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Kommunistisches Känguru singt im Briloner Kolpinghaus

Das Landestheater Burghofbühne Dinslaken begeisterte das Publikum im Kolpinghaus.

Foto: Ramón Reineke

Das Landestheater Burghofbühne Dinslaken begeisterte das Publikum im Kolpinghaus. Foto: Ramón Reineke

Brilon.  Marc-Uwe Klings kommunistisches Kängeru begeistert mehr als 350 Besucher. Das Landestheaters Burghofbühne Dinslaken gastierte in Brilon.

Mehr als 350 Besucher sind um 20 Uhr ins Kolpinghaus gekommen, um sich das Theaterstück des Landestheaters Burghofbühne Dinslaken zu den Känguru Chroniken anzusehen. Inhaltlich befasst sich das Stück mit den ersten zwei Känguru-Büchern von Marc-Uwe Kling, in denen es um sein Leben als Kleinkünstler mit einem kommunistischen Känguru als Freund und Mitbewohner geht. Das Stück des Landestheaters greift einige wichtige und besonders gute Szenen der Bücher auf und verpackt diese in knapp zwei Stunden Programm.

Wunsch nach einem Hobby

Zu Beginn singt Patric Welzbacher, der den Kleinkünstler Kling spielt, ein sehr ruhiges Lied über Hobbys. Er singt über seine Langeweile und verleiht so seinem Wunsch nach einem Hobby Ausdruck. Mitten im Lied schallt ein lauter Newsflash durch den Saal und die Schauspieler erstarren. Im Newsflash verbreitet eine aus den Büchern bekannte Institution namens GIFMC ihre Propaganda. Diese Newsflashes ziehen sich, ähnlich wie im Buch, durch das gesamte Theaterstück. Danach fängt der Kleinkünstler an, von seinem letzten Auftritt zu erzählen und wird seiner Rolle dabei mehr als gerecht.

Und auch das Känguru, gespielt von Julia Sylvester, erzählt gleich von seiner „Not-To-Do-Liste“, einer Liste voll mit Dingen, die es nicht mehr machen möchte. Auf der Liste steht zum Beispiel: „Etwas kaufen, weil es ‚Aloe Vera‘ enthält.“

Dann stellt der Kleinkünstler seine Idee vor, ein Theaterstück zu schreiben, und der Musiker Jan Exner fängt gleich an, zu soufflieren. Känguru und Kleinkünstler beginnen ihre erste Begegnung nachzuspielen, bei der das Känguru bei Kling klingelte, um sich Zutaten und Kochutensilien für Eierkuchen zu borgen.

Lieder über Jobs und Aufgaben

In der nächsten Szene sitzen die beiden auf der Couch und unterhalten sich über ihr Leben und die erste LP von Kling. Nun folgt wieder Gesang. Diesmal über Jobs und Aufgaben. Der Kleinkünstler ist sich sicher: Es ist ihm egal was er macht, er möchte nur nichts mit Menschen machen.

Es folgt die Einführung eines neuen Charakters: Herta, gespielt von Darsteller Markus Henne. Herta gehört die Stammkneipe von Marc-Uwe Kling und dem Känguru. Bevor sie sich versieht, wird sie in das Szenenspiel der beiden einbezogen und spielt die Rolle einer depressiven Sachbearbeiterin vom Jobcenter. Grandios spielt Henne nicht nur diese Rolle, denn es sollte nicht seine einzige sein an diesem Abend. Nach einem weiteren Song über das Leben spielen die drei eine bekannte Szene aus dem Buch, in der das Känguru einen Hardcore-Fußball-Deutschlandfan auf die Probe stellt. Es möchte wissen, wie patriotisch er ist – wie sich herausstellt, ist er sehr patriotisch. Kurz vor der Pause besucht der Kleinkünstler noch seinen Psychodoc, der genau wie der patriotische Fan auch von Henne gespielt wird.

Falsche Zitate

Nach der Pause folgt ein Song über Lügen und ein Gerät, das fruchtfleischfreien Saft verspricht, aber nicht produziert: „Die Lügenpresse“. Das Känguru und der Kleinkünstler unterhalten sich mit einem Nazi, machen sich über ihn lustig und schlagen ihn in einer politischen Auseinandersetzung, bevor die Beiden sich sehr amüsant mit den teils blutigen Methoden von Banken auseinandersetzen. Auch eine weitere Spezialität des Kängurus wird im Theaterstück wirklich gut umgesetzt. Falsch zugeordnete Zitate zum Beispiel ein Klassiker aus dem Buch: „Liebe deinen nächsten wie dich selbst“ – Kurt Cobain.

Das Stück hat das gleiche Ende wie das zweite Buch „Das Känguru-Manifest“ von Marc-Uwe Kling. Das Ministerium für Produktivität hat die Macht übernommen und nimmt sich dessen an, die Produktivität bestmöglich zu steigern – egal mit welchen Mitteln.

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