Tattoo-Studio

Marsberg: Tattoo-Studio will nach der Corona-Pause aus Krise

Sarah im Tattoo-Studio von Tommy Needles in Marsberg. Wegen der Corona-Krise war das Studio einige Wochen geschlossen. Jetzt geht es unter strengen Hygiene-Auflagen weiter. 

Sarah im Tattoo-Studio von Tommy Needles in Marsberg. Wegen der Corona-Krise war das Studio einige Wochen geschlossen. Jetzt geht es unter strengen Hygiene-Auflagen weiter. 

Foto: Annette Dülme/WP

Marsberg.  Der Corona-Lockdown hat auch die Inhaber von Tattoo-Studios hart getroffen. Bei Tommy Needles in Marsberg geht es jetzt - unter Auflagen - weiter.

Nur das leise Summen des Tätowiergerätes ist zu hören. Tommy Needles arbeitet konzentriert am Arm von Sarah. Die 34-Jährige sitzt ganz entspannt auf dem Tattoo-Stuhl und erzählt: „Mein rechter Arm wird nordisch, mit Wikinger-Kompass und zwei schwarzen Raben.“ Das Grundgerüst dafür, also die Umrisse, hat Tommy schon in einer früheren Sitzung in Sarahs Haut gestochen. Die junge Frau ist sicher: „Das wird nicht mein letztes Tattoo sein. Fertig bin ich noch lange nicht.“

Den Marsberger Tätowierer Tommy Needles hat der Corona-Lockdown hart getroffen. Wochenlang war sein Studio zu. Jetzt hat er eingeschränkt wieder geöffnet - natürlich nur unter strengen Hygieneauflagen. Einfach mal so reinschauen und über ein geplantes Tattoo sprechen, das geht zurzeit allerdings nicht - für den Publikumsverkehr ist das Studio weiter geschlossen. Aber nach Terminabsprache sind Treffen für ein Vorgespräch oder Sitzungen möglich. Wer sich tätowieren lassen möchte, muss allein kommen, Mundschutz tragen, die Hände desinfizieren und sich in eine Liste eintragen. „Ich bin froh, dass es jetzt wieder losgeht“, freut sich der Marsberger Geschäftsinhaber.

Hygiene ist wichtiges Thema

Das Thema Hygiene war für ihn auch schon vor Corona wichtig. Er erklärt: „Schon in eigenen Interesse ist die Hygiene am Arbeitsplatz ein wichtiger Bestandteil und sollte selbstverständlich in einem professionellen Tattoo-Studio sein. Nadeln und Gebrauchsgegenstände sind Einwegprodukte , alles andere womit ich in Berührung komme, wird in Folie eingepackt oder abgeklebt. Auch Handschuhe habe ich bei der Arbeit schon immer getragen.“

Seine Kundin Sarah sieht es ganz gelassen, sich in Corona-Zeiten ein Tattoo stechen zu lassen. Sie argumentiert:„Nirgendwo wird unter hygienischeren Bedingungen gearbeitet als in einem Tattoo-Studio.“ Sie selbst arbeitet in der Gastronomie und hat ständig Kontakt mit Menschen - ebenfalls unter verschärften Hygienevorschriften. Den Mundschutz trage sie den ganzen Tag. Ihn jetzt auch beim Tätowieren zu tragen, merke sie schon gar nicht mehr.

Tattoos als Lebenseinstellung

Für Sarah ist es nicht das erste Tattoo: Den Brustbereich zieren Totenköpfe, der linke Arm ist mit Blumen-Motiven bedeckt, außerdem gibt es ein Motiv in Erinnerung an die Kindheit. Und im Nacken hat Tommy einen Schriftzug verewigt, der für sie Lebenseinstellung ist: „Die Gedanken sind frei.“

Die beiden Tattoos „sapere aude“ - „habe Mut, dich deines Verstandes zu bedienen - und „semper fideles“ sind für die Marsbergerin Statement und Schmuck zugleich. Für die 34-Jährige ist es wichtig, dass die Bilder auf ihrer Haut auch eine Bedeutung haben und ihre Lebenshaltung widerspiegeln. Sie erklärt das so: „Ich finde generell tätowierte Menschen schön. Es ist Schmuck, aber mir persönlich bedeutet das auch etwas.“

„Smile now, cry later“

Durch die schwarze Nylonstrumpfhose ist auch auf Sarahs Oberschenkel ein Tattoo sichtbar: „Im Kugelhagel sterben, im Tod vereint“ - es geht um Bonnie und Clyde. „Sollte ich irgendwann mal heiraten, dann kommen die Anfangsbuchstaben von meinem Namen und dem Namen meines Partners dazu“, erzählt die junge Frau, deren gesamte Erscheinung ins Auge fällt: Die Haare trägt sie rot gefärbt, einige dezente Piercings setzen modische Akzente im Gesicht und über dem kurzen schwarzen Rock trägt sie ein T-Shirt, das ganz witzig zur Situation passt: „Life is Pain“ - „Leben ist Schmerz“ und „Smile now, cry later“ - „Lächele jetzt, weine später“ steht darauf. Sarah lacht: „Oh, dass ich das heute anhabe, war echt Zufall.“

