Kunstausstellung

Künstlerin aus Brilon hält Persönlichkeit des Menschen fest

Mit einer Mischtechnik aus Fotografie und Acryl fängt Michaela Fiebig aus Brilon die Persönlichkeit der Menschen ein. Authentizität und der Blick hinter die Fassade haben für sie dabei oberste Priorität.

Mit einer Mischtechnik aus Fotografie und Acryl fängt Michaela Fiebig aus Brilon die Persönlichkeit der Menschen ein. Authentizität und der Blick hinter die Fassade haben für sie dabei oberste Priorität.

Foto: Felicitas Hendrichs

Brilon.   Auf das Bauchgefühl hören und einfach machen: Michaela Fiebig präsentiert einige ihrer Kunstwerke im Rathaus. Arbeit soll zum Nachdenken anregen.

Leben wir das Leben, das die Gesellschaft vorgibt, dann haben wir es nicht verstanden. Das ist die Sichtweise der Briloner Künstlerin Michaela Fiebig. Unter dem Titel „My Point of View“ stellt sie seit gestern im Foyer des Briloner Rathauses einen Querschnitt ihrer Arbeiten aus. Sie selbst sieht sich als Künstlerin und Visionärin, die in ihrer eigenen Welt lebt, der es egal ist, ob etwas als richtig oder falsch gilt. Auf das Gefühl komme es an.

Dieses Jahr eröffnete sie ihr „Fotostudio & Kunstgalerie“ in Brilon

Geboren in Mecklenburg-Vorpommern und aufgewachsen in Berlin, verschlug es sie Mitte der Neunzigerjahre ins Sauerland. Nach einer Ausbildung zur Hotelfachfrau und rund zwei Jahrzehnten Arbeit in einer Schmallenberger Textilfirma, zog sie 2013 nach Brilon. Durch Höhen und Tiefen auch im privaten Bereich sei sie zur Kunst und Fotografie gekommen. „Ich bin einfach meinem inneren Navi gefolgt“, so Michaela Fiebig. Viel zu selten würden wir heute auf unser Bauchgefühl hören und blind dem folgen, was uns vorgegeben wird. Im Februar dieses Jahres folgte sie erneut ihrem inneren Navi und eröffnete ihr „Fotostudio & Kunstgalerie“ in der Kreuziger Mauer.

Schon früh im Leben musste sie traumatische Erfahrungen machen, bei deren Bewältigung ihr die Kunst geholfen habe. „Die Kunst war meine Medizin. Sie hat mich geheilt“, ist Fiebig überzeugt. Seelische Wunden verändern einen Menschen und dessen Sicht auf die Welt. Für die Künstlerin liegt der Fokus seither „auf den Dingen, die wirklich zählen im Leben“. Es stimme sie traurig, wenn sie darüber nachdenkt, was Menschen anderen Menschen „auch unbewusst“ immer wieder antun. Sie möchte daher zum Nachdenken, zu Achtsamkeit und zur Selbstreflexion anregen. „Bin ich wirklich glücklich mit meinem Leben?“ Diese Frage stellen sich die Menschen ihrer Meinung nach viel zu selten.

Sieht Persönlichkeit im Vordergrund

Wenn sie durch die Stadt geht, sehe sie „so viele leere Gesichter und tote Augen“, die den Sinn für das Wesentliche im Leben verloren zu haben scheinen. „Am meisten widert mich der finanzielle Aspekt an. Haste nix, biste nix“, so Michaela Fiebig. Menschen würden etwa vor allem nach ihren beruflichen Leistungen oder ihrem Portemonnaie beurteilt. Und wer sich diesen Vorstellungen nicht anpasst, sehe sich einer ganzen Reihe von Vorurteilen ausgesetzt und ausgegrenzt. Fiebig hingegen sieht die Persönlichkeit des Menschen im Vordergrund. Jeder habe einen Grund, warum er an genau dem Punkt seines Lebens ist, an dem er steht. Warum er ist, wer er ist. Genau das möchte sie mit ihrer Kunst zum Ausdruck bringen.

Ganze Nacht im Atelier

„Ich möchte die wahre Persönlichkeit eines Menschen abbilden“, sagt Fiebig und dafür nutzt sie eine Technik, bei der die Malerei mit der Fotografie verschmilzt. Zwar bewundere sie Menschen, die Porträts richtig malen können, „aber das bildet dann nicht den tatsächlichen Moment ab“. Sie zitiert ein altes indianisches Sprichwort, welches besagt, dass man mit einem Foto ein Stück der Seele eines Menschen einfängt. „Genau das meine ich“, so die Künstlerin. Ihre Technik sieht so aus, dass sie ein fotografiertes Portrait auf eine Leinwand zieht und anschließend mit Acryl bearbeitet. Da sitzt sie dann schon mal eine ganze Nacht oder länger dran. „12 Stunden sicherlich.“

An Material verwende sie alles, worauf sie gerade Lust hat. „Alles was farbig ist“, so Michaela Fiebig. Ob Acryl, Fette oder Spachteltechnik, die Künstlerin setzt sich keine Grenzen. Wirklich wichtig sei ihr hingegen Authentizität. Für einige ihrer Porträtfotografien habe sie sich darum ganz bewusst für die Brilonerin Anna Wallace als Modell entschieden. „Anna ist zu 100 Prozent authentisch, einfach perfekt“, so Michaela Fiebig. Eine andere Fotoreihe ist eine Interpretation der berühmten „Drei Affen“ mit einer guten Freundin. Die Drei Affen, („Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“), ursprünglich ein japanisches Motiv, haben in der westlichen Welt einen Bedeutungswandel erfahren und stehen hier und heute für ein „Nicht-Wahrhaben-Wollen“ von allem Schlechten, auch im Umgang miteinander.

„Kann ich nicht, gibt es für mich nicht“

Privat ist die Künstlerin ebenfalls breit gefächert. Wenn sie auf etwas Lust habe, probiere sie es jetzt gleich aus, anstatt es in die ferne Zukunft zu verschieben. Auch lerne sie immer wieder gern Neues. „Kann ich nicht, gibt es für mich nicht“, sagt sie. Ein Zitat des verstorbenen Ex-Box-Weltmeisters Muhammad Ali habe sie in dieser Hinsicht besonders geprägt. „Wenn mein Kopf es sich ausdenken kann und mein Herz daran glauben kann – dann kann ich es auch erreichen“, soll er einmal gesagt haben. Auch das ist eine Message, die sie den Menschen und Besuchern ihrer Ausstellung mit auf den Weg geben will. „Verlass deine Komfortzone!“

Nicht der neue Flachbildfernseher, der eine Woche später ohnehin überholt ist, sei der Weg zum Lebensglück. Ein Schlüsselerlebnis sei ihr in besonderer Erinnerung geblieben: In einem kleinen Café habe auf einem Klavier eine Postkarte gelegen, auf der geschrieben stand: „Ich suche nicht mehr, ich finde nur noch.“ Das habe sich in ihr Gedächtnis gebrannt und sie nachhaltig geprägt. Michaela Fiebig ist eben nicht nur Zauberin am Pinsel, sondern auch Lebenskünstlerin. Mehr von ihrer „Sichtweise“ täte unserer Gesellschaft sicherlich gut.

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