Justiz

Marsberg: Faustschläge und Cannabis unterm Weihnachtsbaum

Vor dem Amtsgericht Marsberg hat das Verfahren wegen Betrugs und Beleidigung stattgefunden.

Vor dem Amtsgericht Marsberg hat das Verfahren wegen Betrugs und Beleidigung stattgefunden.

Foto: Annette Dülme

Marsberg.  Keine Spur von Reue vor dem Amtsgericht Marsberg. Angeklagter hat der Tochter seiner Lebensgefährtin auf Heiligabend drei Faustschläge verpasst.

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Die ganze Familie - Mutter (61), die erwachsenen Kinder, deren Freunde, Enkel und der 55-jährige Lebensgefährte der Mutter - feiert Heiligabend gemeinsam. Das Fest der Liebe und des Friedens endet mit einer handfesten Auseinandersetzung und letztendlich vor dem Amtsgericht Marsberg.

Auf der Anklagebank sitzt der Lebensgefährte der Mutter. Er hatte Einspruch gegen den Strafbefehl vom 26. August eingelegt. Der gebürtige Marsberger wohnt im benachbarten Hessen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Körperverletzung und Beleidigung vor. Auf Heiligabend soll er die 33-jährige Tochter seiner Lebensgefährtin dreimal mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Das Nasenbein war gebrochen, die Lippe aufgeplatzt und Zähne im Unterkiefer gelockert. Am 1. Weihnachtstag soll er die junge Frau obendrein per SMS als Hure, Bastard und Assi-Schlampe beschimpft haben.

Im Zeugenstand fanden sich die Mutter, das Opfer, eine Schwester und ein Freund des Opfers wieder. Der Freund (54) hatte nach dem Weihnachtsdrama vor einem Jahr als Chauffeur und Verletztenfahrer fungiert und sich in der Verhandlung am Dienstag als einzig verwertbarer Zeuge offenbart. Denn er hatte weder Alkohol getrunken noch Cannabis konsumiert. Die Heiligabendfeierrunde um so mehr. Umso unterschiedlicher fielen die Aussagen aus.

Das sagt der Angeklagte

Vor dem Weihnachtsfest vor einem Jahr wohnte der Angeklagte noch bei seiner Lebensgefährtin in Marsberg. Nach seinen Aussagen habe ihn die 33-jährige Tochter den ganzen Heiligabend über beschimpft. Nachdem sie beim Armdrücken gegen ihn verloren hätte, habe sie ihm eine Ohrfeige verpasst. Er habe dann das Esszimmer verlassen und sich ins Schlafzimmer zurückgezogen. Nach dem gemeinsamen Festessen am Abend hätte sie ihn weiterbeschimpft, weil er ihr kein Cannabis abgeben wollte. Er hätte sich dann wieder ins Schlafzimmer verzogen. Von dort aus habe er gehört, dass sie „ich stech` dich ab“ hinter ihm hergerufen habe. Der Angeklagte: „Ich habe mich bedroht gefühlt.“ Er sei zurück ins Esszimmer gegangen. Da habe sie „so komisch da gestanden und eine merkwürdige Bewegung nach vorne gemacht.“ Dann habe er ihr die drei Schläge mit der Faust versetzt. Der Angeklagte: „Ich habe Panik bekommen, weil sie ja schon einmal jemanden mit dem Messer verletzt hat.“ Ob sie wirklich etwas in der Hand gehalten hatte, habe er nicht sehen können. Seine Lebensgefährtin habe ihn daraufhin raus geschmissen. Die Beziehung war beendet.

Das sagt das Opfer

Sie habe einfach nur harmonisch Weihnachten mit der Familie feiern wollen, so das Opfer im Zeugenstand. Und der Angeklagte sei nur eklig gewesen zu allen. Zu Hause hatte sie schon Alkohol getrunken, aber nur wenig auf der Feier. Sie hätte wohl einige Mal „Wichser“ zu ihm gesagt, gab sie zu, habe das aber nicht böse gemeint. Armdrücken hätten sie an dem Tag gar nicht gemacht. Das Opfer: „Das mit dem Abstechen hat er sich aus der Nase gezogen.“ Und ja, es sei gekifft worden. Aber ihr hätte der Angeklagte nichts geben wollen. Die anderen hatten die Feier bereits verlassen und sie hätte allein am Esstisch gesessen, ihre Mutter sei in der Küche gewesen und er im Schlafzimmer. „Dann ist er wie ein Wahnsinniger auf mich zu und hat mich geschlagen.“

Keine Notwehrlage

Eine Notwehrlage sahen indes weder Staatsanwältin Subat noch Richter Eberhard Fisch. Schon aus rein körperlichen Gründen. Aufgrund der Zeugenaussagen glaubte die Staatsanwältin dem Angeklagten, dass er beschimpft worden sei, selbst die Backpfeife nahm sie ihm ab. Der Verteidiger plädierte auf Freispruch: „Für die Faustschläge gibt es keine unmittelbaren Zeugen.“

Das Urteil

„Das Opfer sah schlimm aus“, so Richter Eberhard Fisch nach Ansicht der Fotos aus der Tatnacht. „Das zeugt von erheblicher Brutalität.“ Reue konnte er auch nicht erkennen, sonst hätte der Angeklagte nicht am 1. Weihnachtstag per SMS Beleidigungen hinterher geschickt. Wegen Körperverletzung und Beleidigung verurteilte er ihn zu 60 Tagessätzen à 30 Euro unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Verhältnisse.

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