SOZIALES

Menschen mit Behinderungen aus Bigge veröffentlichen Zeitung

as Redaktionsteam der Josefsheimer Zeitung feiert zusammen die fertige Jubiläumsausgabe. Alle haben tatkräftig an Fotos, Texten, Layout und vielem mehr mitgewirkt.  

Foto: Monika Wiegelmann

as Redaktionsteam der Josefsheimer Zeitung feiert zusammen die fertige Jubiläumsausgabe. Alle haben tatkräftig an Fotos, Texten, Layout und vielem mehr mitgewirkt.   Foto: Monika Wiegelmann

Bigge.  Zwölf Redakteure der „Jo.Z.“ feiern 50. Jubiläumsausgabe. Bewohner schreiben über ihre Lebenswelt. Sie werden von Zeitungsmachern unterstützt.

Sie sind alle ein Stück Josefsheim und gleichzeitig schreiben sie mit viel Spaß über sich selbst und ihre Einrichtung - jetzt bereits zum 50. Mal: Das zwölfköpfige Redaktionsteam - bestehend aus Bewohnern und Mitarbeitern - konnte nun die Jubiläumsausgabe Nr. 50 der Josefsheimer Zeitung („Jo.Z.“) präsentieren.

Diese wurde mit den aktuellen und ehemaligen Zeitungsmachern, den Redaktionsleitern Karin Reuter und Willi Häger sowie Mitarbeiter Mario Polzer, Walter Hoffmann (Vorsitzender Förderverein), Bewohnern und Unterstützern mit Sekt und Snacks gefeiert. Sogar Bürgermeister Wolfgang Fischer kam zur Vorstellung der druckfrischen Ausgabe ins Café Sonnenblick.

Erste Ausgabe erscheint 2001

„Einfach mitnehmen und lesen“, lud Häger die Teilnehmer dazu ein, sich auch die im Raum ausgestellten 49 früheren Jo.Z.-Cover anzuschauen. „Von der ersten zusammengeschusterten Ausgabe bis zum heutigen Magazin“ waren alle Ausgaben ausgestellt. Die ersten Zeitungen ab 2001 waren vier DIN-A3-Seiten, beidseitig bedruckt in Schwarz-Weiß. „Und dann haben wir sie bei der Nachbarin kopiert“, erinnerte sich Karin Reuter.

Auf 28 farbigen Seiten gibt es wieder Berichte über schöne Erinnerungen an Ausflüge, kulturelle Angebote, die Diskussionsrunde zum Bundesteilhabegesetz mit Dirk Wiese MdB. Auch über eine abenteuerliche Zugfahrt mit Rollator und Rollstuhl nach Münster oder das Projekt „Nepal“ wird berichtet, bei dem Stephan Grautstück am Himalaya half, mehrere Häuser für die Jugendausbildung zu bauen. Große Schrift und viele Bilder sind dabei wichtig, denn einige Bewohner haben eine eingeschränkte Seh- und Lesefähigkeit.

Der Ablauf in der Redaktion im Laufe einer Ausgabe

„Worüber können wir aktuell schreiben und wer übernimmt was, das wird donnerstags abends gemeinsam beim Redaktionstreffen besprochen“, sagt Karin Reuter. „Manchmal fragen wir gezielt: Wer geht zu dem Event und wer kann Fotos machen? Jeder Mitarbeiter kann einen Bericht bringen, der attraktiv genug für alle ist.“

Wer mal eine Schreibblockade hat, pausiert. „Wer ein Thema übernommen hat, kann das aus seiner Sicht schreiben“, betont Willi Häger. „Sind da Stolpersteine in der Grammatik, verfeinern wir das gemeinsam, ohne dabei den eigenen Stil zu ändern.“ Fotos werden meist von ihm und Mario Polzer gemacht, aber auch Handyfotos der Bewohner oder der Mitarbeiter verwenden sie. Die „Jo.Z.“ wird in einer Auflage von 300 Stück durch das Haus gesponsert. Gedruckt wird sie in der eigenen Druckerei.

Die fertige Zeitschrift wird im Haus ausgelegt. Jeder kann sie mitnehmen oder weitergeben. So erreicht jedes Heft etwa zehn Leser, von Bewohnern und Besuchern bis zur Oma. Das ist auch eine gute Gelegenheit für die Einrichtung, über sich zu informieren.

Neuer Lebensmut nach dem Unfall

Die Redakteure der „Jo.Z.“ bekommen von den Mitarbeitern bei ihren Aufgabe immer Unterstützung angeboten. Mit großem Spaß machen alle mit.

Zum Redaktionsteam gehört auch Anika Maehler, eine ehemalige Bewohnerin, die mit Herzblut dabei ist. Heute hat sie eine eigene Wohnung und arbeitet im Heim. Die junge Frau hatte gerade die Mittlere Reife, als sie im Jahr 2002, mit 16 Jahren bei einem schweren Autounfall unter anderem auch Hirnblutungen erlitt.

Ihre Schul- und Berufsausbildung war zunächst auf Eis gelegt. Sie kämpfte sich zurück ins Leben und ist heute gut rehabilitiert, aber zurück blieben körperliche Behinderungen.

Mit Leidenschaft bei der Zeitung dabei

Als sie 2002 ins Josefsheim kam, weckte die „Jo.Z“ sofort ihr Interesse. „Ich habe mich schon in frühester Kindheit für Zeitung interessiert und war auch an der Schülerzeitung beteiligt“, erzählt sie. Sie legte im Redaktionsteam gleich los, ist fester Teil der Redaktion und bringt immer gute Ideen ein.

Ist eine Ausgabe gedruckt, beginnt das Team sofort mit Recherchen für das nächste Magazin, denn es dauert etwa drei bis vier Monate bis alles druckreif ist. „Wir berichten über das aktuelle Geschehen im und um das Heim und halten immer die Augen offen. Das wird dann gemeinsam besprochen“, erklärte Anika Maehler. „Jeder schreibt seine Texte als Word-Datei selbst in den PC und schickt ihn dann über Intranet an die Redaktionsleiter. Die schauen, ob man ihn so auch nutzen kann.“

Und wenn die Menschen mit Behinderungen dann die fertige Heimzeitschrift präsentieren können, sind alle mit Recht stolz darauf. Und bei einem runden Geburtstag wie diesen nochmal etwas mehr.

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