Kyrill

Kleine Waldbauern fürchten den Käfer und den Preisverfall

Eine typische, private Kyrillfläche während der Aufarbeitung: Nahezu punktuell hat es nur diese Fläche erwischt, das Gelände nebenan bleibt verschont.

Eine typische, private Kyrillfläche während der Aufarbeitung: Nahezu punktuell hat es nur diese Fläche erwischt, das Gelände nebenan bleibt verschont.

Foto: Thomas Winterberg

Winterberg/Medebach.  Nicht nur die großen, auch die kleinen Waldbauern in den Forstbetriebsgemeinschaften wurden vom Orkan „Kyrill“ eiskalt erwischt.

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Er hat alle kalt erwischt – der Orkan Kyrill. Manche Besitzer großer Waldflächen hat er an den Rand des Ruins geführt. Aber auch die vielen Eigentümer kleiner Flächen, die in Forstbetriebsgemeinschaften oder sogenannten Markenverbänden organisiert sind, haben vor zehn Jahren am Tag danach vor einem hölzernen Scherbenhaufen gestanden.

Manche Flächen waren komplett verwüstet, manche waren unbeschadet

„Manche Flächen waren komplett verwüstet und nur fünf Meter nebenan war gar nichts. Das war schon schlimm. Man war erstmal kopflos. Und einige haben schnell oder auch vorschnell reagiert, weil sie Angst vor dem Käfer und vor fallenden Holzpreisen hatten“, sagt Franz-Josef Schröder, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Orke in Medebach. 150 Mitglieder bringen dort rund 970 Hektar Waldfläche ein. „Zurückblickend ist aber alles ganz gut gelaufen“, sagt er.

Die Sorge der Waldbesitzer war nicht unbegründet: Das Holz war vor Kyrill auf einem hohen Niveau, die Nachfrage war groß. Und dann kam so ein Sturm und fegte jede Menge Festmeter auf den Markt und mischte ihn auf. Aber man habe trotzdem noch einen akzeptablen Preis erzielen können und sei von den Sägewerkern und Käufern fair behandelt worden, betont Schröder. Auch die Nasslagerplätze hätten geholfen, eine Holzschwemme zu verhindern.

Orkan hat Strukturen der Wälder verändert

Der Orkan hat aber die heutige Struktur der Wälder durchaus verändert. „Vorher hatten wir auf den Flächen mehr Fichte; jetzt haben wir 46 Prozent Laubholz und den Rest mit Douglasie, Lärche und Fichte bepflanzt“, sagt Schröder. Ob die Sortenmischung wirklich vor einem zweiten Kyrill schützt? „Das kann niemand wissen. Früher gab es auch schon Stürme. Wir hatten mal ein Jahr, bei dem uns im Sommer die voll-belaubten Buchen rübergingen. Das konnte auch niemand ahnen.“

Immer weniger Eigenleistungen im Wald

Für die Forstbetriebsgemeinschaften hat sich durch Kyrill im Wesentlichen nichts geändert. Nach wie vor zahlt jedes Mitglied pro Hektar einen Grundbetrag und dann hängt es davon ab, welche Leistungen man an das Forstamt bzw. einen Unternehmer abtritt oder selbst erbringt. Die Sache mit den Eigenleistungen wird immer weniger: „Wir haben inzwischen viele Mitglieder, die gar nicht mehr hier leben“, sagt Schröder. Wer z.B. Flächen geerbt hat und jetzt in der Großstadt wohnt, kommt nicht mehr zu einer FBG-Versammlung und geht auch nicht mehr selbst mit der Säge in den Wald. Auch unter den FBG-Mitgliedern vor Ort lässt sie Zahl derer, die „noch selber machen“, nach. Altersbedingt. Man lässt machen.

Keinen Naturpark gestalten, sondern ein Wirtschaftsbetrieb sein

Diese Erfahrung hat auch Johannes Dollberg, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Züschen/Höhendörfer und Geschäftsführer des Markenverbandes Winterberg, gemacht. 270 Mitglieder und 800 Hektar Wald stehen hinter der FBG, 1760 Hektar Fläche und 160 Anteilseigener gehören zum Markenverband. Kyrill beeinträchtige die Forstwirtschaft heute nicht mehr. Man habe im Bereich der FBG viel eingepflanzt und bei den Marken Naturverjüngung betrieben. Dort, wo es aufgrund der Lage sinnvoll gewesen sei, habe man Buchen, ansonsten aber nach wie vor Fichte neu angepflanzt. Dollberg: „Wir können hier keinen Naturpark gestalten, wir sind als Markenverband ein Wirtschaftsbetrieb. Die Buche ist schlecht am Preis und hat eine viel längere Umtriebszeit.“

Holz wurde zügig abgefahren

Klaus Schmidt aus Niedersfeld von der FBG Ruhrkopf (200 Mitglieder, 1000 Hektar Fläche) ist der Ansicht, dass rückblickend alles ganz gut gelaufen sei. „Mit Hilfe der Förster wurden schnell Unternehmen angeworben, so dass das Holz dank koordinierter Abfuhren auch zügig auf den Markt kam.“ Viele Sitzungen habe es damals gegeben, man sei oft unterwegs gewesen und inzwischen auch alles wieder aufgearbeitet. „Man kann nicht pauschal sagen, was jetzt auf den Flächen wächst. Es wird viel Fichte sein. Ich persönlich habe schon immer Spaß an Laubwäldern gehabt, habe aber auch Douglasien oder Küstentannen gepflanzt.“ Darüber kann der jeweilige Eigentümer letztlich auch frei bestimmen. Die Mitgliedschaft in der FBG bringt Vorteile. Schmidt: „Allein wenn jeder einzeln die Waldbrandversicherung zahlen müsste, wäre das ein Vielfaches vom jetzigen Beitrag.“ Eine Kyrill-Versicherung gibt es leider noch nicht...

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