Corona-Pandemie

Krebs-Selbsthilfegruppe im Sauerland kommt ohne Zoom aus

Präsenzveranstaltungen fallen vorerst aus. Trotzdem ist die Frauenselbsthilfe Krebs auch im Hochsauerland weiterhin sehr aktiv.

Präsenzveranstaltungen fallen vorerst aus. Trotzdem ist die Frauenselbsthilfe Krebs auch im Hochsauerland weiterhin sehr aktiv.

Foto: Bundesverband Frauenselbsthilfe Krebs

Winterberg/Saalhausen.  Frauenselbsthilfe Krebs ist auch während der Coronakrise aktiv und ansprechbar. Auf Onlinetreffen verzichtet sie aber – und verrät auch, warum.

Selbsthilfegruppen können über schwere Phasen hinweg helfen. Aber wie halten sie in Corona-Zeiten Kontakt zu ihren Mitgliedern?

„Bei uns läuft es sehr flexibel“, berichtet Christine Borys, Leiterin der Gruppe Winterberg/Saalhausen der Frauenselbsthilfe Krebs (FSH). Normalerweise gibt es mehrere Termine pro Jahr, bei denen zehn bis 30 Teilnehmerinnen diskutieren, Kaffee trinken, Vorträge anhören oder wohltuende und aufbauende Dinge unternehmen, von Selbstverteidigung bis zu kreativem Schreiben.

Das alles ist vorerst ausgesetzt, doch die Verantwortlichen lassen den Kontakt nicht abreißen. „Sehr intensiv genutzt werden jetzt vor allem die Telefonberatung und das moderierte Onlineforum“, sagt Borys.

Außerdem gibt es Broschüren, Newsletter und E-Mails, eine Facebook-Seite sowie eine eigene App. Die soll vor allem Neuerkrankten helfen, im Wust der Internet-Informationen verlässliche Quellen zu finden.

Die Gruppe profitiert davon, Teil einer bundesweiten Organisation zu sein. Dadurch müssen nicht alle Ideen vor Ort selbst entwickelt und organisiert werden.

Beschränkungen treffen hart

Aber auch auf lokaler Ebene wird weitergemacht. Treffen auf Abstand in kleinen Runden sind möglich, „auf Anmeldung machen wir auch Hausbesuche“.

Was seitens der Gruppe nicht angeboten wird: Onlinetreffen via Zoom oder Skype, wie sie im Berufsalltag normal geworden sind. „Wir sehen Probleme beim Datenschutz“, sagt Borys, „immerhin können solche Gespräche aufgezeichnet werden.“

Weil aber oft sehr sensible Informationen ausgetauscht würden, sei die Selbsthilfegruppe in dieser Hinsicht skeptisch. Wie Menschen mit einer Krebserkrankung die Corona-Schutzmaßnahmen verkrafteten, sei unterschiedlich. „Manche verlassen ihr Haus noch immer nicht – vor allem Patienten mit unterdrücktem Immunsystem. Andere sagen: ,Ich habe keine Wahl, muss mich selbst versorgen und will mich auch nicht einschließen‘.“

Angst vor Ansteckung: Viele lassen Nachsorgetermine ausfallen

Generell aber glaubt die 38-Jährige, dass die Beschränkungen Menschen mit Krebs noch härter treffen als andere. Krebspatienten schützten sich aber auch anders, seien sensibler. Was auch schlechte Folgen haben kann: Die Furcht vor Ansteckung führe dazu, dass viele derzeit ihre Nachsorgetermine sausen ließen. Dass aber Operationen verschoben oder andere Behandlungen ausgesetzt würden, sei ihrer Erfahrung nach kein Thema mehr. „Soweit ich es mitbekomme, findet alles wieder normal statt.“

Die Selbsthilfegruppe stellt keine Diagnosen, berät nicht in medizinischen Fragen und empfiehlt auch keine spezielle Behandlung. Aber Betroffene, die selbst auf dem Weg schon ein Stück weiter sind, helfen den anderen mit ihren Erfahrungswerten weiter und alle unterstützen sich gegenseitig.

Politisches Engagement

Neben diesen Arbeitsbereichen engagiert sich die Frauenselbsthilfe Krebs auch politisch. So versucht sie, Patienten den Alltag zu erleichtern.

Christine Borys gehört auf Bundesebene zu einem Gremium der FSH, das sich mit den Belangen Schwerbehinderter befasst. Sie versuchen unter anderem durchzusetzen, dass Betroffenen nicht mehr nach fünf Jahren automatisch der Schwerbehindertenausweis aberkannt wird, wenn sie nicht mehr akut erkrankt sind oder einen Rückfall erlitten haben. „Das ist in manchen Bundesländern üblich, wird aber Betroffenen nicht gerecht, die aufgrund von Langzeitschäden weiterhin zum Beispiel einen angepassten Arbeitsplatz brauchen.“ Zu tun ist also trotz Corona reichlich.

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