Justiz

Missbrauchs-Prozess geplatzt: Angeklagter ist weg

Foto: Rita Maurer

Arnsberg/Brilon.   Die höchstmögliche dreiwöchige Verhandlungsunterbrechung ist abgelaufen. Der per Haftbefehl gesuchte Angeklagte aus dem Altkreis Brilon ist weg.

Der Prozess gegen einen 42 Jahre alten Asylbewerber aus dem Iran, dem Missbrauch seiner Stieftochter vorgeworfen wird, ist geplatzt. Heute, Mittwoch, sollte nach dreiwöchiger Pause der vierte Verhandlungstag vor der 6. Großen Strafkammer des Landgerichts Arnsberg stattfinden. Allein: Der Termin ist aufgehoben worden. Der Angeklagte ist untergetaucht.

Damit ist die in § 229 Strafprozessordnung vorgesehene maximale Prozessunterbrechung erreicht. Es sei denn, der Mann wird heute im Lauf des Tages doch noch festgenommen. Dann könnte und müsste morgen (Donnerstag) das Verfahren fortgesetzt werden.

Bereits zum dritten Prozesstag am 18. September war der 42-Jährige nicht erschienen. Daraufhin hatte Kammervorsitzender Markus Jäger gegen ihn einen Haftbefehl erlassen.

Gleichzeitig hatte er während der Verhandlung einen Polizeibeamten zur Wohnung des Angeklagten im Altkreis Brilon geschickt. Der hatte dort jedoch weder den Angeklagten noch seine Frau oder deren heute 18-jährige Tochter aus erster Ehe angetroffen. Auch sie sollte an dem Termin vor drei Wochen noch einmal gehört werden.

Wegen Ohrfeigen zur Polizei

Um sie geht es nämlich. Bereits seit deren 10. Lebensjahr soll sich der Angeklagte, damals noch im Iran, an ihr vergangen haben.

Verstörende Aussagen brachten zwei heimlich von der Tochter aufgenommene Gespräche, die sie mit ihrem Stiefvater über die Vorfälle geführt hat, zu Tage. Er sagt darin, dass die Tochter doch mit diesen intimen Kontakte einverstanden gewesen sei. Worauf die 18-Jährige lediglich entgegnete, dazu aber keine Lust gehabt zu haben.

Ins Rollen gekommen war die Anzeige, nachdem der 42-Jährige seiner Stieftochter Ende vergangenen Jahres ein paar Ohrfeigen bei einem Streit um die vermeintlich zu freizügige Lebensart und Kleidung des jungen Mädchens gegeben hatte.

Darüber war sie so sauer geworden, dass sie ihrer Mutter (36) von dem Missbrauch erzählt, und beide wandten sich an die Polizei. Worauf der 42-Jährige in U-Haft kam. Aber nur für ein paar Tage. Denn Mutter und Tochter nahmen die Vorwürfe wieder zurück. Jemand hatte ihnen gesagt, das drohende Verfahren könnte sich negativ auf ihr Asylverfahren auswirken.

Keine Spur mehr von der ganzen Familie

Am ersten Prozesstag hatte die Familie vor Verhandlungsbeginn und in den Pausen immer harmonisch beisammen gestanden und war nach der Sitzung auch in aller Eintracht gemeinsam davon geschlendert; am zweiten war der Angeklagte alleine in Arnsberg erschienen.

Die Wohnung der Familie im Ostkreis ist nach Informationen der WP seit gut zwei Wochen komplett verwaist. Auch der Vermieter hat seit dieser Zeit nichts mehr von den Bewohnern gehört. Offenbar ist die gesamte Familie untergetaucht.

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