Lesung

Lea Rieck bringt eine Weltreise in Olsbergs Linie 73

Mit ihrem Motorrad "Cleo" fuhr die Münchnerin Lea Rieck um die Welt. Am 20. September ist sie mit ihrem Buch "Sag dem Abenteuer, ich komme" zur Langen Nacht der Volkshochschulen in der Linie 73 in Olsberg. Mit Geschichten, Fotos und Videos erwartet die Besucher eine visuelle Weltreise. 

Mit ihrem Motorrad "Cleo" fuhr die Münchnerin Lea Rieck um die Welt. Am 20. September ist sie mit ihrem Buch "Sag dem Abenteuer, ich komme" zur Langen Nacht der Volkshochschulen in der Linie 73 in Olsberg. Mit Geschichten, Fotos und Videos erwartet die Besucher eine visuelle Weltreise. 

Foto: Privat

Olsberg.  Nach 18 Monaten war Lea Rieck wieder in der Heimat. Sie reiste auf dem Motorrad um die Welt und berichtet unter anderem von ihren Schockmomenten

18 Monate, 50 Länder, sechs Kontinente und über 90.000 Kilometer liegen hinter der Münchnerin Lea Rieck. Auf ihrer Weltreise hat sie einzigartige Erfahrungen gemacht. Die hat sie im Buch „Sag dem Abenteuer, ich komme – Wie ich mit dem Motorrad die Welt umrundete und was ich von ihr lernte“ festgehalten. Mit ihrer Lesung ist sie anlässlich der Langen Nacht der Volkshochschulen am 20. September in Olsberg. Der WESTFALENPOST hat sie von ihrer Reise, dem Alltag danach und ihren Plänen berichtet.

Nehmen Sie uns mit auf die Reise – Wohin ging es?

Lea Rieck: Losgefahren bin ich in München. Von da aus ging es in Richtung Osten, über Kirgistan, dann nach Thailand. Ich wollte möglichst lange über Land fahren und dabei sehen, wie sich die Kulturen und die Umwelt verändern. Deshalb habe ich auf die Weltkarte geschaut und die längste Route nach Thailand und Malaysia herausgesucht. Der Rest verlief eher spontan. Es gab eine Gesetzesänderung, ich musste früher aus Asien ausreisen und dann bin ich weiter nach Australien. Danach ging es über den ganzen amerikanischen Kontinent bis Kanada und von dort über Marokko zurück.

Wie bereitet man sich auf eine so unberechenbare Reise vor?

Ich habe mich eigentlich gar nicht richtig vorbereitet (lacht). Meinen Job habe ich damals im Januar gekündigt, habe dann noch drei Monate gearbeitet und da blieb wenig Zeit. Den ersten Teil der Reise musste ich wegen der Visa-Anträge planen. In China zum Beispiel darf man mit seinem eigenen Fahrzeug nicht alleine durch das Land fahren. Man braucht auch einen chinesischen Führerschein und ein Nummernschild. Das muss vorher beantragt werden. Ansonsten habe ich eher nichts geplant und habe auch nicht probegepackt. Ich bin zum Arzt gegangen, habe alle Impfungen bekommen und einen Workshop mitgemacht, weil ich eigentlich keine Ahnung von Mechanik und Motorrädern hatte.

Wie waren die ersten Tage und Wochen allein unterwegs?

Das Gefühl war total gut. Ich hatte mir alles davor nur nicht so kompliziert vorgestellt. Alle Abmeldungen in Deutschland müssen in einer bestimmten Reihenfolge erledigt werden. Ich habe meinen Wohnsitz offiziell aufgegeben. Deshalb bin ich erleichtert losgefahren, als alles erledigt war. Einfach nur in den Tag hinein. Es hat lange gedauert, bis ich verstanden habe, dass ich nicht nach zwei, drei Wochen wieder umdrehen werde. Das Gefühl hatte ich zum ersten Mal in Istanbul. Das war die letzte vertraute Bastion, danach folgte nur noch das Unbekannte.

