Vereinsauflösung

Mit der Pferdekutsche in das „Casino“ nach Marsberg

Josef Brunnert aus Meschede, Hubert Gödde aus Fürstenberg, Franz-Josef Kotthof aus Eikelborn, Volker Edel aus Helmighausen, Ludwig Knust aus Salzkotten, Freidrich Schulze aus Helmighausen und Jochen Schulze aus Cerkow/Uckermark.

Josef Brunnert aus Meschede, Hubert Gödde aus Fürstenberg, Franz-Josef Kotthof aus Eikelborn, Volker Edel aus Helmighausen, Ludwig Knust aus Salzkotten, Freidrich Schulze aus Helmighausen und Jochen Schulze aus Cerkow/Uckermark.

Foto: Helmut Steines

Marsberg.  Damals reisten sie mit der Kutsche ins „Casino“, später im Wagen. Damals ging es um Ackerbau, heute um Management. Das „Casino“ schließt.

Gestern der MGV „Harmonie“ Westheim. Heute das „Landwirtschaftliche Casino“ Marsberg, ein Vorreiter der heutigen landwirtschaftlichen Arbeitskreise. Auch dem Traditionsverein brechen die Mitglieder weg. Knapp 90 Jahre trafen sich die Landwirte immer einmal im Monat in Marsberg. Die Mitglieder kamen aus dem Großraum Marsberg, von Warburg bis Paderborn und Meschede. Jetzt ist das „Landwirtschaftliche Casino“ aus dem Vereinsregister gelöscht worden. Die verbliebenen Mitglieder haben sich ein letztes Mal getroffen, den traditionsreichen Zusammenschluss von Landwirten offiziell beendet und noch einmal zurückgeschaut.

Anfang der 1930er Jahre gründeten gleichgesinnte landwirtschaftliche Betriebsleiter größerer Gutsbetriebe aus dem Raum Marsberg das “Landwirtschaftliche Casino“, um sich in Fragen rund um den Ackerbau und Viehzucht auszutauschen. Sinn und Zweck war es, aus Erfahrungen anderer zu lernen. Um auch über Märkte und Technik orientiert zu sein, holte man sich je einen privaten Land- und Landmaschinenhändler sowie einen Genossenschaftler mit ins Boot.

Voraussetzung: guter Leumund

„Voraussetzung für die Aufnahme im Club war ein guter Leumund, selbständige Betriebsführung, Verschwiegenheit und Einstimmigkeit der Mitglieder“, so Volker Edel aus Helmighausen. Lange Zeit hat er das Gut Wieringsen in Marsberg (ehemaliger Musterhof) für den LWL verwaltet und es dann selbst geführt. Er war Mitglied im Casino. „Jeden ersten Samstag im Monat traf man sich zum Club-Abend in Marsberg“, erzählt er.

Angereist wurde zuerst mit Pferd und Wagen, wer auf sich hielt auch mit Kutsche. Neben den Fachgesprächen kam natürlich auch die Geselligkeit nicht zu kurz. Mit Beginn des 2. Weltkrieges endeten diese Treffen. Abgabepflichten für Erzeugnisse, Einschränkungen der Betriebsmittel, Einberufung der Mitarbeiter und Arbeitsbewältigung mit Kriegsgefangenen war jetzt die große Herausforderung, heißt es in der schriftlichen Zusammenfassung der Club-Aktivitäten von Ludwig Knust aus Salzkotten. Er hatte von 1973 bis zum Verkauf 1998 das Gut Dreckburg in Salzkotten für den Grafen von Westphalen verwaltet.

„Bis 1948 sollte es dauern, bis sich die wirtschaftliche Lage der Gutsbetriebe wieder halbwegs normaliserte“, schreibt er weiter. Die Gutsinspektoren trafen sich wieder und gründeten unter gleichen Bedingungen das „Landwirtschaftliche Casino“ neu.

Veränderte Betriebsstrukturen

Die Mitgliederzahl bewegte sich zwischen 15 bis 18 Personen und die Betriebsgrößen zwischen 300 bis 400 Hektar. Pferde-, Rinder-, Schweine- und Schafzucht ging einher mit vielseitigem Ackerbau. Im Laufe der Zeit wurden die Aktivitäten um Feldrundfahrten, Betriebsbesichtigungen und Expertenvorträge über Pflanzenschutz, Düngung und Betriebswirtschaft erweitert. Für die Ehefrauen wurden jährlich ein bis zwei Kulturporgramme angeboten. Tagungsort war bis heute Niedermarsberg, in einem Lokal mit separatem Gesellschaftsraum und natürlich guten Speisen und Getränken.

„Ab den 1960er Jahren änderte sich die Betriebsstruktur der landwirtschaftlichen Betriebe total“, so hat es auch Volker Edel erlebt. Viehlos, Spezialisierung im Ackerbau, Abbau von Arbeitskräften, Vollmechanisierung. „Der Trend hält auch heute noch an und die Digitalisierung öffnet ungeahnte Möglichkeiten.“ Kleinere Betriebe verschwanden. Großbetriebe entstanden. Aus dem ehemaligen Adminsistrator wurde zunächst der Gutsinspektor, dann der Betriebsleiter und daraus der Manager.

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