Lebenshilfe Hochsauerlandkreis

Lebenshilfe HSK: Neues Autismus-Kompetenz-Zentrum in Brilon

Annette Ludewig, Dipl. Psychologin und Systemische Therapeutin, wird das neue Autismus-Kompetenz-Zentrum der Lebenshilfe Hochsauerlandkreis in Brilon leiten.

Annette Ludewig, Dipl. Psychologin und Systemische Therapeutin, wird das neue Autismus-Kompetenz-Zentrum der Lebenshilfe Hochsauerlandkreis in Brilon leiten.

Foto: Jutta Klute/WP

Brilon.  Die Lebenshilfe HSK plant die Eröffnung eines neuen Autismus-Kompetenz-Zentrums in Brilon. Annette Ludewig erklärt, was sich dahinter verbirgt.

Das Mädchen, das Schwierigkeiten hat, sich sprachlich zu artikulieren. Der Junge, dem es schwerfällt zu verstehen, was sein Gegenüber möchte und bei anderen immer wieder aneckt. Der Jugendliche, der zwar alles über Astrologie weiß, aber Probleme bei der Bewältigung des Alltags hat. Die Eltern, die sich überfordert und von dere Umwelt oftmals unverstanden fühlen. Für all´ diese Menschen, möchte die Lebenshilfe Hochsauerlandkreis mit ihrem neuen Lebenshilfe-Autismus-Kompetenz-Zentrum (LAKZ) in Brilon künftig eine Anlaufstelle sein.

Autismus kann unterschiedliche Symptome haben

Das „LAKZ“ in den Räumen der Lebenshilfe in der Gartenstraße 47 soll zum 1. Dezember an den Start gehen und wurde beim Aufbau durch die „Aktion Mensch“ unterstützt, erklärt Annette Ludewig. Sie ist Dipl.-Psychologin und Systemische Therapeutin und hat bereits viele Jahre Berufserfahrung in der Autismus-Therapie. Sie wird das Kompetenz-Zentrum in Brilon leiten. Zur Seite steht ihr die staatlich anerkannte Heilpädagogin Kirsten Stark. Das Angebot des neuen Förder- und Therapiezentrums richtet sich an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 21 Jahren. Beim Störungsbild gibt es ein sehr großes Spektrum. Der Begriff Autismus-Spektrum-Störung wird als Oberbegriff für verschiedene Formen von Autismus benutzt, unabhängig, ob es sich um einen Frühkindlichen Autismus, ein Asperger-Syndrom oder einen Atypischen Autismus handelt“, so Annette Ludewig. Dementsprechend vielfältig und individuell sind auch die Therapie-Angebote.

Therapien werden individuell gestaltet

Beispiel: Bei dem Mädchen, das Probleme beim Spracherwerb hat, könnte eine Kommunikationsmappe mit Tätigkeits-Bildern zum Einsatz kommen: Trampolin springen, Klettern, basteln, mit dem Ball spielen … Über diese Bilder wird in der Therapie eine Kommunikation in Gang gesetzt: „Was möchtest Du machen?“, fragt die Therapeutin. Das Kind wählt ein Symbol und lernt, sich mit seinem Gegenüber zu verständigen.

Ein anderes Beispiel: Umziehen für den Sportunterricht, Gerangel in der Kabine, Getöse, alle sprechen durcheinander - mit dem Jungen, der Alltagssituationen nicht einschätzen kann und bei seinen Klassenkameraden oft auf Unverständnis stößt, weil er ihr Verhalten falsch interpretiert, kann man in der Therapie üben, wie man sich in bestimmten Situationen verhält. Üben kann man auch beispielsweise mit einem älteren Jugendlichen, wie er es schafft, Blickkontakt mit seinem Gesprächspartner zu halten, statt von Sternenbildern zu plaudern, einfach mal Smalltalk zu machen. „Das sind Dinge, die vielen Betroffenen sehr schwer fallen und ihnen im Alltag Probleme bereiten“, weiß Annette Ludewig.

Schwierig für viele Betroffene: Blickkontakt und Kommunikation

Die Diplom-Psychologin beschreibt die Autismus-Störung so: „Der Kontakt mit anderen Menschen, die Interaktion und die Kommunikation sind beeinträchtigt. Das Verhaltens- und Interessenspektrum unterscheidet sich von Gleichaltrigen. Autisten fällt es schwer, soziale Bedeutungen von Situationen und Verhaltensweisen ihrer Mitmenschen zu verstehen. Oft haben die Betroffenen ein sehr intensives, stereotypes Interesse.“ Ganz wichtig ist Annette Ludewig, dass auch das Umfeld mit in die Therapie einbezogen wird, also die Eltern und Geschwister, aber auch die Kita, die Schule oder andere Bezugspersonen.

Jungen häufiger betroffen als Mädchen

Das „LAKZ“ will neben der Therapie auch Beratung zu den Diagnostikmöglichkeiten anbieten, kann bei Anträgen für die Therapie helfen und erarbeitet gemeinsam mit den Eltern und den Betroffenen die Therapie-Ziele. Am Anfang steht in jedem Fall aber zunächst erstmal eine fundierte Autismus-Diagnostik. Sie erfolgt in Sozialpädiatrischen Zentren oder bei Fachärzten für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Jungen sind übrigens häufiger betroffen als Mädchen. In Europa wird eine Autismus-Spektrum-Störung bei etwa einem Prozent der Bevölkerung diagnostiziert. „Die Beeinträchtigungen bestehen bei den Betroffenen seit früher Kindheit und man kann davon ausgehen, dass Besonderheiten im Verhalten und in der Wahrnehmung ein Leben lang bestehen. Aber man kann lernen, damit besser klar zu kommen. Und dabei helfen wir“, so die Expertin. Kostenträger sind Jugend- und Sozialämter und der LWL. Einzugsgebiet ist der HSK und angrenzende Gebiet.

Im Januar 2020 eröffnet auch das DRK Brilon ein Autismus-Therapiezentrum (ATZ). Die WP berichtete bereits ausführlich darüber.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben