Steuerhinterziehung

Steuerhinterziehung bei Moschee-Bau? Mittelsmann wird gesucht

Wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe muss sich ein Geschäftsmann vor dem Landgericht Arnsberg verantworten.

Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe muss sich ein Geschäftsmann vor dem Landgericht Arnsberg verantworten. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Brilon/Arnsberg.   Der Chef einer Briloner Firma steht wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe vor Gericht. Dabei geht es um den Bau der Kölner Ditib-Moschee.

Er sollte ihm ein lukratives Geschäft verschaffen. Doch jener Mittelsmann, der einem Briloner Unternehmen für Bauelemente den Auftrag zum Bau der Ditib-Moschee in Köln vermittelte, trieb seinen Geschäftspartner in den Ruin.

Zumindest deutet am zweiten Verhandlungstag wegen Steuerhinterziehung in Höhe von rund 1,4 Millionen Euro gegen den 59-jährigen Firmenchef vieles daraufhin, dass der dubiose Geschäftspartner aus Köln der Strippenzieher war. Dieser hat sich in die Türkei abgesetzt und wird jetzt mit Haftbefehl gesucht.

Rechnungen zum Bau der Ditib-Moschee verschwunden

Vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Arnsberg gaben eine Buchhalterin, ein Treuhänder und ein Steuerberater Einblicke in die zwielichtigen Prozesse und das Zahlenwerk der mittlerweile insolventen Bauelemente-Firma. Im Mittelpunkt: der große und prominente Auftrag, der Bau der Kölner Moschee.

In den Jahren 2011 bis 2013 konnte er oft keine Steuervoranmeldungen und Bilanzen an das Finanzamt abgeben, erklärte der damalige Steuerberater der Briloner Firma. „Viele Rechnungen, insbesondere die vom Moschee-Bau, sind nicht aufgetaucht.“ Über 400 000 Euro seien vom Großauftrag in Köln auf den Konten der Firma verbucht worden, aber Belege suchte er vergeblich.

Firmenchef auf Meschede droht Freiheitsstrafe

Beim Unternehmen stapelten sich in der Folge Mahnungen und Bescheide der Finanzbehörden. Dem 59-jährigen Firmenchef aus Meschede, der nun wegen Steuerhinterziehung eine Freiheitsstrafe fürchtet, habe der Steuerberater das immer wieder mitgeteilt. Doch passiert sei nie etwas.

Die Bauelemente-Firma erledigte damals den Großteil der Arbeiten an der Kölner Moschee. Die Rechnungen dafür wurden zunächst vom Auftraggeber Ditib (Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) geprüft, ehe das Geld auf ein Treuhandkonto überwiesen wurde.

Von dort aus floss das Geld zu den Baufirmen. Für das Treuhandkonto hatte auch der eingangs erwähnte Mittelsmann eine Vollmacht. Ihm war es möglich, die Zahlungen auf ein Firmenkonto der Briloner Bauelemente-Firma zu koordinieren. Und für dieses wiederum, das bestätigte eine Buchhalterin der Firma, war er ebenfalls bevollmächtigt.

Plötzlich war der ominöse Geschäftsmann weg

„Ich hatte keinen Einblick in dieses Konto“, sagt die Buchhalterin der Firma. Den Mittelsmann habe sie auch kaum gesehen. „Manchmal war er in der Firma, meistens aber in Köln.“ Doch irgendwann war der selbstständige Geschäftsmann „auf einmal weg“, sagt sie, „und einige Gelder der Firma sind dann mit ihm verschwunden.“

Der Treuhänder, ein Kölner Steuerberater, ist übrigens ein alter Freund des Mittelsmanns und durch diesen hat er den Job erst bekommen. Auf Fragen zu seiner Beziehung zum Kölner Mittelsmann reagiert er dünnhäutig. „Wieso ist das wichtig?“, fragt er Rechtsanwalt Loskamp, den Verteidiger des Angeklagten. Dann gibt er nach. Man kenne sich bereits seit 20 Jahren, auch privat.

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