Kriminalität

Messerangriff in Brilon: Geringere Strafe nach Revision

Vor dem Landgericht in Arnsberg findet die erneute Verhandlung einer gefährlichen Körperverletzung statt. Ein Briloner stach mit einem Messer auf seinen Freund an, worauf dieser einen Lungenkollaps erlitt.

Vor dem Landgericht in Arnsberg findet die erneute Verhandlung einer gefährlichen Körperverletzung statt. Ein Briloner stach mit einem Messer auf seinen Freund an, worauf dieser einen Lungenkollaps erlitt.

Foto: Rita Maurer

Arnsberg/Brilon.  Bundesgerichtshof hebt Urteil des Landgerichtes auf und lässt neu verhandeln. 30-jähriger Briloner wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

„Wenn ich in Brilon bleibe und Drogen konsumiere, nimmt das kein gutes Ende“, beschreibt der 30-jährige Angeklagte eine wichtige Erkenntnis, die sein Leben später in eine bessere Richtung lenken soll.

Der größte Anstoß kommt aber nachdem er im August 2017 unter Drogeneinfluss auf seinen Freund, der gleichzeitig sein Dealer ist, eingestochen hatte. Beide saßen zusammen in der Wohnung des Angeklagten, als es zu einer verbalen Streitigkeit kam bei deren Höhepunkt der Täter ein Messer unterhalb der Achselhöhle des Opfers stach.

Richter Jäger interessiert sich für das Leben des Angeklagten

Das Landgericht Arnsberg verurteilte ihn daraufhin zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren. Der Briloner legte Revision ein und der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf, weil es sich um einen minderschweren Fall der gefährlichen Körperverletzung handle.

Das Landgericht musste den Fall daher neu verhandeln und verurteilte den Angeklagten diesmal zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung. Die Bewährungszeit ist auf drei Jahre festgesetzt. Richter Markus Jäger interessierte sich in der Verhandlung vor allem dafür, was sich seit dem Urteil im Februar des vergangenen Jahres im Leben des Angeklagten alles verändert hat.

Therapieplatz, um den Drogenkonsum in den Griff zu bekommen

Dabei kam einiges zusammen. Zuerst besorgte sich der 30-Jährige eine eigene Wohnung und suchte sich einen Therapieplatz, um seinen Drogenkonsum in den Griff zu bekommen. „Ich war unzuverlässig und konnte keine Arbeit halten. Den Kollegen ist auch irgendwann aufgefallen, dass ich Drogen nehme“, sagt der Briloner. Seit der Untersuchungshaft vor eineinhalb Jahren ist er eigenen Angaben nach von jeglichen Drogen ferngeblieben.

„Leider werden keine Drogentests von mir verlangt bei der Therapie, um das beweisen zu können“, gibt sich der Angeklagte selbstbewusst. Neben den wöchentlichen Terminen bei denen er der Ursache für seinen ehemaligen Konsum auf den Grund geht, lernt er auch prophylaktische Maßnahmen kennen, um mit dem auftretenden Verlangen nach Cannabis oder Amphetaminen - den Drogen seiner Wahl - umgehen zu können. Bisher sei dieses Verlangen aber noch nicht wieder aufgetreten, beteuert der Angeklagte im Verfahren.

Lehre als Koch angefangen

Eine berufsvorbereitende Maßnahme beschäftigt ihn außerdem täglich fünf Stunden bevor er im August eine Lehre als Koch anfangen kann.

Vor Gericht sagte auch Gutachter Dr. Markus Müller-Küppers aus der LWL Klinik Marsberg aus und stellte eine positive Sozialprognose: „Der Angeklagte versteht die Wichtigkeit der Therapie und ich bin zuversichtlich, dass er nach den vergangenen eineinhalb Jahren auch weiterhin drogenfrei bleibt.“

Mindestens ein weiteres Jahr Therapie

Für das Gericht um Richter Jäger waren diese Punkte ausschlaggebend, um dem 30-Jährigen eine Bewährungsstrafe zu geben. Eine zusätzliche Auflage ist jedoch, dass er mindestens ein weiteres Jahr zur Therapie geht und sich eine Arbeit sucht, sofern es mit dem Ausbildungsplatz doch nichts werden sollte.

Jäger: „Sehen Sie das nicht als Entwertung Ihrer bisherigen Leistungen. Aber es warten in der nahen Zukunft einige Klippen auf Sie, wo Sie mit Stresssituationen konfrontiert werden. Dann könnte Rat wichtig sein und auf diesen sollten Sie dann auf keinen Fall verzichten.“

Parteien legen keine Rechtsmittel ein - Urteil ist gültig

Zuvor erkundigte sich Staatsanwalt Klaus Neulken bei Müller Küppers, ob dies als Bewährungsauflage kontraproduktiv sein könnte und verzichtete im Plädoyer darauf, weil der Angeklagte umgehend sagte, dass es ihm egal sei. „Ich werde sowieso in der Therapie bleiben. Ich möchte meine Fortschritte auf keinen Fall gefährden.“

Der Hinweis des Bundesgerichtshofes, dass es sich um einen minderschweren Fall handelt, sah das Landgericht als erwiesen an, weil der Angeklagte selbst die Polizei verständigte, sich beim Opfer entschuldigte und letzterer keine gefährlichen Verletzungen davon trug. Nach dem Urteil gaben alle Parteien an, dass sie keine Rechtsmittel einlegen. Das Urteil ist rechtskräftig.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben