875 Jahre

Medebach startet mit Zeitreise ins Stadtjubiläum

In historischen Kostümen eröffnet das Hansetheater-Ensemble das Jubiläumsfest mit einer Zeitreise

In historischen Kostümen eröffnet das Hansetheater-Ensemble das Jubiläumsfest mit einer Zeitreise

Foto: Stefanie Bald

Medebach.  Liebevoll erdacht und mit vielen Details und witzigen Einfällen hat das Ensemble des Hansetheaters die 875-Jahr-Feier eingeläutet.

Mit einer liebevoll erdachten Zeitreise sind die Medebacher am Freitag Abend ins große Stadtjubiläum gestartet.

Eine Stunde vorab sind die Straßen und der Marktplatz noch fast leer, doch von irgendwoher dringen Fetzen von Blasmusik und Gesang. Sie verraten, dass sich der Musikzug und die Leute vom Hansetheater warm machen für den großen Auftritt.

Noch 30 Minuten: Uniformierte Trommler sind zu sehen, sie schreiten die Straßen ab und locken die Menschen zum Marktplatz. Dort hat wenig später der Musikzug für sein Platzkonzert die Bühne besetzt.

Mit dem letzten Ton, um genau 17.35 Uhr, befördert ein Urknall die Menschen auf dem inzwischen vollen Platz ins Jahr 1144.

Den Vogt und seinen Münzmeister (alias Bürgermeister Thomas Grosche und Wirtschaftsförderer Michael Aufmhof) plagen arge Sorgen. Der Erzbischof (Pfarrer Dr. Achim Funder) hat seinen Besuch angekündigt – der darf keinesfalls erfahren, dass die zwei ihre Macht in Medebach hauptsächlich dazu nutzen, sich die Taschen voll zu machen.

Doch alles Kriechen und Bauchpinseln hilft nichts: Das wütende Volk hat dem Erzbischof schon die Wahrheit gesteckt. Der setzt daraufhin eine Urkunde auf, die das Treiben der beiden beendet und Medebach erstmals erwähnt – die offizielle Stunde Null der Stadt.

In aufwendigen Kostümen stehen Händler, Geistliche, Ritter, Wächter und Damen vieler Epochen auf der Bühne, daneben das Hansepaar Karin und Sven Sälzer. Im zweiten Teil der Zeitreise spielt eine schwere Schatztruhe die Hauptrolle.

Die wichtigsten Söhne und Töchter der Stadt – Caspar Vopelius, Henriette Davidis, Prior Lefarth vom Kloster Glindfeld, Schulrektor Josef Bauer und viele mehr – alle versuchen vergeblich, die Truhe zu öffnen (permanent gestört vom herrlich gespielten dreisten Rabodow aus Hessen, der Anspruch auf den Inhalt erhebt).

Der richtige Schlüssel liegt jedoch gar nicht in der Vergangenheit: Hansedame Karin Sälzer findet ihn. „Auch Ihr Schlüssel hätte gepasst“, verspricht sie dem Publikum. „Denn die Geschichte der Stadt wird von den Menschen geschrieben, die dort leben und sie gestalten.“

Immer wieder hätten die Medebacher der Vergangenheit schwierigste Zeiten gemeistert – das betonen auch Bürgermeister Grosche und andere Redner. Dank ihnen und dank viel eigener Anstrengung können die Medebacher an diesem Wochenende ein Fest feiern, das in ihre Geschichte eingehen soll. Der Auftakt war auf jeden Fall vielversprechend.

Und was war nun in der ominösen Schatztruhe? Jubiläumshüte und Schnäpschen, die zum Schluss, vor dem Singen des Hansestadtsongs, ans Publikum verteilt wurden, damit es mitfeiern konnte – was alle auf dem Platz auch begeistert taten.

Tausende Ehrenamtliche haben es möglich gemacht. „Ich war endlich mal ausgelastet“, scherzte Dagmar Köster, Moderatorin und verantwortlich für die Zeitreise und das Rahmenprogramm am Wochenende.

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