10 Jahre Kyrill

Monstersturm schüttelt Land der tausend Berge durch

Kyrill, Brilon, 2007

Kyrill, Brilon, 2007

Foto: WP

Brilon.   Kyrill war einer der verheerendsten Stürme, die Deutschland je erlebt haben. Vor allem NRW war von den 200 km/h starken Böen betroffen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Der Orkan Kyrill war einer der verheerendsten Stürme, die Deutschland jemals heimgesucht haben. Januar 2007. Insbesondere Nordrhein-Westfalen ist von den mehr als 200 Stundenkilometern starken Windböen betroffen.

Auch im Hochsauerlandkreis hinterlässt Kyrill Schneisen der Verwüstung. Das Tiefdruckgebiet, aus dem sich der Orkan entwickelt, entsteht am 15. Januar 2007 über Neufundland. Es erreicht Mitteleuropa am 18. Januar.

Der Deutsche Wetterdienst bezeichnet in der Nacht zum 19. Januar den Orkan als den stärksten seit Lothar im Dezember 1999.

Wirtschaftliche Bilanz ist schlimm

„Sturm deckt Dach der Realschule Olsberg ab“ lautet am 19. Januar 2007 der Titel der Westfalenpost Brilon.

Doch der Schlimmste passiert in der Nacht – nach Redaktionsschluss. Am 20. Januar ist klar, was der Sturm angerichtet hat.

„Ganze Waldbestände von Landkarte radiert“ heißt es auf Seite 1 der WP Brilon. Auf einer Sonderseite widmet sich die Lokalredaktion zum ersten Mal den verehrenden Auswirkungen. „Bloß nicht in den Wald gehen! – Im Stadtforst Brilon liegt soviel Holz wie sonst in zwei Jahren eingeschlagen wird“, heißt es. Forstdirektor Dr. Hermann Lohbeck warnt: „Bitte sagen Sie das Ihren Lesern ganz deutlich: Bloß nicht in den Wald gehen. Das ist lebensgefährlich!”

Die wirtschaftliche Bilanz ist schlimm: Für den Stadtforst ist das Orkan-Chaos eine seit Menschengedenken nicht gekannte Katastrophe. Kyrill und die Folgen werden auch in den Tagen darauf die Berichterstattung bestimmen.

Kein Weg nach Hause

Bald jährt sich die Kyrill-Nacht zum zehnten Mal und wohl jeder hat irgendeine mehr oder weniger dramatische Erinnerung daran.

Auch die Kollegen der Westfalenpost-Redaktion in Brilon und Winterberg. Es war nahezu gespenstisch still auf in der Derkeren Straße, als wir Redaktionsmitglieder uns am späten Nachmittag des 18. Januar 2007 auf den Weg nach Hause machen. Sprichwörtlich „Ruhe vor dem Sturm“ herrschte da noch, eine halbe Stunde später waren zwei Kollegen mit ihren Pkw mitten drin im Geschehen - und mussten sogar woanders übernachten, weil sie es nicht nach Hause schafften.

Gestorben ist in jener Nacht und auch bei den Aufräumarbeiten in unserem Redaktionsgebiet zum Glück niemand an Kyrill und seinen Folgen. Aber einige sind einem Unfall nur knapp entronnen.

Acht Tote bei Waldarbeiten

Insgesamt 13 500 Einsätze fuhr allein die Polizei in Nordrhein-Westfalen. Und in unserem Bundesland starben in der Sturmnacht sechs Menschen, beim Aufräumen ließen noch einmal acht ihr Leben. Insgesamt 25 Millionen Bäume fielen dem Orkan zum Opfer. Sie mussten in Form von 14,7 Millionen Festmetern Holz ihre Abnehmer finden, was Waldbauern, Politik und Sägewerkler in jeder Hinsicht an ihre Grenzen brachte.

50 000 neue Bäume im Bürgerwald

Aber es entstand seitdem auch schönes Neues, wie der Bürgerwald in Brilon schon ein Jahr später, Anfang 2008. Insgesamt 50 000 Bäume sind hier nun schon neu gepflanzt.

Wir lassen in einer neunteiligen WP-Serie viele Betroffene zu Wort kommen - und machen heute den Anfang mit zwei Kollegen der Redaktion Brilon, die sich heute zum Glück „nur“ an eine aufregende Autofahrt erinnern, die auch anders hätte enden können...

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben