Palliativmedizin

Letzte Lebensphase für Menschen im HSK würdevoll gestalten

Mitarbeiter des Palliativnetzes Soest/HSK halten Hand, hören zu. Sie sind da für Menschen da, die nur noch eine begrenzte Lebenszeit haben und helfen auch den Angehörigen zum Beispiel, wenn es darum geht, Schmerzen zu lindern.

Mitarbeiter des Palliativnetzes Soest/HSK halten Hand, hören zu. Sie sind da für Menschen da, die nur noch eine begrenzte Lebenszeit haben und helfen auch den Angehörigen zum Beispiel, wenn es darum geht, Schmerzen zu lindern.

Hochsauerlandkreis.   Seit 2009 ist das Palliativnetzwerk Soest/HSK für Menschen, die noch eine begrenzte Lebenszeit haben, da und hilft u.a. Schmerzen zu lindern.

Menschen wie Olivia Heisiph stehen todkranken oder sterbenden Menschen und ihren Angehörigen zur Seite, beraten sie, unterstützen und versuchen, Schmerzen zu lindern und ein Sterben in Würde zu ermöglichen. Olivia Heisiph ist ausgebildete Fachkraft für Palliativ-Care und Mitarbeiterin des Palliativnetzes Soest/HSK. Sie hat mit uns über ihre Arbeit gesprochen. Im WP-Interview erklärt sie, wer entscheidet, ob eine palliative Situation vorliegt und ob die Betreuung über das Palliativnetz übernommen werden.

Was steckt hinter dem Begriff Palliativmedizin?
Olivia Heisiph: Palliativmedizin umfasst die Versorgung von schwer erkrankten Menschen mit eingeschränkter Lebenserwartung. Der Begriff palliativ kommt aus dem Lateinischen von Mantel, meint also ummanteln oder umsorgen. Im Vordergrund der Behandlung steht nicht mehr die Heilung, sondern die Linderung von Symptomen und der Erhalt einer möglichst guten Lebensqualität. Durch die palliative Versorgung versterben mehr Leute zuhause oder in Heimen, statt im Krankenhaus, weil die Symptome gelindert werden.


Und welche Funktion hat dabei das Palliativnetz Soest/HSK?
Wir sind da für Menschen, die nur noch eine begrenzte Lebenszeit haben. Manchmal kommen wir nur ganz kurze Zeit zum Einsatz, manchmal begleiten wir todkranke Menschen auch mehrere Monaten lang. Unser Ziel ist, die letzte Lebensphase würdevoll zu gestalten und zu begleiten und ein menschwürdiges Sterben in der Umgebung zu ermöglichen, die der Patient sich wünscht – meistens ist das in der häuslichen Umgebung, aber wir begleiten auch Menschen in Pflegeheimen. Ganz wichtiger Bestandteil unserer Arbeit ist die Unterstützung der Angehörigen im Umgang mit Sterben, Tod und Trauer. Wir möchten Angehörige entlasten, ihnen Sicherheit geben.


Welche Rolle spielen dabei die Hausärzte, die ja meist erster Ansprechpartner für Patienten sind?
Auch wenn jemand von uns betreut wird, bleibt der Hausarzt Ansprechpartner für die Patienten. Wir arbeiten inzwischen mit sehr vielen Hausärzten in unserer Region zusammen. Das ist keine Konkurrenzsituation, sondern ein Miteinander. Der Hausarzt ist es auch, der entscheidet, ob bei seinem Patienten eine palliative Situation vorliegt und die Betreuung über das Palliativnetz übernommen werden kann. Wenn er mit unserem Netzwerk zusammen arbeiten möchte, kann er sich bei der Kassenärztlichen Vereinigung anmelden. Wir freuen uns, dass sich in den vergangenen Jahren immer mehr Hausärzte für diese Kooperation entscheiden, denn der palliative Bedarf nimmt zu. Seit Gründung des Netzwerks 2009 haben sich die Anmeldungen zur palliativen Versorgung vervierfacht.

Aktuell arbeiten bei uns acht Krankenschwestern mit einer Palliativ-Care-Zusatzausbildung. 20 Ärzte, auch mit Zusatzausbildung, übernehmen die medizinische Rufbereitschaft. Kosten für gesetzlich versicherte Patienten werden über die Krankenkassen abgerechnet; bei Privat-Patienten muss die Kostenfrage vorher geklärt werden.


Wie sieht Ihre Unterstützung vor Ort dann konkret aus?
Bei einem ersten Gespräch klären wir, welcher Bedarf überhaupt besteht und wie engmaschig die Begleitung von unserer Seite sein soll. Der Patient bekommt eine Notfallbox, welche die wichtigsten Medikamente enthält, um zum Beispiel akute Schmerzen zu lindern, Übelkeit zu bekämpfen oder das Atmen zu erleichtern. Verabreicht werden diese Medikamente in der Regel durch den Pflegedienst oder die Angehörigen. Wichtig: Die ärztliche Rufbereitschaft ist 24 Stunden erreichbar, wenn es Probleme gibt. Das ist für viele Angehörige unglaublich wichtig. Einen ganz großen Stellenwert hat bei uns das persönliche Gespräch und die Zusammenarbeit mit Ärzten, Pflegediensten und Hospizvereinen.


Wenn Menschen todkrank sind, ist der Leidensdruck oft enorm. Werden Sie da oft mit dem Wunsch konfrontiert, den Menschen zu helfen, möglichst schnell zu sterben?
Ja, es gibt oft Patienten, die diesen Wunsch äußeren und sagen: Geben Sie mir doch einfach etwas, dass ich gar nicht mehr wach werde. Aber, wir machen keine aktive Sterbehilfe, sondern versuchen, eine Lösung zu finden. Im Gespräch versuchen wir, herauszufinden, was genau den Patienten so schwer belastet, dass er sterben möchte. Wir gucken dann, wie kann man die Schmerztherapie so verändern, dass der Patient nicht mehr so leidet. Wenn die Situation für einen Patienten gar nicht mehr erträglich ist, gibt es – in Absprache mit den Patienten – auch die Möglichkeit, eine palliative Sedierung einzuleiten. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Patienten, die gut begleitet werden, nicht mehr nach aktiver Sterbehilfe fragen. Im Gegenteil, viele sind dankbar, dass sie noch Zeit haben für einen würdigen Abschiedsprozess.


Heißt das, heute muss dank des medizinischen Fortschritts niemand mehr unerträgliche Schmerzen aushalten?
So pauschal kann man das nicht sagen, aber in den meisten Fällen gelingt es sehr gut, geeignete Therapien zu finden, die den Patienten ihre letzte Lebensphase erträglich machen. Aber manchmal ist es auch schwierig. Immer wieder kommt es auch vor, dass zum Beispiel psychisch bedingte Schmerzen die Menschen leiden lassen. Dann ist es wichtig, im Gespräch herauszufinden, wo das Problem liegt, denn auch Dinge in der Familie, die nicht geregelt sind, können zu Schmerzen führen. Das können beispielsweise Streitigkeiten sein oder auch, wenn die Patienten spüren, dass ihre Angehörige nicht loslassen können.

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