattdessen wurden die Restaurierungs- und Renovierungsarbeiten unter Fachfirmen ausgeschrieben.

Historische Substanz

Den Zuschlag bekam der Frankenberger Orgelbaumeister Christoph Böttner. „Die Orgel ist historisch und wurde um 1760 von dem bedeutenden Orgelbauer Franz Ignaz Seuffert gebaut. Man kann ihn durchaus in einem Atemzug mit bedeutenden Meistern wie Arp Schnitger oder Gottfried Silbermann nennen. Die Grundsubstanz ist noch sehr gut, sie ist solide gebaut, es handelt sich um ein in sich sehr stimmiges Instrument“, erklärt der Fachmann.

Er habe den Motor ausgetauscht, den Blasebalg erneuert, die Orgel gereinigt und nachintoniert. „Im Pedal mussten einige Zinkpfeifen ersetzt werden. Wenn man sie regelmäßig pflegt und wartet, kann sie noch lange ihren Dienst tun“, sagt Böttner. Außerdem erhielt das Prospekt (das ist die äußere Ansicht einer Orgel) einige neue Schleierbretter, so dass die Orgel auch optisch harmonischer wirkt.

Ein lebendiges Instrument

Während der Reparaturarbeiten konnte die Orgel mit eingeschränkten Klangmöglichkeiten weiter genutzt werden.

Eine Orgel ist aber nicht nur aufgrund ihres Klangs ein lebendiges Instrument. Auch die Lieser Orgel hat in ihrem Leben schon einiges mitgemacht. Heute sind noch wesentliche Teile des Gehäuses sowie die Register Quintade 8´, Flöte 4´ und Quinte 2/3´ aus dem Originalbau von 1760 vorhanden. Der Lübecker Baumeister Emanuel Kemper nahm später einige Umbauten vor, ersetzte bzw. ergänzte einige Register und führte das Instrument 1962 in das neue Gotteshaus um, da die Kirche im Ort zu klein geworden war. In den 1990er Jahren gab der Paderborner Orgelbauer Siegfried Sauer der Orgel einen neuen Spieltisch in Eichenfurnier und eine neue Traktur aus Aluminium.

Motor jetzt ein Oldtimer

Rund 40.000 Euro waren ursprünglich für die Bauarbeiten eingeplant. Doch die Endabrechnung wird um einiges günstiger ausfallen. Paderborn gibt rund 15.000 Euro dazu. „Eine nagelneue Orgel wäre für eine Gemeinde in unserer Größenordnung nicht finanzierbar gewesen. Ich weiß auch nicht, ob wir das durch Spenden zusammenbekommen hätten“, ist Heinz-Willi Brocke froh über die Lösung.

Der alte Orgelmotor hat übrigens ein neues Obdach gefunden. Er kann bei den Oldtimerfreunden in Hallenberg bewundert werden. Er hat sein Leben lang viel Wind gemacht und darf jetzt im Ruhestand endlich einmal durchatmen.

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