Umwelt

Medebach saniert Kanalisation mit Inlinern

Kanalarbeiten

Kanalarbeiten

Foto: Stefanie Bald

Oberschledorn.  Zurzeit laufen die Sanierungsarbeiten in Oberschledorn. Die Stadtwerke lassen die alten Rohre mit Glasfaserschläuchen abdichten.

Die Oberschledorner haben einen neuen Abwasserkanal – und wer nicht zufällig die Arbeiter beobachtet hat, dürfte davon kaum etwas mitbekommen haben. Denn die Zeiten, in denen solche Arbeiten mit Baggern ausgeführt werden mussten, tiefe Löcher und wochenlange Straßensperrungen zur Folge hatten, sind vorbei. „Manchmal kommen Fragen, was wir hier eigentlich genau machen“, erzählt Theo Koch, Geschäftsführer der Schmallenberger Firma kandis Kanaltechnologie. Bis Donnerstag war seine Firma in Oberschledorn im Einsatz.

Insgesamt neun Haltungen hat sie dort erneuert – also neun Kanalabschnitte zwischen jeweils zwei Zugangsschächten. Das alles passierte im Inliner-Verfahren, bei dem ein neues Kanalrohr ins alte geschoben wird. Es besteht aus einem Schlauch aus Glasfasergewebe und Kunstharz, der erst im Rohr aushärtet. Neu ist dieses Verfahren nicht, aber ein interessanter und heutzutage hochpräziser technischer Vorgang.

Zu Beginn fährt eine Kamera durch den Abschnitt, damit die Arbeiter erkennen können, ob sich noch Hindernisse im Rohr befinden. Die benötigte Menge an Schlauchliner wurde bereits vorher exakt vermessen und passend an die Baustelle geliefert. In großen Kisten liegen lange, schmale, biegsame Plastikbahnen. Noch ist der Liner in dieser lichtdichten Verpackung elastisch.

Equipment im Wert von 750.000 Euro

Am vorderen Ende der Packung wird ein Seil befestigt. Mittels einer Seilwinde wird die ganze Packung durch das Kanalrohr gezogen bis zum nächsten Schacht. Dort wird die Packung geöffnet und durch einen Metallzylinder offen gehalten. Dann wird der ganze Abschnitt mit 0,6 bar Druckluft wie ein Luftballon aufgeblasen, dabei entfaltet sich der Liner und legt sich eng an die Kanalwand an. Durch den Druck werden die kunstharzgetränkten Glasfasergewebe komprimiert – die Wanddicke des neuen Kanalrohrs beträgt am Ende nur vier Millimeter.

Dann wird eine lange Kette von UV-Lampen in den Schacht hinabgelassen. Sie laufen auf Rollen, die genau an den Rohrdurchmesser angepasst sind, und jede wird zu einem genau berechneten Zeitpunkt angeschaltet – beides sorgt dafür, dass jeder Rohrabschnitt exakt gleich viel UV-Licht erhält und gleichmäßig aushärtet. Das ist nur ein Beispiel dafür, wie präzise das Verfahren ablaufen muss und überwacht wird.

Allein für die Ausrüstung und alle Messgeräte, die bei dieser Arbeit nötig sind, hat die Firma einen 7,5-Tonnen-Lkw mitgebracht. Rund 750.000 Euro ist das Equipment wert. Der Lkw beherbergt auch die Schaltzentrale, in der auf Monitoren alle Messwerte genau überwacht werden: Temperatursensoren, Geschwindigkeits- und Druckmesser, Meterzähler, Überwachung jeder einzelnen UV-Lampe und vieles mehr. „Man denkt bei Kanalarbeiten oft erstmal an einen schmutzigen Arbeitsplatz“, sagt Theo Koch und schaut sich in der Schaltzentrale um. „Aber heutzutage sieht der eben auch oft so aus.“

Grundwasser aus Kanal heraushalten

Ganz am Schluss fehlen dem neuen Kanal natürlich noch Löcher für die Hausanschlüsse. Auch die wurden vorab millimetergenau ausgemessen. Ein Roboter bohrt sie in das fertig ausgehärtete Rohr, ebenfalls ein Roboter bringt danach passgenaue Profile an, die die Verbindungsstellen abdichten.

Matthias Koch, dem Technischen Leiter der Stadtwerke Medebach, fällt eine ganze Handvoll Vorteile des Schlauchliner-Verfahrens gegenüber dem Austausch durch Baggern ein: kein Loch in der Straße, dadurch keine Behinderung des Verkehrs und der Anlieger durch Staub und Lärm, keine Gefahr von Schäden an anderen Leitungen, einige Stunden statt mehrerer Wochen Arbeit, keine Gefahr für alte Fachwerkhäuser, die nah an der Straße stehen und durch Baggerarbeiten instabil werden könnten. „Und die Haltbarkeit eines so erneuerten Kanals liegt bei garantiert 70 Jahren“, betont Theo Koch. Selbst Wurzeln sollen gegen ihn keine Chance haben, anders als bei den bisherigen Betonrohren.

Früher hemdsärmerlig zur Sache gegangen

Frühere Generationen, erklärt Matthias Koch, seien bei Kanalarbeiten oft hemdsärmelig zu Werke gegangen: Wurde ein neuer Hausanschluss gebraucht, wurde der ganz einfach mit der Spitzhacke in den Kanal gekloppt. Solche Schäden und Hindernisse, ebenso wie einwachsende Wurzeln, Betonkorrosion und undichte Verbindungen, machen im Lauf der Jahrzehnte Betonrohre undicht.

Ein weiterer Grund klingt überraschend: „Es geht uns auch darum, sauberes Wasser aus dem Kanal herauszuhalten“, erklärt Matthias Koch. Denn die Stadtwerke haben festgestellt, dass im Klärwerk eine Menge sauberes Wasser ankommt – selbst wenn es nicht regnet. Das kann nur bedeuten, dass kostbares Grundwasser in den Kanal sickert. Das ist aus zwei Gründen ein Problem: Erstens hat dieses Wasser in der Kläranlage nichts zu suchen und zweitens kann umgekehrt natürlich auch Schmutzwasser durch die Schäden in den Boden gelangen.

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