Kyrill

Konzertstück Kyrill wird immer noch weltweit gespielt

Kyrill-Konzert in Halle 53 bei Egger in Brilon. Ende März 2009 wird das Stück hier uraufgeführt.

Kyrill-Konzert in Halle 53 bei Egger in Brilon. Ende März 2009 wird das Stück hier uraufgeführt.

Foto: Sonja Funke

Brilon.  Der Komponist Otto M. Schwarz hat dem Orkan „Kyrill“ musikalisch ein Denkmal gesetzt. Auch heute noch wird das Stück in 80 Ländern gespielt.

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Eigentlich ist „Kyrill“ ein griechischer Männer-Vorname. Und übersetzt steht er für „der Herrliche“ und für „Legende“. Was aber da unter gleichem Namen vor zehn Jahren über das Sauerland fegte, war alles andere als herrlich und leider sehr real. Seitdem ist der Name untrennbar mit Orkan, Zerstörung, Urgewalt und menschlicher Hilflosigkeit gegenüber den Naturkräften verbunden. Aber „Kyrill“ hat auch ein kulturelles Mosaiksteinchen hinterlassen.

Otto M. Schwarz hat dem Orkan ganz neue Klänge verliehen

Der österreichische Komponist Otto M. Schwarz schrieb damals im Auftrag des HSK-Volksmusikerbundes ein bombastisches Stück, das am 28. März ‘09 in Brilon uraufgeführt wurde. „Kyrill“ hat sich gelegt, die gleichnamige Komposition hingegen wird weltweit immer noch gespielt.

Takt 61: Ruhe herrscht im Sauerland. Die Schönheit von Hügeln und Wäldern.

„Ich kann es nicht genau sagen. Aber zwischen 500 und 1000 Mal ist es aufgeführt worden. Und das – wie alle meine Kompositionen – in 80 Ländern dieser Welt. Zuletzt stand es am 4. Dezember in der Schweiz auf einem Konzertplan. Und in Österreich war es lange Zeit Pflichtstück bei Wertungsspielen“, sagt Otto M. Schwarz. Ihn zu erreichen, ist schwieriger als ein Frühstück mit dem Papst zu organisieren. Allein bei facebook hat er so viele Freunde, dass man nicht mehr dazwischen kommt. So gefragt ist der Künstler (Jahrgang 1967), der Musik für Filme, Werbung und Erkennungsmelodien für Fernsehshows von ARD, ZDF, ORF und RTL komponiert. Er arbeitet mit Regisseuren wie Josef Vilsmaier zusammen und produziert Musiken für Fernsehreihen wie „Alpenklinik“, „Die Landärztin“ oder „Polizeiruf 110“.

Takt 117: Der Sturm ist da. Man hört Zweige brechen und den Wind pfeifen.

„Damals war ich zu einem Workshop in Bad Fredeburg. Klar, ich kenne die Gegend, auch das Sauerländer Bier. Der damalige Kreisdirigent Ernst-Willi Schulte holte mich am Flughafen Münster ab. Das war unmittelbar nach Kyrill. Er hatte die Idee, das Jahrhundertereignis Sturm zum Anlass für eine Komposition zu nehmen“, erzählt Otto M. Schwarz. Noch gut erinnert sich der Österreicher an die Fahrt durchs Sauerland und an das Bild der Verwüstung. „Ich habe recherchiert, wie der Orkan entstanden ist, woher er kam und wie die Leute sich darauf vorbereitet haben. Naturkatastrophen im Allgemeinen haben viele Parallelen. Sie haben einen Anfang, einen Höhepunkt ein Ende. Das kann man auch sehr gut in der Partitur lesen. Dort gibt es eine detaillierte Werkbeschreibung mit Hinweisen wie ,Die Gefahr nähert sich’ oder ,Die Menschen fassen wieder Mut’.“

Uraufführung vor 500 Besuchern bei Egger

Ernst-Willi Schulte, heute stellvertretender Kreisdirigent des HSK-Volksmusikerbunds, hat das Orchester damals bei der Uraufführung geleitet. Er kann sich noch gut daran erinnern, als er die Noten der fertigen Komposition erstmals in Händen hielt: „Das war Anfang 2009 und ich habe gesagt: Otto, hast Du noch alle Tassen im Schrank? Das kann doch kein Mensch spielen.“ Es sei ein ausgesprochen rhythmisch-betontes Stück mit vielen Taktwechseln.

Sauerländer Musiker spielen Uraufführung

Das Projektorchester, das die Komposition aufführte, bestand zum Großteil aus Sauerländer Musikern, die sich von gemeinsamen Workshops kannten. „Ich habe die Noten verteilt, wir hatten vier oder fünf Proben und dann das Konzert bei Egger in Brilon“, berichtet Schulte. Manche Instrumente mussten erst noch „entwickelt“ werden. Das waren Schläuche aus dem Bau-Markt, mit denen das Heulen des Windes imitiert wurde. Und er weiß noch, dass beim Konzert ein Feuerwehr-Mann mit einer Handsirene durch die Halle lief. „Der ist dann auf den Hackschnitzeln ausgerutscht. Aber zum Glück ist ihm nichts passiert.“

Takt 178: Neues entsteht und bringt Hoffnung für die Zukunft.

In Sachen Schwierigkeitsgrad winkt der Komponist ab. „Es gibt sechs Stufen: Eins ist leicht, sechs ist schwer. ,Kyrill’ hat drei. Jeder, der die Noten beim Verlag kauft, weiß was ihn erwartet.“ Und jedes Konzert und jede Interpretation des Stücks ist anders. „Sturm des Jahrhunderts“ steht als Untertitel auf dem Notenblatt. Und wenn „Kyrill“ zum Beispiel in Florida gespielt wird, haben die Zuhörer vermutlich einen anderen Sturm vor Ohren als wir hier.

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