Gericht

Missbrauchsprozess: Gab es ein Verhältnis zur Stieftochter?

In Arnsberg wurde der Prozess gegen einen Mann fortgesetzt, der seine Stieftochter missbraucht haben soll.

Foto: Oliver Müller/Symbolbild

In Arnsberg wurde der Prozess gegen einen Mann fortgesetzt, der seine Stieftochter missbraucht haben soll. Foto: Oliver Müller/Symbolbild

Arnsberg/Brilon.  Ein Mann (42) aus dem Altkreis soll seine Stieftochter missbraucht haben. Gynäkologische Untersuchungen kommen zu gegensätzlichen Ergebnissen.

Das heimlich von der 18-Jährigen per Smartphone aufgenommene Gespräch mit ihrem Stiefvater dauerte etwa 20 Minuten. Es aber vom Arabischen ins Deutsche zu übersetzen, nahm am Dienstag vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Arnsberg mehr als die dreifache Zeit in Anspruch. Zwei Dolmetscher und der muttersprachliche Anwalt des Angeklagten diskutierten hier und da über die korrekte Übersetzung des Gesagten.

Einspruch gegen Verwertung der Aufzeichnung wies die Kammer

Sprachen die beiden zum Beispiel bloß über „Kontakte“ mit- und zueinander oder war das doch mehr, eine „Beziehung“ oder gar ein - wie der Dolmetscher des Angeklagten dem Kontext entnahm - „eindeutiges Liebesverhältnis“? Dafür spricht vieles - sowohl auf Seiten des Mädchens wie auch bei dem, was der Angeklagte Anfang des Jahres gesagt hatte. Da war er gerade aus der dreitägigen Untersuchungshaft zurück. Wegen sexuellen Missbrauchs Schutzbefohlener hat sich der 42 Jahre alte Iraner, der 2015 mit seiner Lebensgefährtin und deren Tochter als Flüchtling nach Deutschland kam und jetzt im Altkreis Brilon lebt, in Arnsberg zu verantworten.

„Wollen Sie Ihre Einlassung nach dem, was wir hier gehört haben, vielleicht einmal überdenken?“ fragte Vorsitzender Richter Markus Jäger nach dem Abspielen der Aufzeichnung den Angeklagten. Der hatte auf Anraten seines Verteidigers am ersten Verhandlungstag erklärt, nichts zur den Vorwürfen sagen zu wollen; lediglich einige Ohrfeigen hatte er eingeräumt. Den Einspruch des Verteidigers gegen die Verwertung der Gesprächsaufzeichnung wies die Kammer ab.

Geschichte soll schon im Iran begonnen haben

In dem Gespräch war immer wieder die Rede davon, dass es in ihrem „Verhältnis“ - die Geschichte soll schon im Iran begonnen haben, als die Stieftochter 12 Jahre alt war - nie Gewalt gegeben habe. In dem Gespräch redet der Angeklagte auf seine Stieftochter ein, Vergangenheit ruhen zu lassen, um die Familie nicht zu zerstören. „Deiner Mutter“, so hört man den Angeklagten, „erzählst du, du seist ein Engel und ich hätte dich verführt. Du warst doch damit einverstanden.“ Darauf das Mädchen: „Ja, aber ich habe keine Lust gehabt.“

Am 2. Januar hatten sich Mutter und Tochter der Flüchtlingspatin, die sich um die Familie kümmerte, anvertraut. Sie fuhr mit den beiden zur Polizei nach Meschede, wo die beiden mehrstündige Aussagen machten. Und nicht nur das.

Polizei in Neheim-Hüsten ließ zweite Untersuchung vornehmen

Um den Missbrauch zu dokumentieren, ließ die Polizei im Mescheder Krankenhaus eine gynäkologische Untersuchung vornehmen. Ergebnis: Das Jungfernhäutchen sei zwar etwas gedehnt, aber intakt. „Wahrscheinlich sei nichts Schlimmes passiert“, habe der Arzt gesagt, gab die Polizeibeamtin wider: „Der hat das alles heruntergespielt.“ Das regte die Mutter auf - denn ein muslimischer Arzt hatte ihre Tochter untersucht.

Worauf die Polizei in Hüsten eine zweite Untersuchung vornehmen ließ. Ergebnis: Das Hymen sei nicht intakt. Worauf in Marburg eine dritte Untersuchung folgte, die wiederum das Mescheder Ergebnis bestätigte. Darüber, so erinnerte sich die Flüchtlingspatin, habe sich die Mutter sehr aufgeregt. Anfangs, so erzählt, sie, habe sie den beiden Frauen alles geglaubt. „Sonst hätte ich den ganzen Aufriss mit der Polizei nicht gemacht. Jetzt glaube ich ihnen nichts mehr.“

Der Prozess geht noch weiter.

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