Motiv-Auswahl

Apropos Schmerz: Tut das, was Tommy da gerade macht, eigentlich gar nicht weh? „Nein, er macht heute nur die Schattierungen. Das spüre ich zwar, schmerzt aber nicht“, versichert Sarah. Sie hat allerdings auch schon für das eine oder andere Tattoo echt gelitten – zum Beispiel für das auf ihrem Dekolleté oder die im Nacken- und Halsbereich. Trotzdem hat sie bisher nichts bereut. Schließlich hat sie sich auch jedes neue „Hautbild“ vorher gut überlegt. Einmal hat Tommy ein Motiv auf ihrem Arm gründlich überarbeitetet. Das Motiv hatte allerdings ein anderer Tätowierer angefertigt und es gefiel der Marsbergerin überhaupt nicht.„Wegzaubern kann ich ein Tattoo natürlich nicht, aber es gibt schon Möglichkeiten, etwas darüber zu setzen oder das vorhandene Tattoo zu überarbeiten.

Tommy stammt aus Hamburg

Schwarze Flammen eignen sich zum Beispiel sehr gut, wenn ein Name weg muss“, erklärt Tommy Needles, der auf viele Jahre Berufserfahrung zurückblickt. „Ich beschäftige mich schon seit über 30 Jahren mit dem tätowieren. 1994 habe ich in Hamburg mein erstes Studio eröffnet“, erzählt der 54-Jährige. Auch heute hat er dort noch ein Standbein.

Doch seinen Lebensmittelpunkt hat er inzwischen in Marsberg. Das Sauerland hatte er zuvor durch Besuche bei Freunden kennengelernt, war viel mit dem Mountainbike unterwegs. Schließlich reifte der Entschluss, in Marsberg ein Studio zu eröffnen. „Mir wurde das Großstadtleben in Hamburg zu hektisch. Ich wollte einfach mehr Ruhe“, erklärt Tommy Needles. Im Mai 2018 hat er dann tatsächlich sein neues Studio im Kötterhagen eröffnet.

Bei der Motiv-Wahl Zeit lassen

Für alle, die sich gerne ein Tattoo stechen lassen möchte, hat Tommy ein paar gute Tipps parat. Zum Beispiel: „Last euch Zeit bei der Wahl eures Motives , vielleicht etwas mit persönlichem Bezug und Namen von Mann oder Freund, Frau oder Freundin sollte man möglichst vermeiden. Das kann sich schnell ändern. Bei Namen der eigenen Kinder ist das schon unproblematischer.“ Auf jeden Fall sollte man sich gut überlegen welches Motiv man wählt, so die Empfehlung des Tätowierers: „Ein Tattoo ist etwas das man für sein Leben lang behält und kein T-Shirt das im nächsten Jahr nicht mehr modern ist.“

Wenn es um das erste Tattoo geht, rät Tommy Needles dazu, erstmal eine Stelle zu wählen, die nicht so sichtbar ist: „Das sollte man nicht machen, weil es cool ist, sondern für sich selbst.“ Gerade junge Leute sollten sich die Sache gut überlegen, so seine Einschätzung. „Nicht jeder Arbeitgeber findet ein sichtbares Tattoo gut.“ Und: „18 Jahre ist das Mindestalter, mit 16 könnte man sich mit Einverständnis der Eltern tätowieren lassen. Ich mache das aber nicht unter 18. Noch besser fände ich es manchmal sogar, die Altersgrenze bei 21 Jahren zu ziehen.“

Oft mehrere Sitzungen bis ein Motiv fertig ist

Oft kommen die Kunden mit Bildern von Tattoo’s aus Zeitschriften ins Studio und möchten genau dieses Motiv tätowiert haben . Das wird in der Regel nicht gemacht und Tommy möchte für den Kunden ein eigenes , an die Körperstelle angepasstes Motiv entwerfen. Im ersten Schritt bringt er dann einen Entwurf zu Papier. Gefällt dem Kunden das Motiv, wird eine Schablone erstellt, um es auf die Haut zu übertragen. In der Regel werden dann zuerst die Outline’s mit der Tattoomaschine in die Haut gestochen. Danach kommen die Schattierungen und gegebenenfalls Farben.

Eine Sitzung dauert in der Regel zwei bis vier Stunden, je nach Motiv manchmal auch länger, oft kommen die Kunden mehrmals wieder, bis ihr Tattoo komplett ist. Auch Sarah wird sicher noch einige Sitzungen bei Tommy verbringen, bis die nordische Mythologie auf ihrem Arm mit den beiden Raben Odins „Hugin“ und „Munin“ fertig ist ...

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