Justiz

„Klassische Bewährungsversagerin“ erhält doch noch Chance

Foto: Oliver Müller

Brilon.   Sie kaufte und kaufte, obwohl sie wusste, dass sie die Waren nicht bezahlen konnte. Jetzt stand sie wieder in Brilon wegen Betrugs vor Gericht.

Nein, das war wirklich „keine super Aktion“, wie die aparte Angeklagte gestern am Amtsgericht in ihrem Schlusswort selbst einräumte. Bei einem Online-Handel hatte die 49-Jährige Wohn-Accessoires im derzeit so angesagten Shabby-Chic-Stil geordert. Nostalgische Türschilder zum Beispiel, einen Schlüsselhalter aus Gusseisen und anderes Deko-Zeug im sogenannten Vintage-Look. Gesamtwert der beiden Bestellungen: knapp 600 Euro. In einem Fall hatte die Angeklagte sogar einen falschen Namen angegeben.

Über Geld, um die Rechnung zu bezahlen, verfügte die Frau aber gar nicht, wie die Offenlegung ihre Einkommensverhältnisse zeigte. Und außerdem: Sie stand bei der zweiten Bestellung noch unter Bewährung.

Mitte der 90-er Jahre fing alles an

Denn bereits acht Vorstrafen wegen versuchten und vollendeten Betrugs hatte sich die Frau seit Mitte der 90er Jahre vor verschiedenen Amtsgerichten eingehandelt. Selbst Geldstrafen von 90 und 100 Tagessätzen - das entspricht Hafttagen - und auch zwei Freiheitsstrafen brachten sie nicht zur Einsicht.

„Sie sind eine klassische Bewährungsversagerin“, sagte Staatsanwalt Elmar Balkenhol. Weil die Angeklagte aber seit ihrem letzten Auffliegen vor gut anderthalb Jahren sich nichts mehr hatte zuschulden kommen lassen, wollte er ihr „noch einmal“ eine günstige Sozialprognose ausstellen und für die von ihm beantragte achtmonatige Haftstrafe drei Jahre Bewährung einräumen.

Trotz allem: günstige Sozialprognose

Zudem soll die Frau die noch ausstehenden Rechnungen - ein Teil der gelieferten Ware war bei einer Hausdurchsuchung sichergestellt worden - in 30-Euro-Raten abstottern. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Felix Füchtmeier, sah sechs Monate als ausreichend für die beiden Taten an.

„Der Fall liegt genau auf der Grenze“, sagte Richter Dietmar Härtel. Doch auch er rang sich noch einmal für eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung aus, setzte diese aber ausdrücklich lang, nämlich auf vier Jahre, an. Und er sprach der Frau ins Gewissen: „Selbst kleinste Straftaten“ können künftig zum Verfall der Bewährung führen.

Das Urteil ist rechtskräftig.

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