Besondere Wohnform

Marsberg: So sieht das Lebensglück in einer Gastfamilie aus

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Gitti B. (von links), Kathrin Meyer, Edith R. und Frank Meyer leben das Konzept "Betreutes Wohnen in Gastfamilien".

Gitti B. (von links), Kathrin Meyer, Edith R. und Frank Meyer leben das Konzept "Betreutes Wohnen in Gastfamilien".

Foto: LWL

Marsberg.  Wie Familie Meyer aus Marsberg seit 20 Jahren Gäste aufnimmt und betreut. Ein Bericht über eine Wohnform, bei der alle Seiten profitieren:

Was tun mit den leeren Zimmern, wenn die Kinder aus dem Haus sind und der Mann als Handwerker oft auf Montage in Österreich ist? Familie Meyer hat nicht lange überlegt und sich auf eine Zeitungsanzeige des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) gemeldet. Damals suchte dieser Gastfamilien für das Betreute Wohnen. Seit knapp 20 Jahren sind sie jetzt Gastfamilie in Marsberg. Bereut haben sie die Entscheidung nie, ganz im Gegenteil: „Das ist einfach ein Gewinn für beide Seiten“, so Kathrin Meyer. „Wir haben so vieles gemeinsam erlebt, gelacht und schöne Erinnerungen in all den Jahren gesammelt.“

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Professionelle Unterstützung

Mittlerweile betreuen die Meyers sogar zwei Frauen: Edith R. und Gitti B. Ute Lüdtke, vom Familienpflegeteam des LWL-Wohnverbundes Marsberg sagt: „Früher haben Menschen oft ihr gesamtes Leben in besonderen Wohnformen verbracht. Meistens wurden Menschen mit Beeinträchtigungen dabei nicht so individuell betrachtet wie heute.“ Dabei könnten viele Menschen mit Beeinträchtigungen mit Unterstützung durchaus eigenständig leben. Die Familien erhalten professionelle Unterstützung vom BWF-Team (Betreutes Wohnen in Familien) und ein monatliches Betreuungsgeld. „Wir vom BWF-Team begleiten die Gastbewohner sowie die Familie“, so Ute Lüdtke „Mit dem Begriff Familie sind alle Konstellationen des Zusammenlebens gemeint, egal ob Alleinstehend, Lebenspartnerschaft, Großfamilie...“

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Wenn Hund Gismo vorbeikommt

Um zu schauen, ob Gast und Gastfamilie tatsächlich zusammenpassen, gibt es zunächst eine intensive Kennenlernphase und im Anschluss die Möglichkeit, bis zu 14 Tage auf Probe zu wohnen. Bei den Meyers war das auch so. „Gleich von Anfang an hat alles gut gepasst. Wie jede Familie haben wir bestimmte Regeln getroffen. Zum Beispiel essen wir gemeinsam, um über unseren Tag zu sprechen“, so Kathrin Meyer. Die neue Familie machte in der Vergangenheit sogar eine gemeinsame Kreuzfahrt. „Auch in schwierigen Zeiten halten wir zusammen. Als eine Freundin von mir gestorben war, haben wir am Tisch gesessen und zusammen geweint.“

Vor ein paar Jahren hatte Frank Meyer einen Schlaganfall und sitzt seitdem im Rollstuhl. Edith und Gitti helfen mit. Kathrin Meyer betont: „Wenn ich jetzt nicht da bin, kann ich mich darauf verlassen, dass sich alle gegenseitig unterstützen.“ Auch als der Hund Gismo ihrer Nichte zu Besuch kam. Da hat sich die 50-Jährige Gitti extra eine Woche Urlaub in der Caritas-Werkstatt genommen. „Gitti und Gismo sind ein echtes Dreamteam“, so Kathrin Meyer mit einem Lächeln.

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„Gitti hat dem Hund alles ausführlich erklärt und er hat geduldig zugehört.“ Für die Kinder seien Gitti und Edith wie Großeltern. „Wir sind einfach eine Familie.“ Darin sind sich alle einig.

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