Gericht

Männer mit Dachlatten und Gürtel in Brilon brutal verprügelt

Ein brutaler Überfall auf dem Marktplatz in Brilon wird jetzt verhandelt.

Ein brutaler Überfall auf dem Marktplatz in Brilon wird jetzt verhandelt.

Brilon.   Der brutale Überfall auf ein Brüderpaar auf dem Briloner Marktplatz ist nach einem Jahr erneut Thema vor Gericht. Die Angeklagten schweigen.

Genau vor einem Jahr saß das Trio schon einmal vor Richter Härtel auf der Anklagebank. Am Montag ging es im Amtsgericht Brilon von neuem um dieselbe Sache. Und wieder ohne Ergebnis.

Vorwurf: Die beiden heute 28 und 22 Jahre alten Brüder und ihr 26 Jahre alter Kumpel sollen gemeinsam mit wenigstens drei weiteren, nach wie vor unbekannten Mittätern in einer Wochenendnacht im August 2016 auf dem Briloner Marktplatz in Höhe des Hauses Hövener zwei heute 35 und 43 Jahre alte Brüder übel zusammengeschlagen und dabei auch Dachlatten und einen Gürtel benutzt haben.

Etwas angeschickert gegen Mitternacht auf dem Marktplatz

Die Angeklagten stammen aus Syrien bzw. Irak, die Opfer sind Deutschrussen aus Kasachstan. Die beiden saßen etwas angeschickert gegen Mitternacht auf dem Marktplatz auf einer Bank und unterhielten sich, als ein bulliger Mann arabischer Herkunft sie angemacht haben soll: „Das ist unsere Stadt“ und „Euch machen wir fertig“ waren dabei die harmloseren Sprüche.

Das Brüderpaar ging nicht weiter darauf ein und wandte sich Richtung Fußgängerzone, als auf einmal aus verschiedenen Richtungen etwa ein halbes Dutzend Leute angeschossen kam und auf die beiden einprügelte und eintrat.

Die drei Angeklagten machten schon vor einem Jahr keine Angaben zu dem Vorfall, und auch gestern schwiegen sie, zumindest weitgehendst.

Täterwahrscheinlichkeit nur 1:235

Obwohl eines der Opfer einen der Angeklagten persönlich kannte, ein Zeuge mit einem der anderen zur Schule gegangen war und ihn zweifelsfrei identifiziert hatte, von einem der Personalausweis am Tatort lag und es ein detailliertes telefonisches Geständnis gegenüber der Polizei Brilon gegeben hat, wollte Richter Härtel angesichts der Mauer-Taktik des Trio damals noch weitere technische Beweismittel ausschöpfen.

Die lagen gestern vor. Das Institut für forensische Genetik in Münster hat u.a. die bei der Attacke benutzten Dachlatten und die am Tatort gefundene Gürtelschnalle auf DNA-Spuren hin untersucht und abgeglichen. Der mit einem Extraktions-Roboter erfolgte Abgleich der sogenannten Allele ergab für die Angeklagten eine Tatbeteiligungswahrscheinlichkeit von 1:235 - „Das ist nicht genug, um sie zu belasten, aber auch nicht genug, um sie zu entlasten,“ wie Richter Härtel sagte.

Eindringliche Bitte von Richter Härtel

Die beiden Opfer und die vor einem Jahr gehörten Zeugen brauchten nicht erneut vor Gericht zu erscheinen, ihre Aussagen von damals wurden vorgelesen. Wohl aber sagte der Wachdienstleister aus, der nach der Tat den Anruf entgegengenommen hatte, bei dem sich der Anrufer als einer der beiden angeklagten Brüder ausgab und Details zu der Tat und zu weiteren Beteiligten preisgab, inklusive Namen und der - bei derartigen Anrufen üblichen erfragten - korrekten Geburtstaten. Die Handy-Nummer habe sein Mandant nie gehabt, sagte einer der drei Anwälte über seinen Mandanten. In der Tat waren die Handys auf andere Personen angemeldet, zu denen die Angeklagten ebenfalls schwiegen - bis einem der Angeklagten gut eine Stunde später einer dieser Anschlussnehmer doch rausrutschte, als er auf Nachfragen sein angebliches Alibi für die Tatnacht offenlegte. Es handelte sich bei dieser Person um die Freundin eines weiteren Bruders.

Auch nach der eindringlichen Bitte von Richter Härtel, doch noch mal mit seinem Mandanten über die strafmildernde Wirkung eines Geständnis – das sich in diesem Fall positiv auf den sonst im Raum stehenden Verfall einer früheren Bewährungsstrafe auswirken könnte – zu reden, beließ es der Angeklagte beim Schweigen.

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