Es gab viele besondere Erlebnisse – einmal hat Ihnen ein großer Heuschreckenschwarm die Sicht versperrt, so dass Sie stürzten...

Es gab viele unerwartete Momente. Ich wusste, dass ich mal stürzen würde. Aber ich habe nicht damit gerechnet, dass ich so früh falle. Ich war kurz ohnmächtig, das war wohl die größte Herausforderung und ein kleiner Schock: Man ist allein doch auf Hilfe angewiesen und muss seine Schwächen zugeben. Aber ich finde, das zu können ist auch eine große Stärke. Am Anfang hatte ich das Gefühl „Ich allein gegen die Welt“ aber es wird schnell zum Gegenteil. Ich wurde oft so herzlich aufgenommen, dass ich viel empathischer und toleranter zurückgekommen bin.

Hinzu kamen schöne Momente...

Ja, es war sehr schön, in die Kulturen einzutauchen und den Alltag der Menschen mitzuerleben. Aber auch, die Natur zu sehen. Es war sehr beeindruckend, als kleines Menschlein zwischen den Bergen zu stehen. In Nepal ist mein Kleid einmal in die Speichen des Motorrads geraten und ich stand fast nackt da. Zwei Einheimische haben mich zu einer Frau gebracht, die in einem Bretterverschlag lebte. Es gab kein fließendes Wasser und keine Elektrizität. Sie hat mir geholfen, das Kleid zu flicken. Als ich ihr Geld geben wollte, schlug sie ab und gab mir stattdessen Geld, das ich in Australien und Südamerika ausgeben und dabei an sie denken sollte. Sie hat mir erklärt, dass es in ihrem Glauben, dem Buddhismus, um Mitgefühl und Mitfreude geht. Das fand ich total schön, es macht einen demütiger. Dann denkt man über sein eigenes Leben nach: Eigentlich haben wir alles und vergleichen uns trotzdem mit anderen.

Wie war es, als Sie nach 18 Monaten wieder in der Heimat ankamen?

Es war ein tolles Gefühl. Ich habe meine Eltern 18 Monate lang nicht gesehen und die Leute, die ich so liebe. Ich habe mich sehr gefreut, nach Hause zu kommen. Ich habe Europa mit anderen Augen gesehen: Es gibt hier so viele verschiedene Kulturen, Menschen und die Natur, so nah beieinander. Hier fühle ich mich zu Hause und bin sehr froh, in einem der schönsten Gebiete zu leben.

Sie sind wieder im Alltag angekommen, ihr Buch ist erschienen. Wie sieht Ihr Leben gerade aus?

Ich arbeite als Freelancerin, das gibt mir einige Freiheiten. Durch die Buchveröffentlichung hat sich auch Vieles verändert. Dadurch fühlt es sich fast so an, als wäre die Reise noch nicht zu Ende, obwohl sie es ist. Mich hatte kurz nach dem Start der Reise ein Verlag angefragt, ob ich Lust hätte, ein Buch zu schreiben. Ich habe mich kurz vor meiner Ankunft dafür entschieden. Vor allem, weil ich es auch für die Menschen schreiben wollte, die ich getroffen habe. Man hat unterwegs so wenig Zeit, darüber nachzudenken und es mental Revue passieren zu lassen.

Mit dem Buch sind Sie unter anderem in ganz Deutschland unterwegs. Wie sind die Reaktionen der Menschen auf Ihre Geschichten?

Es ist immer total schön. Ich zeige Bilder und Videos während der Lesung und möchte die Leute durch verschiedene Eindrücke auf eine gemeinsame visuelle Reise um die Welt mitnehmen. Ich möchte zeigen, was es zu sehen gibt. Und deshalb freue ich mich auch schon sehr auf den Vortrag in Olsberg.

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